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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-06-06 · Heft 21 (6.6.1890) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 21 (6.6.1890)
Date
1890-06-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 bau Zaren zu arg getrieben. Ob die hier erwähnte Vorlage mit der die Juden in Polen betreffenden, von welcher ich Ihnen jüngst wiederholt Meldung machte, identisch ist, darüber berichte ich Ihnen in meinem nächsten Schreiben. U Von Nah und Fern. Der Bvranfchlag der E i n n a h men und Ausgaben d e s G e - mei ndebundes für das Geschäftsjahr 1890.91 ist folgendermaßen festgesetzt worden: a) Einnahmen: Beiträge llnd Zinsen 18,550 M., Religionsunterricht 400 M., Friedrich Wilhelm-Victoria-Stiftung (einschl. Zinsen) 22,950 M., Statistisches Jahrbuch 400 M., Handwerk (Beiträge) 100 M., 'Auszahlung eines Legates (sel. H. Hirsch in Berlin) 2000 M., aus den Beständen 7500 M., zusammen 46,850 M. (Die Einnahmell der Herxheimer- und Philippson-Stiftung, sowie der „Historischen Kommission" kommen bei dieser Aufstellung nid)t mit in Betracht.) 1>) Allsgaben: Verwaltung 4000 M., Bürean 6000 M., Religionsunterricht 6700 M. oiämlich: Lehrervereinen 000 M., Zuschüsse an Gemeindell 5500 M., Jnspektionskosten 400 M.). Unterstützung von Gemeinden zu anderen Zwecken l200 M., Friedrich-Wilhelm-Bictoria-Stiftung 19.550 M. (einschließlich Kapitalsanlagej, Beamtellinlterstützung 500 M., Statistisches Jahrbuch 1000 M., Volksbildung 1500 M., Handwerk 4500 M., Historische Kommission (Zuschuß) 1000 Btt., Kranteil- und Armenpflege 500 M., 'Anlage des Legats 2000 M., zusammen 46,850 M. Das eillzige Bedenkliche bei diesem all sich erfreulichen Etat ist der Umstand, daß der Ditel „aus beu Beständen" einem Defizit aufs Haar gleicht. In Paris pflegte Baron Hirsch alljährlich die Defizits der Alliance israelilc im Betrage von 40- 50,0!)0 Frcs. zu decken; hoffentlich wird es auch in Deutschland all eiilem solchen Manne nicht fehlen. - An die Freunde des Tr. Bö ekel wird llach hiesigen Blättern gegeilwärtig von Berlin ans ein „streng vertrauliches" Schreiben versandt, in welchem dieselben ersucht werdeil, zur Weiterführung der von Dr. Böckel begründeten Druckerei ein Kapital von 10,000 M. aufzubringen. Das Schreiben schließt mit beu Worten: „Geehrter Herr! Ersuche drillgend llln Betheiligling. Hochachtungsvoll W. Pickenbach." Bemerkenswerth ist, daß dieser geschätzte Mitbürger denjenigell, welche dem Dr. B. beisprillgeil woltell, fünf Prozellt verspricht. — Nicht nur das Breslauer, sollderll auch das Ostpreußische P rovinzial-Schulkollegium läßt, wie der Jsr. erführt, Ermittelungen über beu Fleiß der jüdischen Schüler all höheren Lehranstalten austellen. In Dessau wird am 18. Juni die feierliche Enthüllulig des von Heillz Hofsmeister hergestellten 'IN o s e s RN e ll d e l s s o h ll - D e n k m a ls stattfinden. Der Herzog voll Ailhalt wird, wie wir Hörem, der Feier beiwohnen. Herr Lehrer D av i d Lev i in Neuß feierte Ende April fein 25jähriges Lehrerjubiläum. - In Wien hat die Geme i lld e r ath s - S ekti on für Verwaltung Handel ltub Gewerbe ihre Konstituirnng vorgeilolllmen und die Wahl der Zuständigkeits-Kommission vollzogen. Hierbei traten die Wirkungen des Kompromisses zwischen Fortschrittsklub und Antiseuliten zum ersten Male dariil zu Tage, daß neben dem „parteilosen" Obmanne Boschan der Antisemit Ferdinand Mayer zum Stellvertreter gewählt wurde. In die Zuständigkeitstommission wurdell zllm ersten Male lnehrere Antisemitell gewählt. Ter Borstand der I sraeliti s ch e n Al l i a nz z il W i e n versendet die Eintadlllig zu der aln Montag den 9. Juni 1890 um 5 Uhr Abends im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, 1., Seitenstettengasse Nr. 4, im zweiten Stock, stattfindenden siebzehnten ordentlichen Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wieil". - Aul 15. Mai fand im israelitischen B l i lld eil-I n st it nt e auf der Hohen Warte bei Wiell die Jahresprüfung der Zöglinge statt, welche die erfrentichstell Unterrichts-Resultate dieses von Direktor Heller seit Jahren vorzüglich geleiteten Jnstitlltes zeigte. Bei der Prüfung der 27 männlichen und 14 weiblichen Zöglinge erregte das lebhafteste Interesse die Prüfling ill dem speziellen Fache des Vlinden-Unterr'chtes: „Hebung der Sinne", das Erkennen von Stoffen und Lederarten nach dem Gefühle, die Bestimmung von Hölzern und Münzgattungen llach dem Klange, wobei die Kinder erstaunliche Proben der feinen Ausbildung ihres Gefühls¬ und Gehörsinnes gaben. — Ter L an des schul rath für Böhmen hat eine Entscheidung des österreichischell Kultusministeriums veranlaßt, lvonach die israetitischeil Religionslehrer der Mittelschulen, da sie einen obligatorischen Gegenstand vertreten, zu den Lehrerkonferenzen zugezogen werden müssen. — Am 9. Mai starb der Nikolsburger Rabbinatsaisessor Moses Löb Kohn. - In der ungarisch en Hallptstadt sind laut Allsweis des statistischen Bureaus im abgelaufenen Jahre 3874 Eheschließungen vorgekvmmeu, imb zwar: unter den Katholiken 2507, unter den Israeliten 625, unter den Calvinern 375, unter den Lutheranern 331, unter den Griechisch Nichtunirten 22 und unter den Unitariern 14.— Aus Bukarest wird gemeldet: Stadtrath Giurgiewo stellte im Munizipalrath folgenden Antrag: Die Jllden, welche sich in unserer Stadt niedertassen, um hier ein Geschäft zu betreiben, haben jährlich 5000 Frcs., ausländische Inden, die hier schon ansässig sind, 3000 Frcs. und ill Numänien zuständige Juden 1000 Frcs. Steuer zu zahlen. - Seit einigen Jahren eristirt in Sofia ein Verein junger Mädchen „Charite", deren Hauptzweck darin besteht, armen Mädchen eine Aussteuer zu beschaffen. Auf Antrag von Fräulein Ungar, der Schickdirektorin. haben die Mitglieder des Vereills beschlossen, Einnahmen des Vereins der Bekteiduilg armer Zöglinge der Mädchenschule,zu widmen. Um eine größere Allzahl Kiilder betheiligell zu können, werden die Mitglieder selbst diese Kleidungsstücke allfertigell. - Im College de France wurde jüngst ein neuer Lehrstuhl eingeweihl der Lehrstuhl für semitische Epigraphit. Der Inhaber desselben ist Hr. Clermont Gallneau, welcher seinerzeit als Dragomall der französischen Botschaft in Jerusalem merkwürdige Entdeckungen machte, so eines Sünlenschasts mit der ältesten hebräischen Inschrift, die man überhaupt kenllt. Er war es auch, der vor einigen Jahren die Fälschung Schapira's erfanute, als dieser im Begriffe stand, dem British Musemn sein vielbesprochenes Bibelmanuskript zu hohem Preise zu verkaufen. Dem Eröffnungsvortrag wohnte eine zahlreiche Versammlung bei, in der merkwürdiger Weise auch das elegante, weibliche Element nicht fehlte. — Der Pariser Erzbischof hat sich jüngst gegen die Verbrennung der Todten ausgesprochen. Er berief sich dabei ans den Brauch der Juden und auf den Aussprllch der Bibel: „Von Staub bist Du und zil Staub wirst Du wieder zurückkehren." „Die Erde", sagte der Erzbischof, „ift unsere gemeinsame Mutter, nild Niemand ist berechtigt, derselben ihre Killder zll rauben." Mit Recht hat demgegenüber der Pariser Oberrabbiner darauf hingewieseil, daß zwischen Stand und Asche kein so großer Unterschied sei, und daß Gott am jüngsten Tage in dem einen Falle nicht mehr Mühe mit der Wiederbelebung haben würde, als im anderil. - Die Stndienkommission der Univer sität Cambridge hat der obersten Schulbehörde gegenüber den Wunsch ausgesprochen, daß die durch den Tod des Professors Schiller- Sineßi erledigte Stelle eines Lehrers für Talmud und andere Zweige der hebräischen Litteratnr batdmöglich wieder besetzt werden möge. Am 10. Juni findet in London ein Diner zil Gunsten der jüdischen Frei sch ule statt. An der Spitze des einladenden Comitös steht Lord Rothschild, unter den Mitgliedern finden sich auch Dr. Adler, Dr. Gaster, beide Mocatta's, Montague, Sebag Montefiore, Albert Sassoon imb Baron von Worms. Der Lord Mayor hat sein Erscheinen zugesagt. — Am ersten Ostertage fand in der Allianceschule des Stadtviertels Cuscundjuk zn Konstantin Opel eine Kleidervertheilung unter die bedürftigstell Schüler statt. Alle Notablen des Stadtviertels wie auch der Ober-Rabbiner Kaimakan Effendi wohnten der Feier bei. Dreiundsechzig Zöglinge erhielten ein Kleidungsstück. Schuhwerk und eine Mütze. Unter denjenigen, welche zu diesem guten Zwecke beigetrageu, nulß besonders Herr Abraham Freseo hervorgehoben werden. Die Alliance und der Verein Oser Dallim waren gleichfalls dabei betheiligt. - Die israelitische Gemeinde zu Tatar-Bazarjik hat der Erziehung ihrer Jugend ein neiles Opfer gebracht. Die israelitischen Damen haben zusammengesteuert, um eine Art Krippe zu gründen, eine Schule für die ganz kleinen Binder beiderlei Geschlechts, und haben nahezu 5000 Frcs. zusammengebracht, die zum Bau und zur Einrichtung der Anstalt verwendet wurden. An die Fassade des Hauses ließ das Comite eine Marmorplatte anbringen mit folgender Inschrift: Kinderbewahranstalt, gegründet von den israelitischen Damen, zum Gedüchtniß von Jsaat Eduard Kann, gestorben zu Paris am 4. Dezember 1887. — In Tripolis hat ein Comite von Notablen und Rabbinen im Verein mit dem Professor Navon, damit begonnen, 20 Lehrlinge in den besten Handwertstütten der Stadt unterzubringen. — Im Gebiete derSioux- I ndianer hat sich jetzt eine jüdische Gemeinde gebildet. Dieselbe zählt 12 Familien. Allerdings soll es mit der Harmonie der Gemeindemitglieder übel bestellt sein. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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