Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 15 (25.4.1890)
- Date
- 1890-04-25
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Schutzpatron, dem Verfasser der „France Jnive", Drrimont, gestellt und befohlen wurde, mit Drumont und dem Marquis de'Mores zu brechen; man zweifelt aber daran, das Laur und sein Anhang gehorchen werden. Rußland. 8 Warschau, 13. April. Sie haben bereits durch den Telegraphen erfahren, was den gilben Polens in nächster Zeit bevorsteht. Wie es nunmehr sicher ist, wird der Antrag, das Gesetz vom 3. Mai 1882 über die Beschränkung der Rechte der Juden auch auf das Weichsel-Gouvernement auszudehnen, dem Reichsrathe schon in der nächsten, nach den russischen Osterfeiertagen stattfindenden Sitzung zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Danach wird den Juden die Erwerbung und Pachtung von Gütern, der dauernde Aufenthalt in Dörfern, die Ausübung der Advokatur, sowie die Aufnahme von Gesellen und Lehrlingen zur Betreibung eines Handwerks untersagt werden. Nach den polnischen Blättern dürfte sich eine derartige Reform in Kongreß- Polen, welches jetzt in Folge einer wirthschaftlichen Krise und einer mangelhaften Kredit-Organisation ohnehin schon viel zu leiden hat, in überaus empfindlicher Weise geradezu als eine Katastrophe fühlbar machen; in Bezug auf die Agrarverhältnisse lassen sich die Konsequenzen gar nicht absehen, denn die Kreditbeschaffung werde noch schwieriger werden und der Preis der Liegenschaften bebeuteub sinken. — Die Grundlinien des Projektes, welches in der unter dem Vorsitz des Bar. Mengden in Warschau gegründeten Kommission ausgearbeitet wurde, find folgende: Die Inden in Polen können nur solche Güter besitzeu und kaufen, deren Größe 000 Morgen oder mehr auf einmal betrifft. Alle dieses Maaß nicht erreichenden Grundstücke müßten im Verlaufe von 3—5 Jahren der Größe entsprechend verkauft werden. Pacht der Güter wird Juden unbedingt verboten. Juden soll es verboten sein, auf dem Lande zu wohnen mit Ausnahme der Gutsbesitzer, die 600 Morgen und mehr besitzen, Fabrikbesitzer und ihrer Familie und Bedienten (sensu strictissimo). In den Bädern und auf den Sommerwohnungen soll den Juden nur dann erlaubt sein zu weilen, wenn sie eine Erlaubniß hierzu Seitens des Gouverneurs besitzen; der Aufenthalt in den Sommerwohnungen soll jedoch nicht über 8 Monate dauern. Die Juden können nur solche Fabriken auf dem Lande besitzen, welche mit Maschinen betrieben werden und wenigstens 16 Arbeiter beschäftigen. Alle anderen sollen im Verlaufe von 5 Jahren verkauft werden. Es wird gestattet, Wälder über 8 Morgen (inclusive) zu faufen. d Non Nah und Fern. * Durch verschiedene Blätter ging kürzlich die Nachricht, daß Seine Majestät der Kaiser einen jüdischen Privatsekretär angestellt habe. Die Nachricht ist in dieser Fassung unrichtig. Sie scheint baburd) entstanden zu sein, daß nach unseren Informationen Se. Majestät bei der Besetzung eines Sekretärpostens in einem Ministerium die Uebergehnng eines jüdischen Kandidaten zu Gunsten eines weniger tüchtigen Kollegen christlichen Glaubens durch seine Entscheidung verhindert hat. — Ihre Majestät die Kaiserin hat für die Krankenverpflegungsanstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde aus eigenem Antrieb einen Jahresbeitrag von 50 Mark bewilligt. Aus dem Vorstand der jüdischen Ge lnernde Berlin ist Hr. Eunow in Folge schwerer Erkrankung ausgeschieden; an seine Stelle ist Hr. Kommerzienrath Goldberger in den Vorstand eingetreten. — Den drei von der jüdischen Gemeinde e n tl a s s e n e n a n s l ü n d i s ch e n Kultnsbeamte n ist seitens des Ministers der Aufenthalt in Berlin und die Ausübung ihrer Amtssunktionen wieder gestattet worden. — Am jüngsten Donnerstag fand eine Generalversammlung des Vereins M a g i n e R e r m statt. An Stelle des krankheitshalber zurücktretenden Hrn. Hermann I. Meyer wurde Hr. Geheimrath Lachmann zum Vorsitzenden gewählt. Zweiter Vorsitzender wurde Hr. Moritz Manheimer. — Dem Direktor der physikalisch-techn. Reichsanstalt in Charlottenburg, Hrn. Dr. Löwenherz in Berlin, ist das Ritterkreuz erster Kl. des fächs. Haus-Ordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken verliehen worden. Wir freuen uns, diese Auszeichnung unseres verdienstvollen Glaubensgenossen registriren zu können.--Die Schneidermeister Jsaac Schwarz'schen Eheleute a. Birnbaum a. W. werden am 4. k. M. in Berlin im Kreise ihrer hier ansässigen Familienangehörigen das seltene Fest der e i f e r u e n Hochzeit feiern. In seinem arbeitsreichen Leben hat das Paar sich Frische und Rüstigkeit so weit bewahrt, daß der Jubelbräutigam heute noch seinem Handwerk obliegt. — Pariser Blätter lassen sich aus Leipzig die Sensationslüge telegraphiren, daß dort emige ausländische Israeliten wegen Hochverrats verhaftet seien. Die deutschen Antisemiten erfinden's und ihre französischen Helfershelfer drucken's mit Entzücken nach. — Durch Se. Majestät ben König Karl wurde dem Gemeinderath, israelitischen Gemeinde- und Stiftungspfleger F .Hermann in Freudenthal bei Stuttgart zu feinem 50jährigen Dienstjubiläilm die goldene Eivilverdienstmedaille verliehen. Fräulein Finkelstein, Altistin am Hoftheater zu Darmstadt. Tochter des Kantor Finkelstein in Posen, ist vor einigen Tagen vom Großherzog zur Kammersängerin ernannt worden. - Die Reichsregierung in Elsaß-Lothringen hat der jüdischen Gemeinde Fegershein zum Ban einer Synagoge 5000 Mk. bewilligt. — In der Montag den 24. März in Wien abgehaltenen Versammlung der Oesterreichisch-Jsraeli tischen Union hielt unser Mitarbeiter Herr Dr. Marcus Landau einen Vortrag, betitelt: „Eine jüdische Konigill", in welchem er die Schicksale von Berenike, der jüdischen Königin von Chalcis, schilderte. - Wie die Wiener Tagesblätter melden, besteht in der jüdischen Bevölkerung der Hauptstadt die Absicht, eine Deputation an die Stufen des Thrones zu entsenden, um von Sr. Majestät dem Kaiser Schuh gegen die antisemitischen Ausschreitungen und die hieraus dem Leben llnd Eigenthum der Juden drohenden Gefahren zu erbitten. Mit Rechl spricht sich die Wiener jüdische Presse gegen einen solchen Schritt aus. - Der Gr o ßkauf m a nu Alois Forbuß aito Mährisch-Neustadt bei Olmütz bekannt als der Häuptling der dortigen Antisemiten, wurde wegen be* Vergehens des Wuchers, wobei es sich zumeist um arme Leute handelte, und zwar in 12 Fällen, vom Kreisgerichte Olmütz zu einem Monat Arrest, einem Fasttage wöchentlich und einer Geldstrafe voll 200 fl. zu Gunstell des Armenfonds verurtheilt. -- Am 11. März starb im Haü g Herr C. D. Asser, Mitglied des höchsten Gerichtshofes der Mederlaude. Der Verstorbene gehörte zu den größten Autoritäten für Handelsgesetze, wie er auch einer der fähigsten Richter in Holland war. Er nahlu! and) lebhaften Antheil an jüdischen Angelegenheiten und war eim Zeitlang Vorsitzeilder des Amsterdamer Stadtrathes und Central Comitees für die jüdischen Angelegenheiten des Königreiches Holland. — Unser Glaubensgenosse Herr Bischoffsheim in Paris hatte 1888 eine Summe von 5000 Fr. gestiftet, um dieselbe als Preise für die besü Abhandlung über Schulspiele zu vertheilen. Die Preise wurden jüllgsl vertheilt. Die ersten Preise von je 1500 Fr. erhielten Dr. Lagrangc und General Lewal. — Isidor Loeb, der Sekretär der Alliann : isnielil.e, hat seine Stellung als Dozent der jüdischen Geschichte am; Pariser Seminar aufgegeben. Sein Nachfolger ist Israel Levi, : der Schwiegersohn des Rabbiners Zadok Kahn. — Die Alliance- Schule zur Ausbilduilg von Lehrerll für den Orient ist nach Auteliii; verlegt worden. — Zu den Munizipalwahlen, die in Frankreich bevorstehen, sind 19 antisemitische Kandidaten aufgestellt worden. — Zwischen D r u mon 1 und B o ul a n g e r ist ein Streit ausgebrochen. In Folge; dessen hat Boulanger für eine Zeit dem Antisemitismus Valet gesagi. j — Aus Nan cy wird der Tod des ältesten Gemeindemitgliedes Jaco | Godchaux-Picard gemeldet. Der Verstorbene war 90 Jahre alt.-! Im Rathhause zu West m inst er wurde die Büste des Herrn Salomo u; Haym E o heu aufgestellt. Derselbe gehörte über 83 Jahre zum Kirch , spielvorstaude der vereinigten Pfarrer von St. Margaret und St. John- Desgleichen wirkte er mehrere Jahre in der Armenverwaltung dieses Bezirks als Armenpfleger. Da die „Hüll Critic" behauptet, daß der Rathsherr Cohen wahrscheinlich der erste Jude war, der als Mitglied; eines christlichen Beerdigungsvereins gewühlt nurrde, so dürfte es von | Interesse sein, zu erfahren, daß derselbe diesem Verein bereits seit zwölf z Jahren angehört, und zwar als Nachfolger des verstorbenen Kanonikus! Convay, Rektors zu St. Margaret. — Ter Sultan von Marotte j hat selbst eine Entschädigung von 3250 Ares, an eine jüdische Famillc! gezahlt, deren Familienoberhaupt in der Nähe von Sus ermordet worden * war. Solch ein direkter Akt der Gerechtigkeit Seitens des Sultans in! ein Ereigniß, das selten vorkommt! Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. 54. Diese Abonn Post ol unter ( lhums 1l Posen m Ter Ade Tr. (su{ neles. - 5 lallen, ^itterar Der norresp viünster 8 mi. - In iamftcn uisainiw desten a wsorder Vereins! 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