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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-08 · Heft 30 (8.8.1890) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 30 (8.8.1890)
Date
1890-08-08
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 54 nichteinbe richteten Themata sind über die Begrübnißagende und die Behandlung der Bibel in der Religionsschule. Die obigen Themata wurden besprochen und Beschlüsse darüber gefaßt, was auch zur Besprechung einschlägiger Gegenstände führte. Die vom Komitee einberichtete Konstitution für die Assoziation und die permanente Konferenz kam zur Annahme. Anträge von verschiedenen Mitgliedern, Kultussragen betreffend, auch das Eefuch eines Petenten wurden erledigt, die Sabbathschule-llnion wurde bedacht und die Hauptzwecke der Assoziation besprochen und zur allgemeinen Zufriedenheit festgestellt. Die vom Komitee ausgegebeuen Themata hatten den Zweck, die Einheit des Kultus anzubahnen; die Konferenz ging aber über das bescheidene Auftreten des Komitees hinaus, und faßte auf Antrag vier verschiedener anwesenden und abwesenden Kollegen einstimmig den Beschluß, ein Zehnerkomitee zu ernennen, den Plan und das Material zu einem einheitlichen, für alle Gemeinden passenden Gebetbuch der Konferenz von 1891 (in Baltimore) zu unterbreiten. Dieser zur synagogalen Einheit j führende Beschluß überraschte selbst die Mitglieder des Komitees. Die Kommission, der diese Arbeit übertragen wurde, besteht aus den Herren Rabbinern Sonneschein und Sale —St. Louis. Machol-Cleveland, j Philipson und Levi - Cincinnati, Moses—Lonisville, Mayer—Pitsburg, Landsberg—Nochester, Großman-Detroit und Berkowitz -Kansas City. Alle einschlägigen Anträge imb Vorlagen wurden dieser Kommission überwiesen. Das ist der erste ernste und wohlerwogene Schritt zur Wiederherstellung dos Kultus in den amerikanischen Synagogen, der seiner voll-! ständigen Auflösung entgegengeht.! * New-?)ork, 18. Juli. Mit dem Eintritt der heißen Jahreszeit j beginnt auch wieder die vor einer Anzahl von Jahren mit zweifelhaftem j Erfolge inaugurirte Ausschließung ooit Israeliten ans ge-! wissen Sommer-Hotels und Erholu ngsplützen. Mangelst! sogar so weit, auf den Zirkularen dieser Hotels mit rothen leuchtenden! Buchstaben das Motto anzubringen: „Keine Juden" oder „Israeliten! werden nicht als Gäste angenommen"; daß es unter diesen Verhältnissen! für unsere israelitischen Mitbürger dilrchaus nicht angenehm ist, sich um i „Board" in den Sommerhotels zu bewerben, liegt auf der Hand, und j es tft schwer abzuseheu, wie dieser niederträchtigen Agitation entgegengetreten werden kann. — Zu bedauerlichen Auss chr eitun gen haben sich die strikenden Mäutelmachcr, meistens arme jüdisch russische Einwanderer, Hinreißen lassen. Die Löhne dieser Leute sind außerordentlich niedrig und wollen dieselben höhere Vergütung für ihre Arbeit durch den Strike erzingen. Bis jetzt haben sie noch Nichts erreicht und sind die Fabrikanten nicht gewillt, nachzngebeu. Tie Lage der meisten dieser armen Leute ist eine verzweifelte, sie haben meist zahlreiche Familien, denen! nun alle, wenn auch kärgliche Subsistenzmittel entzogen sind. Von Kali und Fern. — Bei der P r e i s v e r t h eilung a n d e r B e r l i n e r F r i e d r i ch -? W i l h e l m s- U niversität am 8. August erhielt in der philosophischen; Fakultät der Studirende Benzion S e l ig k o w i tz aus Jaffa (Palästina)! den ersten königlichen Preis für die Lösung der gestellten Aufgabe über j „Ernst Platners wissenschaftliche Stellung zu Kant". Ein zweiter Preis j wurde dem Stud. Phil. A rth n r W r e sch n e r aus Breslau zuerkanut. — - Zu dem Bericht über das Jubiläum des Sa nitäts r aths Tr. Badt! ist lloch nachzutragen, daß dem Jubilar der r v th e A d l e r o r d e n vierter j Klasse'mit der Zahl 50 verliehen worden ist. — In Breslau ist am 23. Juli j K v ni ni e r z i e n r a t h Juli u s K a u f f m a n n gestorben. Derselbe war j Btitglied der Textilenguete im Jahre 1878, Mitbegründer des Verbandes schlesischer Textiliudnstrieller und der Schlesischen Textilberufsgenossenschaft, stellvertretender Vorsitzender der letzteren, Mitglied des Volksnirthschaftsrathes, stellvertretendes Mitglied des Vertehrsansschusses der deutschen Eisenbahnen, Vizepräsident der Handelskammer zu Schweidnitz, Mitglied der Kreisverwaltnng und Inhaber noch vieler anderer Vertrauensümter. Kanffmann hat sich besonders durch die Wohlfahrtseinrichtungen, die er an den Stätten seiner Gewerbsthätigkeit schuf, einen Flamen gemacht. — Zu Frankfurt a. M. war am Montag im Schaufenster der Silberwaarenfabrik L azar us P o sen Ww. ein reich gegehaltener künstlerisch durchgeführter Thora schmuck ausgeste llt, der für Nordamerika bestimmt ist. Derselbe vereinigt bei sehr durchdachtem Entwürfe eine ganze Anzahl schwierigster Emailletechnkken, Halb- und Ganzedelsteine, und macht dadurch einen eminent farbigen und trotzdem decenten Eindruck. — Als Prediger für die Hilfssyncrn goge in Köln zu den hohen Feiertagen ist der Omni, theol. Herr Dr. Hannes aus Berlin gewonnen. — Unter großen Ehrenbezeugungeil feierte der Sauitütsrath Herr Dr. med. Benjamin Cassel zu Frei bürg in Baden seinen 80. Geburtstag. Der alte Herr entstammt einer seit Jahrhunderten in Deutz ansässig gewesenen, hochgeachteten Familie, er war lange Zeit praktischer Arzt in Köln. Die Universität Bonn erneuerte ihm ehrenhalber zum Geburtsfeste das am 15. September 1837 ertheilte Toktordiplom mit der ruhmvollen Erwähnung, „daß er eine lange Reihe von Jahren hindurch durch seine Kunst wie seine Menschenfreundlichkeit Vielen Hilfe und Trost gebracht." — Die philosophische Fakultät der Universität Heidelberg hat unfern berühmten Glaubensgenossen, den Bibliothekar Neubauer in Oxford, zum Ehrendoktor ernannt. - Vergangene Woche fand in Leipzig in der „Tonhalle" eine große antisemitische Volksversammlung statt, die von nahezu 1800 Personen besucht war. Nebst dem Stamm von 5—600 Vereine Mitgliedern hatte sich auch eine große Anzahl Studenten ungesunde». Der Eintrittspreis betrug 30 Pfennig. Die Berliner Antisemiten machen es billiger. — Die israelitischen Lehrer und Vorsänger des Königreichs Württemberg hielten am 6. August im Hotel Degginger zu Stuttgart ihre Jahresversammlung ab, mit welcher die Generalversammlung ihrer Unterstützungskasse verbunden war. — Am, Anlaß der Vermählung der Erzherzogin Marie Valerie hat die Wiener israelitische Kultusgemeinde eine Huldigung) adresse an Seine Majestät den Kaiser gerichtet. Die Adresse wurde von einer Deputation des Vorstandes der Kultusgemeinde, bestehend aus den Herren: Präses kaiserlichen Rath Arminio Cohn, Max Fleischer, Baurath Theodor Ritter von Goldschmidt und Dr. Gustav Kohn, in Verhinderung des Herrn Statthalters und des Herrn Statthalterei Vice-Präsidenten, dem Herrn Statthaltereirathe Freiherrn von Bonrguignon mit der Bitte überreicht, dieselbe an die Stufen dm Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. - Am 2. August fand im israelitischen Tempel von Mariahilf die Jnstallationsfeier des neuen Vereinspredigers Herrn Dr. Leopold Weinsberg statt. — Der jüngst in Pest verstorbene Niederländische Generalkonsul Max Ritter Brüll de Domony hat für wohlthätige Zwecke die Summe von 20,000 fl. hinterlassen. — Die Krakauer Akademie der Wissenschaften hat eine Preisarbeit ausgeschrieben mit dem Thema: „Die Bedeutung Adam Mickiewicz' für die Litteratur im Allgemeinen und die polnische insbesondere." Unter 155 Bewerbern hat unser Glaubensgenosse, der Hörer der juridischen Fakultät Sigmund Leser, den ersten Prei) errungen. Nach Ausspruch des Preisrichter-Kollegiums ist diese Arbeit eine der gelungensten über die Stellung Mickiewicz zur Litteratur. - Ein Korrespondent des „Moskiewskie Wiedomosti" erführt, daß au-) der Fabrikstadt Tomaszow in Polen 56 Familien, „Juden und Deutsche", heimlich nach Brasilien übersiedelten. — An dem Polytechnikum in Riga haben in diesem Jahre 50 Studentei: ihre Studien vollendet, darunter 20 Israeliten, unter diesen 4 in der chemisch-technischen Abtheilung mit Auszeichnung. — Die Delegirtenversammlung, welche am Donnerstag, den 24. Juli, zur Wahl des Chief-Ra bb i in London tagte, einigte sich dahin, daß der Sohn des verstorbenen Dr. Adler, der jetzt bereits interimistisch fungirende Dr. Hermann Adler, gewählt werde. Die offizielle Ern nennnng wird sebr bald erfolgen. — Die Antrittsrede des Obern rabbiners von Rom, des Professors Mose Levi Ehrenreich, ist im Druck erschienen. Derselben geht ein Bericht über die Einführung)' feierlichkeit am Sonnabend, den 24. Mai dieses Jahres, voraus. In der palästinensischen Kolonie „Rischon l'zion" nahm mau weitere Versuche mit Seidenzucht vor. Den ersten solchen Versuch machte im vorigen Jahre der Kolonist M. Meirowitschdas Resultat war ein glänzendes, weshalb es ihm leicht fiel, die Kolonie-Verwaltung für das Projekt zu gewinnen. Vorläufig ist dem Gärtner der Kolonie der Auftrag ertheilt worden, in seiner Baumschule so viel Bäume al) möglich für diese Zucht anzupflanzen, um dieselben später den Kolonistci! zu übergeben. In der allernächsten Zeit soll der Grundstein zum Bau des ersten Hospitals in der Kolonie gelegt werden. Vorläufig sollen darin zwölf Betten Platz finden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich st'ir die Redaktion: Max BauchWitz in Berlin. 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