Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 29 (1.8.1890)
- Date
- 1890-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Berlin, 1. August 1890. wurde diese eins, Herrn Nation überhat Herrn ahr 1890/01 erfolgt. - Betfaal einlinftitut“ aß in dein weibliche - en haben. Heller. - der Veendie Schüler ftrebe hielt hlreüch ver- Ls wäre zn tachahmm'ui ospieler der ines Vaters " enthalten gel. — Der e Idee an, t errichten, neu erfreu- Palästina g an. Wir rt drei mit rdt, um dir -W lernen, ige hundert öandankani tch alsdann Staatsiner Kinder 1 von einer n Schimpfe der thätlirli lnzen Kraft Natürlich jen. — Der beauftragt, ssarabischen ltsrecht zu übersandte isende in üten allshaben. — Bischöfe irdenträger i zur Verin Upper o Iame s llppellhofeo en Tochter smid, stattrmon, bis Stelle deo an jenem laubens partemen ts ) besitzt in Zi di - belahren. Er ämpfen in ils er sein. lin. 54. Jahrgang. Ur. 29. Allgemeine eitung des Zudenlhums. Gm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von derExpedition inBerlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Begründet von Nadbiner 21*- Ludwig Philippson in Konn. Expedition: Gerlin, Äerusalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag von Rudolf Mosse, Berlin SW., Jerusalemer Straße Nr. 48/49 zu richten. Inhalt. Leitartikel: Tatarennachrichten. — Wissenschaft und Litteralur: Eine alte Rede. — Zur Synagogen-Musik. Von William Wolf. — Zur Geschichte der Juden in Venedig. Von Prof. Dr. David Kaufmann. — Tie Entstehung einer jüdischen Gemeinde. Von A. Warschauer. — Feuilleton: Ein Täufling. Von Dr. Josef Ruff. — Der erste Modebericht. Von Gustav Karpeles. - Litterarische Mitcheilirngen. Von G. Wolf. Der Gemeindebote. Korrespondenzen nnd Nachrichten: Berlin, Posen, Koschinin, Colberg, Wiesbaden, Aus Baden, Bautzen, Würzburg. Wien, Prag. London. Petersburg, Odessa, Konstantmopel. — Bon Nay und Fern. — Lprechsaal. — Miseellen. Tatarennachrichten. A. B. Berlin, den 28. Juli. Der ausführliche Bericht über die Verhandlungen des Erfurter Antisemitentages, den wir in unserer vorigen Nummer veröffentlicht haben, bietet nach manchen Richtungen hin lehrreichen Stoff in Menge. Man kann daraus die Herren Antisemiten kennen lernen, mie sie, unbekümmert mit hundertfach erfolgte Widerlegung, die alten Lügen stets und stets wieder in der alten Form herunterbeten, wie sie, je nach dem Publikum, welches sie gerade vor sich zu haben glauben, bald ihre Reichstrene betonen, bald mit der Sozialdemokratie liebäugeln, bald, als wüthende „Nationale" sich gebärdend, über das „internationale Jndenthum" herziehen, bald wieder mit dem Ungarn Jstoczh und dem Franzosen Drumont Arm in Arm ihre Jnter- »ationalität ansposaunen. Diese Vielseitigkeit des Programms wird nachgerade schon ihrer eigenen Anhängerschaft zu bunt und erklärt zur Genüge die vielfachen Spaltungen innerhalb der Antisemitenpartei, welche in den jüngsten Monaten in so ergötzlicher Weise an das Tageslicht getreten sind. In einem Punkte aber herrscht noch volle Einigkeit unter den Judenfeinden, vom Redakteur bis zum Wucherer, nämlich in der Methode, wie jene Leute ihre Erfolge zu erringen suchen. Es ist das alte „calmimiare audacter, semper aliquid haeret“. Nur tiihn draus los gelogen, und sei's das unglaublichste Zeug — so sagen die Herren — es giebt ja Dumme genug, die Alles glauben, und glaubt man uns nicht nach dem ersten Male, nach dem hundertsten Male wirkt die Verleumdung sicher. Es ist traurig, es auszusprechen, aber ein Blick in jene Verhandlungen belehrt Jeden, der nicht blind sein will, daß jene Fabeln, welche den Hauptinhalt der Rede ansmachen, nicht Zeugnisse bethörten oder beschränkten Geistes sind, daß sie nicht der Verblendung des Fanatismus ihren Ursprung verdanken, sondern daß jene Unwahrhaftigkeit eine bewußte und wohlberechnete ist. Wir können uns ja wohl denken, daß es Menschen giebt, welche „überzeugte Antisemiten" sind. Warum nicht? Giebt es ja auch „überzeugte Anarchisten", „überzeugte Spiritisten" und andere mehr, die alle ihren Spezialfanatisnms für lautere Wahrheit halten. Diese „Ueberzeugungen" kann man allenfalls begreifen, und wenn man sie auch vom Standpunkte des gesunden Menschenverstandes eher zu bekämpfen als zu dulden in der Lage sein wird, so wird man doch in den meisten Fällen den Trägern derselben als überzeugungstreuen Menschen seine Achtung nicht versagen können. Hier aber, ist es wohl anzunehmen, daß einer der Redner, welche da aufgetreten sind, auch nur den zehnten Theil dessen glaubt, was er öffentlich gesagt hat? Um nur einige Beispiele herauszugreifen: Wenn ein Mann, von dem inan als Bibliothekar einer Universität wohl den Anspruch stellen darf, daß er zwischen den Auswüchsen seiner Phantasie und den Thatsachen einen Unterschied zu machen versteht, öffentlich behauptet: „Gehen Sie hier am Samstag ans die Börse, da ist sie leer, gehen Sie aber hin am Sonntag, da ist alles voll, weil die Juden dort sind", vder wenn Herr Zimmermann, der als Reichstagsabgeordneter doch wenigstens den Anspruch darauf macht, unter die logisch denkenden Menschen gezählt zu werden, behauptet, die österreichischen Gerichte hätten Mörder freigesprochen, weil„die Inden" der Regierung mit finanziellen Repressalien gedroht hätten, so muß man sich entrüstet fragen: Glauben diese Herren solche Dinge wirklich? Und da die Achtung vor dem Unterricht, den jene Leute genossen, uns diese Frage verneinen heißt, so ist die Schlußfolgerung auf die Moral der Herren eine leichte. Derselbe Redner behauptete auch, daß das Judenthum 87 Prozent sämmtlichcr Meineidigen und Betrüger stelle. Woher weiß Herr Zimmermaim dies? Etwa aus amtlichen Berichten? Diese besagen bekanntlich das Gegentheil über die Kriminalstatistik der Juden. Also hat er's entweder erdichtet, oder ein ebenso würdiger Genosse des Herrn Z. hat es vorher in einer Versammlung gesagt, in einem Flugblatt behauptet, und ist nicht widerlegt worden. So wird» eben gemacht. Eine Unwahrheit wird in die Welt hineingeschleudert, versuchsweise. Entdeckt man sie, so ist es leicht, zu behaupten, man habe sich geirrt, zumal wohl noch kein Antisemit eine Schlußfolgernng zurückgenommen hat, wenngleich ihm die Unwahrheit der Voraussetzung nachgewiesen war. Unterläßt man aber die wenig einladende Arbeit, in die dumpfen Geisteshöhlen hinabzusteigen, wo jene Nachrichten ausgebrütet werden, so bleibt die Lüge bestehen und wird als „unbestrittene Thatsache" von den Gesinnungsgenossen weiter kolportirt. Und in dieser Methode weicht kein Antisemit vom andern auch nur um Haaresbreite ab. Wie Pickenbach nnd Bocket machen's deren Gesinnungsgenossen, die Herren von der „Kreuz-Zeitung", welche