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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-25 · Heft 15 (25.4.1890) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 15 (25.4.1890)
Date
1890-04-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 flöße, ^tnial ihm bekannt sei, baf; Diener des (Evangeliums daran theilnehmen nnd lwchstehende Personen derselben Wohlwollen. Durch diese Bewegung werde nur den Sozialdemokraten das Feld bereit e t. Die Bindung aller Kräfte-und die Tödtung des Jndividnnlismns, ivelche die Sozialdemokratie predige, stelle die ganze Kultur in Frage, das sei die höchste Tyrannei. Sodann erklärte ein natioualliberater Abgeordneter, dessen Zeugnis; in diesem Falle doppelt schwer ins Gewicht fällt, da derselbe anerkannt ein sehr tüchtiger praktischer Landwirth ist, den Antisemitismus in etwas urwüchsiger Weise als eine „Schweinerei", die hauptsächlich von deu Uni Vers i täten ansgehe, uub eS sei mir bedauerlich, das; derselbe in Ober Hessen solchen Erfolg erzielt habe. 8 Ltratzburg i. Elsas;, 20. April. Unser Oberrabbiner A rnaud Aron, der Präsident des Konsistoriums von Unterelsas;, Ritter des Kronenvrdens und der Ehrenlegion, ist am d. M. heimgegangen. Dreinndachtzi .i Jahr alt, hat er nach kurzer Amtsthätigkeit in Heaenheim faft M Jahre lang die Würde eines religiösen Oberhauptes der Stras;- burger Gemeinde bekleidet. Er ist in Sulz (Wald) geboren, studirte in Hagenau nnd Frankfurt nnd bildete sich zu dem gelehrten Talmndisten nnd dem glänzenden Redner ans, den Alle schuhten nnd bewunderten. Seine seelsorgerische Thätigteit war äußerst fruchtbar. Alle religiösen nnd wohlthätigeu Institutionen, alle Unterrichlsanstatten, welche die große Straßburger Gemeinde zieren, wurden von ihm errichtet, angeregt oder begünstigt. Das Konsistorium, welches gern unter seinem geschickten Vorsitz beriekh, lauschte ergebungsvoll seinem weisen nnd beredten Worte. Die Rabbiner des Unterelsaß verlieren in ihm einen verehrten nnd wohlwollenden Führer, der stets auf die Währung ihrer Interessen und ihrer Würde bedacht war. Montag deu 7. d. M. hat die Beerdigung itattgefnnden, der eine zahlreiche Menschenmenge beiwohnte. Tie Rabbiner des Unterelsaß waren fast vollzählig erschienen, Oberelsaß war durch den Oberrabbiuer Isidor Weil und durch Herrn Kanssmanu Weit, den Rabbiner von Rappoltsweiler, Lothringen durch den Großrabbiner Isaak Weil und den Pfalzburger Rabbiner Blum vertreten. Ferner erschienen sämmtliche Gemeindevorsteher und zahlreiche Kantoren und Lehrer aus Unterelsaß. Dazu noch die Freunde, die Angehörigen, die 'Bewunderer des Dahingeschiedenen. Im Tranerhause sprach zuerst Rabbiner Levy aus Oberehnheim, der Nestor der elsässischen Geistlichen, wdann in der Synagoge die Oberrabbiner von Colmar und Metz nnd der Rabbiner Uri aus Brumath. Treffliche Reden wurden auch ans dem Friedhofe von den Rabbinern Levy (Weißenbnrgj und Aron lLüneville-, dem Vizepräsidenten Blum-Auscher nnd dem Kvnsistorialinitgtied Schwarz gehalten. Den Schluß bildeten die Ansprachen der Herren Bauer, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, und -Oberndorfer, Vorsteher der Wvhlthätigkeitsgesellschaften. — Daß auch die Mitbürger der anderen Bekenntnisse sich an der Trauerfeier zahlreich betheiligten, verdient besonders hervorgehoben zu werden. Die katholische wie die evangelische Geistlichkeit sowie Mitglieder der Behörden: der Präsident vom Unterelsaß, der Bürgermeister, der Kommandant, der Abgeordnete Petri u. v. a. waren im Zuge zu sehen. 1k Freibrrrg i. B., 17. April. Wegen des Zweikampfs, in welchem der ennck. med. Sa! o mvn gefallen ist, sind der Student 'Behring zu zwei Jahren und drei Monaten und die Mitglieder des Ehrengerichts zu sechs Monaten Festungshaft verurtheilt worden. Nürnberg, 14. April. Am siebenten Passahtage wurde in unserer Synagoge das Andenken des verewigten Dr. Ludwig Philipplon gefeiert. Herr Rabbiner Dr. Ziemlich beleuchtete ausführlich in einer vorzüglichen Rede die großen Verdienste, welche sich Philippson um das Jndenthnm erworben und welch' großen Vertust deshalb letzteres durch sein Hinscheiden zu betrauern habe. Namentlich wurde seineBegründnng der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" und seine litterarischiourualistische Thätigteit als Redakteur derselben hervorgehoben: „wie er ein unerschrockener, aber auch erfolgreicher Kämpe für die Emanzipation seiner Glaubensgenossen gewesen, wie er stets alle Angriffe auf das Iudenthum ritterlich abgeschlagen, nnd wie er auf allen Gebieten für das Wohl desselben unermüdlich fortarbeitete, bis erst der Tod die Feder seiner Hand entrückte/ Oesterreich - Ungarn. Krakau, 10. April. In den Verhandlungen des am 2. d. hier geschlossenen Kongresses der Mitglieder des Vereins der Lehrer und Professoren der höheren galizischen Schulen traten sehr bemerkenswerthe Momente zu Tage, die für die eigenartigen Verhältnisse Galiziens bezeichnend sind. Wahrhaft betrübend war der Eindruck, den die ans dem Kongreß stattgehable Verhandlung über den Antrag des Pereinsansichnsses zur R e fv rm des j üd i sche n R e t i g i o n ö -ü nterr i ch t e s in den galizi scheu Mittelschulen hervorgerufen hat. Dieser Antrag proponirte, daß in jeder Mittelschule, die von der vorschriftsmäßigen Anzahl jüdischer Schüler besucht loird, den Letztgenannten der jüdische Religions-Unterricht in der in dieser Schule gebräuchlichen Vortragssprache ertheilt werde; daß dieser Unterricht der Kontrvle des Schuldirektors unterstehen und daß der Verein bei den betreffenden Schulbehörden um einen bestimmten Plan für diesen Religionsunterricht in Betreff der Lehrgegenstünde, sowie bezüglich der Eintheilnng derselben in den verschiedenen Klassen ansnchen soll; ferner daß der Unterricht nur von qualifizirten Lehrern mit allgemeiner nnd speziell pädagogischer Bildung ertheilt werde, zu welchem Zwecke auch jüdische Lehrer-, respektive Rabbiner - Seminarien errichtet werden, und endlich, daß die jüdischen Lehrer im Gehalte und Range den anderen Lehrern der Mittelschnlen gleichgestellt werden sollen. Ter Referent begründete diesen Ausschußantrag damit, daß die Mittelschulen die Aufgabe haben, die intellektuelle und moralische Ausbildung der Schüler zu bewirken. Deshalb sei es dringendes Bedürfniß, in diesen Schulen eine entsprechende Reform nnd ein bestimmtes System des Unterrichtes der jüdischen Religion herbeiznsnhren, die unleugbare moralische Grundsätze enthält. Nachdem einige Redner theils für, theils gegen diesen Antrag vom objektiven Standpunkte gesprochen, erhob sich Professor Pater L e n k i e wi c z, der bei dieser Gelegenheit die Indensrage mit frommer Gehässigkeit ans das Tapet brachte nnd die Diskussion in das antisemitische Fahrwasser lenkte. Pater Lenkiewicz meinte: „Der Verein habe mit diesem Anträge offenbar die Assimilirung der Inden mit den Polen angestrebt. Wenn diese Assimilirnng zur Zeit unserer politischen Selbstständigkeit nicht erfolgte, so wird sie jetzt umsoweniger bewerkstelligt werden können. Was die Stellung der jüdischen Katecheten anbetrifft, werden diese immer eine zweideutige Rolle spielen. Einerseits werden sie die Anerkennung der Schulbehörden, andererseits das Vertrauen des jüdischen Knltusvorstandes zu erlangen suchen nnd dadurch gezwungen sein, zwischen zwei Parteien zu schwanken und eine derselben zu betrügen nnd zu verrathen. Es sei aber leicht vorauszusehen, welche von diesen zwei Parteien sie betrügen werden. Was solle man aber erst von der proponirten Gleichstellung der jüdischen Katecheten mit beu katholischen Mittelschutlehrern sagen? Die Inden leiden an Verfolgungswahn, nnd in Folge dessen werden die jüdischen Religionslehrer immer ihre Schüler vor angeblich ihnen zugefügtem Unrecht vertheidigen wollen; nnd wenn was bei Disziplinarstrafen aus pädagogischen Rücksichten sich ereignen kann den jüdischen Schülern die kleinste Ungerechtigkeit zu Theil werden sollte, wird darob zweifellos ein großes Gezeter erhoben werden. Der jüdische Religions- Unterrichr - betonte ferner der geistliche Redner — dürste aber auch in ethischer Hinsicht nachtheilig ans die katholischen Kinder wirken. Wenn diese sehen, daß es nur Eine Wissenschaft der Philologie, Mathematik nnd anderer Lehrgegenstände giebt, während die Religion verschiedenartig gelehrt wird, könnte da nicht leicht in dem unerfahrenen, schwachen Geiste der katholischen Jugend Zweifel entstehen, welche von diesen verschiedenen Religionen die bessere sei? Wir Polen müssen aber schon aus patriotischen Gründen die Wächter des Katholizismus sein, weil wir nur in ihm die wirksamste Waffe gegen unsere Feinde besitzen, welche die Fahne des Schismas imb der Andersgläubigen aufpflanzen. Uebrigens mögen die Inden selbst für Befriedigung ihrer Bedürfnisse sorgen. Wir sollen blos trachten, mit ihnen in Eintracht, aber nicht mit jenen vereinigt zu leben. Deshalb beantrage ich den Uebergang zur Tagesordnung." Der Vorsitzende, der Lemberger Rektor Professor Pientat, vertheidigte den Ansschußantrag nnd wies darauf hin, daß der Vorredner in seinen Expektorationen über das Ziel geschossen. Er schloß seine Rede mit Betonung der Thatsache, daß die moralischen Grundsätze der jüdischen Religion auch die Grundlage der christlichen Religion bilden. Die Versammlung ging trotzdem über den gestellten Antrag zur Tagesordnung über. Frankreich. # Paris, 12. Mürz. Auf der jüngsten Konferenz der Boulangisten in Jersey spielte auch die Stellung der Partei zum Antisemitismus eine wichtige Rolle. In der Antisemitenfrage platzten natürlich die Gegensätze am heftigsten aufeinander. Naquet verfocht die Sache der verfolgten Rasse, der er selbst angehört, und Laur hielt Stand, bis ihm die Wahl zwischen seinem Herrn und Meister Boulanger und seinem anderen

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