Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 16 (2.5.1890)
- Date
- 1890-05-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Berlin, 2. Mai 1890. u seinem so weit »liegt. — nslüge verraths franzill Majestät ade- und ti seinem erlichen, ixmftabt, eil vom rgierung nn zum den 24. -Israeli and au l er die derte. - Bevölke- Stufen r Schuh m Lebeu lit Recht t aus. — Olmüh gen be* ute haui Monat 0 fl. zu nHaüg -erlaube, lsgesetze, :r nahm -ar eiiu' Centrat' Holland, tte 1888 die besll ui jüngst grange ichte am [ Levi, liance- Auteiiil kreich de- Zwischen ln Folge t gesagt. S Jacob :e alt. - ilomou m Kirch -t. Johnig diesedaß der Mitglied; es von eit zwölf cmvuikm a rotte Familie t worden ltans ist 54. Jahrgang. Kr. 16. Allgemeine eitung öes Audenthums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis.- Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3M. Begründet von Nabbiner 13*- Ludwig Philippson in Sonn. Expedition: Berlin, Jerusalemerftr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag von Rudolf Mosse, Berlin SW., Jerusalemer Straße Nr. 48/49 zu richten. Znhllll. Leitartikel: sJitute Vereine. — Die Eonvertiten des Juden- Niums III. Von Dr. G. Deutsch. — Tie Simultanschulen in den Provinzen Posen und Westprenßen. Von Lehrer Blocki. — Wissenschaft und Litteratnr: Ter Adel in Israel. Von Dr. A. Lew in. — Ein russisches Autodafe. Von Tr. Eugen Elkan. — Die reichsten Schriftstellerinnen (Schluß). Von G. Karne! es. -- Feuilleton: Das Rllstele. Von dt. Samueln. — Die Juden in Italien. — Blast zu! Von Victor Hugo, deutsch von Emanuel Geißel. — Litterarische Mittheilunsen. Der Gemeindebote r Die Nachbararundslücke der Berliner Synagoge. — Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Aus ^tieder-Schlesien, Düsseldorf, lltünster i. W., Dresden, Wien, Budapest, Buenos-Ayres. — Von Nah und Fern. — Miseetten. Nene vereine. Berlin, 27. April. In einer Zeit wie die unsrige, wo das Vercinswescn die seltlainstcn Blnthen treibt, wo drei Menschen, die auf irgend einem Torfe .iisainmenkonnnen, einen neuen Verein bilden, erscheint es zuin Mindesten als ein seltsames Beginnen, zur Gründung neuer Vereine anf- »fordern. Und doch ist gerade für das moderne Jndenthnm dieses Vereinswescn von hoher Bedeutung! Zwar erfreuen auch wir uns zahlreicher Vereine in großen und Heilten Gemeinden, aber alle diese Vereine wirken nahezu ausschließlich nach einer bestimmten Richtung hin, nämlich für Wohlthütigleit. Ter israelitische Wohlthätigkeitssinn, den schon der Talmud preist, und der auch von den ärgsten Judenfeinden zu keiner Zeit wirklich anm zweifelt worden ist, hat in diesen Vereinen die alten Chewrot in moderner Weise und nach den Anschauungen der Gegenwart erweitert!>»d erneuert. Es erschiene als ein müßiges Beginnen, diese Art von Vereinsthntigkeit noch im Besonderen zu loben; sie kann nicht genug gehegt und gepflegt werden, uni allen Anforderungen zu genügen, u'elche die Zeit an uns stellt. Aber eine Bemerkung können wir dabei doch nicht unterdrücken, 'llbst ans die Gefahr hin, mißverstanden zu werden, nämlich diese: Aöir sorgen eher für die K ranken, als für die Gesunden! Und doch ^dürfen auch die gar sehr unserer Fürsorge. Es ist schön und löbbch, Krankenhäuser, Znfluchtsasyle, Altersversorgungs-Anstalten zu gründen und zu unterstützen; es ist die Blüthe der Humanität, für Nranke, für Krüppel und für Blinde zu sorgen. Aber neben dieser -arge darf auch die für die Gesunden, für unsere Kinder, für unsere Trauen und wahrhaftig nicht zum Mindesten für unsere Männer selbst mißer Acht gelassen werden. Dies ist aber in Israel lange Zeit, ja ni>'l zu lange schon geschehen! Eine Statistiker, der die Summen eini mal zusannnenzählen wird, welche im Laufe dieses Jahrhunderts j allein nur in Deutschland für wohlthütige Stiftungen von Juden : ansgegeben worden sind, wird ein Resultat erreichen, das allgemeine Bewunderung Hervorrufen wird. Wie ärmlich und dürftig nimmt : sich dagegen aus, was die deutschen Juden seit Mendelssohn für die Wissenschaft des Judenthums geleistet haben! Rehmen wir die drei Stiftungen aus, welche die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums, das Berliner und Breslauer Seminar und das Wiener j Bel-ha-Mülrasc-li gegründet haben, so sind wir wohl mit allen Stif-! tungen zu Ende, welche im Interesse der Wissenschaft des Jndenthnm» von unseren Reichen begründet worden sind. Das ist wahrhaft ein trauriges, ein tief beschämendes Resultat! Was uns noth thnt, vor Allem und dringend noth thut, das sind Vereine und Stiftungen zur Förderung und Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums! Ja, wir stehen i keinen Augenblick, an zu erklären, daß derartige Vereine und Stiftungen uns unter den gegenwärtigen Verhältnissen mindestens ebenso wichtig, wo nicht »och wichtiger erscheinen, als Krankenhäuser und Blinden-Jnstitute. Die jüdische Litteratnr und Wissenschaft ist wie vor Jahrhunderten auch heute noch ein Aschenbrödel; sie wird von keinem Staate unterstützt, sie hat keine Müeene und auch nur sehr wenige Förderer. Gerade darum aber sollten die deutschen Inden für ihre Erhaltung und Fortentwickelung nun doch ernstliche Sorge! tragen. Die Erkenntnis; dieser Rothwendigkeit hat sich auch bereits denen,! welchen die Erhaltung des Judcnthnms am Herzen liegt, anfgedrüngt. , Man kann sich nicht für etwas begeistern, was man nicht kennt; man! kann daher von dem jungen Geschlecht keine Liebe zum Jndenthnm! verlangen, wenn es seine Geschichte und den Inhalt des jüdischen i Geisteslebens nicht kennt. Um aber dieses Ziel zu erreichen, dazu i bedürfen wir neben den großen Stiftungen, neben den höheren Lehr- > anstalten, neben Stipendien für Gelehrte und Instituten zur Förderung des geistigen Schaffens vor Allem zahlreicher Vereine, welche die Verbreitung dieser Kenntnis; von dem Wesen des Judenthunis, seiner Geschichte und Litteratnr in alle Kreise unserer Glaubensgemeinde tragen sollen. Bereits existiren in Deutschland etwa acht bis zehn solcher Vereine — uns sind namentlich die in Breslau, Karlsruhe, Kassel, Frankfurt a. M., Glogau, Dortmund bekannt —, welche, jeder in seiner Weise, eine überaus gedeihliche Wirksamkeit durch Vorträge, Versammlungen, Anlage von Bibliotheken u. s. w. entfalten. Es ist durchaus nothwendig, daß in jeder Gemeinde Deutschlands, in großen wie in kleinen, derartige L itteratur-Vereine begründet werden; durch