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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-07-25 · Heft 28 (25.7.1890) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 28 (25.7.1890)
Date
1890-07-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Begründet von Rabbiner U*- Ludwig Philippson in Gönn, Expedition: Berlin, Jerusalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag von Rudolf Mosse, Berlin SW., Jerusalemer Straße Nr. 48/49 zu richten. Inhalt. Leitartikel; Der Antisemitentag in Erfurt. — Ein Normal- Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht (II). Von Dr. G. Deutsch. - Wissenschaft und Litteratrrrr Die Juden im heutigen England (III). Bon Dr. Heinrich Me per Cohn. — Feuilleton; In der Verbannung. Bon A. M. — Gruß an Zion. Von Jehuda Halewi. Deutsch von S. Heller. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten; Berlin, Magdeburg, Hannover, Posen, Stuttgart, Hechingen, Wien, Budapest, London, Moslau. — Von Nah und Fern. — Sprechsaal. — Bei der Redaktion c ingegangene Bücher. — Miseellen. Der Antisemitentag in Erfurt. Wir zweifeln nicht daran, daß wir unfern Lesern heute eine willkommene Gabe bieten, wenn wir an dieser Stelle die Verhandlungen des Erfurter Antisemitentages in stenographisch getreuer Wiedergabe lnittheilen. Es ist wichtig, den Geist kennen zu lernen, der diese Versammlungen durchweht, die Ideen, von denen ihre Führer ausgehen, und die Ziele, welchen sie zusteuern. Zu den einzelnen Reden Bemerkungen zu machen, haben wir nicht für opportun gehalten. Diese Reden sprechen für sich selbst am deutlichsten. Wir können nichts Besseres thun, als sie allgemein verbreiten, damit die irregeleiteten Geister erfahren, auf welche Bahn sie gelockt worden sind, und wo die letzten Ziele der antisemitischen Bewegung eigentlich liegen. Die Versammlung wurde eröffnet vom Vorsitzenden Jaco bs kötter. Ter Neichstagsabgeordnete Zimmermann übernimmt den Vorsitz, und unter fortwährendem Lärm gelingt es endlich dem Reich st a gsabgeordneten Pickenbach, sich verständlich zu machen. Derselbe sagte: Wir Antisemiten sind nach Erfurt zu ernsten, wichtigen Berathungen gekommen. Der heutige Tag soll maßgebend sein für die Organisation und Optation in der Partei und soll dazu dienen, das Programm der Antisemiten zu verbreiten und die Anschauungen der Letzteren ins Volk zu tragen. Die Antisemiten seien maßlos angegriffen und verleumdet worden, mit Schmutz und Koth habe man sie beworfen Der Grund dafür sei sehr klar. Die neue Partei der Antisemiten gewinne eben überall Anhang im Volke, ihr gehört die Zukunft (Bravo der Antisemiten, Zurufe der Sozialdemokraten). Man habe heute gesehen, wie die Antisemiten bekämpft würden, man wolle ihnen durch Lärm und Tunmlt die Redefreiheit verkümmern, verhindern, daß die neue Idee Wurzeln fasse. Das werde aber den Siegeslauf des neuen Gedankens nicht aufhalten. Die Gegner der Antisemiten stünden rechts und links. Von links würden sie Reaktionäre, von rechts Anarchisten genannt. (Gelächter.) Die Partei der Antisemiten sei aber weder konservativ noch liberal, weder freisinnig noch sozialdemokratisch, sie seien deutsch durch und durch. (Beifall.) Von befreundeter Seite sei der Partei der Rath ertheilt worden, den Namen zu ändern, aber das wäre eine Feigheit. (Bravo!) Wie die Niederländer ihre Einheitskämpfe durchgefochten und so den Namen des Volkes zu Ehren gebracht hätten, so werde es auch die antisemitische Partei thun. (Beifall. Zurufe der Gegenpartei.) Mit den Hetzaposteln hätten die Antisemiten nichts gemein, sie verfolgten Niemanden seiner Religion wegen, ihr einziges Ziel sei das, gleich den Aposteln von Dorf zu Dorf zu ziehen und hier ihre Lehre, echtes Deutschthum und echte Vaterlandsliebe zu verbreiten. (Beifall. Lärm.) Wir stehen auf dem Boden der Fürstentreue, wir kennen aber auch unsere Geschichte zu genau und wissen, daß alle die deutschen Stämme zu Grunde gingen, die vergessen hatten, daß sie unter einem Fürsten standen, für welchen sie den letzten Blutstropfen hinzugeben bereit sein mußten, die vergessen hatten, daß sie ein Vaterland besaßen. Die Wehrkraft des Reiches müsse nach dem Grundsätze der Antisemiten gestärkt und gekräftigt werden, jeder kräftige Mann habe die Pflicht des Waffendienstes dem Staate gegenüber zu erfüllen. Das trenne die Antisemiten von der Partei der Sozialdemokraten. Die Antisemiten perhorrescirten aber mit den linksstehenden Parteien auch die dreijährige Dienstzeit, nachdem auch die großen Führer der Armee eingestanden hätten, daß damit auch das erreicht werde, was die Wehrfähigkeit der Armee bedürfe. Wir Antisemiten wollen ebenfalls, daß der Mann thunlichst nach zwei Jahren nach Hause zurückkehre, um der Landwirthschaft die dringend nöthigen Arbeiter zu erhalten. Wir Antisemiten fordern aber dabei auch weise Sparsamkeit und eine gerechtere Vertheilung der Steuer. Wir wollen, daß nicht der Bauern- und der Bürgerstand, die große Masse des Volkes mit Steuern überlastet werde, sondern daß auch das große Kapital, der Großgrundbesitz zur Besteuerung in entsprechender Weise herangezogen werde. Wir wollen, daß der Kaffee, das Petroleum nicht muthwillig vertheuert wird, wir wollen darauf aufmerksam machen, daß nicht die Reichsregierung, sondern unsere lieben guten Freunde, die Juden, dies thun. (Bravo!) Nicht die Regierung, nicht die Steuern machten den Kaffee theurer, sondern die Kaffeebörse in Hamburg, die hat's gethan, die treibt die Preise schwindelhaft in die Höhe. Man denke nur an das Monopol des berüchtigten Kupferringes, des Kohlenringes und an das Petroleum, von welchem das Haus Rothschild schon die meisten Quellen angekauft hat. Nur noch kurze Zeit, und da schreibt uns dieser jüdische Herr vor, wie theuer wir unsere Beleuchtung zu kaufen haben, und wir müssen ihm noch dankbar sein dafür, daß er uns das Petroleum überhaupt noch zu den von ihm sestgestellten Preisen überläßt. So weit wird's kommen. Der Kornzoll, wie er gegenwärtig in Haltung ist, hat dagegen einen ganz anderen Zweck, als dem armen Mann das Brod zu vertheuern. Dieser Zoll ist dazn da, den Bauer vor dem Eindringen fremden Getreides, vor fremden Händlern zu schützen. Und diese fremden jüdischen Händler beherrschen die Börse, den Terminhandel, welcher die schönsten Geschäfte ermöglicht. Die Sozialisten wissen wahrscheinlich nicht, was ihre Führer aussprengen. Gerade diese haben den Grundsatz aufgestellt, das Großkapital müsse dafür sorgen, daß der Mittelstand, der Bauernstand vernichtet werde. Es giebt unter den Sozialdemokraten gewiß viele tüchtige Lente, mit denen es sich reden läßt, aber nimmer wird es sich mit denen reden lassen, welche unter der Führung der internationalen Juden stehen. (Beifall.) Aus dem Pariser Sozialistenkongreß haben die Sozialistenführer mit Champagner die Kommune leben lassen, dieselbe Kommune, welche in dem Jahre 1871 die Kunstgebäude von Paris vernichtete und die Krankenhäuser und

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