Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 14 (18.4.1890)
- Date
- 1890-04-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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e fetyiagoih' t fein, um» narf) Polen!t (3)ftjaiuiu, welche mit >er Inefnvü ' Zeitmtqeü s wurde \i)x its sie von mosaischem ef (Chali^ü ' Nun hatle sen und orthodoren > Freibriefs belsohn um hu befragte »ektor u. VL. lte der ver Gener eoi , sich limb on hervori l näher beschuldig! ^tragen gi Heilperin alle (yatta aß er nun, }t sei, ba»'; \ sei. Nalv wei Juden chen, ließen nt und sie n. Hierin die Rechte mittler den , sich zehn! Rabbiner it und V>'r e israbiifc in welchen schreibt an , loben ein; zu bauten )lich schien; ei der Ber und ein r feilt Per han attoge ic ein Jude wacht, sein in Brand und einige eine großn auern nrub den nötigt gen oder unmedaner glaublichen st, sind ne e Zustände tter unsere fanatischen :Iin. 54. Jahrgang. Ur. 14. Allgemeine KerNn, 18. April 1890. eitung des Dudmthums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Begründet von Rabbiner Ludwig Philippson in Sonn. Expedition: iöerlin, Jerusalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag von Rudolf Mosse, Berlin SW., Jerusalemer Straße Nr. 48/49 zu richten. Leitartikel: Gedächtnißrede auf Ludwig Philippson. Gewalten am 8. Tage des Passahfestes von Rabbiner Dr. B. Rippner in Glogau. — Der Rabbiner. Von Dr. Siegmund Maybaum. — Wissenschaft imd ^itteratnrr Anklänge an biblische Gesichtspunkte in den Dichtungen von Henrik Ibsen. Von Dr. I. H. Ritter. — Feuilleton: Timon von Tarsus. Von u'arl v. Heigel. — Berliner Figuren. Von Alexander Meyer. — Lessingleiifmal. Von Richard Schmidt-Cabanis. — Litterarische Mittheilnngen. Der Gemeindebote: Jüdische Namen. Von M. Silber st ein. — Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Stargard in Pommern, Franksurt am Main, Homburg, Gießen, Luxemburg, Wien, Nancy. — Von Nah und Fern. — Miseellen. — Briefkasten der Redaktion. GediichtnißreLe auf Ludwig Philippfon. Gehalten am 8. Tage des Passahfestes von Rabbiner Dr. B. Rippner in Glogan. Bi. A.: Die Gcdächtnißfeicr, der wir diese Stunde weihen, soll nicht nur die Erinnerungen an Dahingeschiedene, die uns theuer sind, in uns anfleben lassen, sie soll auch uns beleben durch fromme, heilige Entschlüsse für die Zukunft. Dies Denken soll ein Danken sein, und wir danken den Seelen derer, die uns entrückt sind, denen wir in irdischem Sinne nichts Gutes mehr erweisen können, indem wir uns in's Gedächtnis; rufen, wie oft sie uns zum Guten, zu einem frommen, gottgefälligen Wandel gemahnt haben, indem wir uns des Zusammenhangs bewußt werden mit den dahin gegangenen Geschlechtern. Nur wenn in: Sohn, im Enkel die Gedanken, der Charakter, die Weltanschauung der Väter, ob anch in veränderten Formen, weiterleben, sind wir mit der Vergangenheit verbunden, ehren wir die Tvdtcn; wenn der Sohn ein Jude ist mit ganzen; Herzen unb ganzer Seele, wie es der Vater war, dann lebt der Vater in dem Sohne fort; jedoch wenn die Sprossen gleichgiltig oder gar feindlich den Heiligthümern ihrer Ahnen gegenüber stehen, dann ist das Band der Seelen zerrissen und zerstört. Pietät ist kein unbedingtes Hingcben an Gesinnung und Anschauung der Vorfahren: jedes Geschlecht, jeder Mensch hat ein Recht ans die Ausprägung seiner Eigenart; aber wie man im Kinde die Gesichts- Züge der Eltern und der Großeltern wiedererkennt und das Gesicht des Kindes trotz alledem ein individuelles Gepräge hat, so soll auch im seelischen Leben der Gegenwart die Spur der Ahnen deutlich zu erkennen sein; dadurch wird die Selbstständigkeit und die Eigenthümlichkeit der Lebenden nicht verkümmert. So ist anch die Begeisterung und Verehrung, die wir einem großen Todten weihen, kein Preisgeben unserer Ueberzciigungen gegenüber den seinigen; aber wenn wir weiter sehen als er, so dürfen wir nicht vergessen, daß wir gleichsam auf seinen Schultern stehen, so dürfen wir denen den Zoll des Dankes nicht versagen, die uns in die Höhe gehoben haben. Jeder Einzelne von uns gedenkt heut der Theuren, die ihm der Tod geraubt hat, aber wenn die Gemeinde die Seelenfeier begeht, so geziemt es sich wohl, ja so ist cs Pflicht, nnsern Sinn ans einen Verlust zu lenken, den die Gcsammtheit Israels und besonder-:' die deutschen Juden jüngst erlitten haben. L u d w i g P h i l i p p s o n verdient es, daß jeder deutsche Jude dankbar sich seiner erinnert; wir vergessen nicht, daß unsere Glaubensgenossen in Parteien gespalten sind, und der Partei, die sich in ihrem Gewissen verpflichtet fühlt, mit Strenge am alten Herkommen festzuhalten, kann Philippson nicht so werth sein als denen, die die Rechte der neuen Zeit auch auf dem Gebiete der Religion verkünden, die die Verjüngung und Erneuerung des alten Judenthums erstreben, damit es seine Aufgabe erfülle an dem Heranwachsenden Geschlecht in unserer Mitte, und damit dereinst die ganze Menschheit jenes Passah der Zukunft, jenes Welterlösnngsfest feiere. Aber alle Israeliten sind dem Manne verpflichtet, der länger als ein halbes Jahrhundert der Herold unseres Rechtes gewesen ist der mit einem ausgezeichneten Verständnis; für die Forderungen des praktischen Lebens so oft die rechten Mittel zur Abhilfe schwerer Uebelstünde enipfohlen, der Leben und Bewegung in das deutsche Judenthnm gebracht und die Geister geweckt hat. Ludwig Philippson war am 28. Dezember des Jahres 1811 in Dessau geboren und hat ein Alter von achtundsiebzig Jahren erreicht; er war ein achtzehnjähriger Jüngling, als er seine erste gelehrte Arbeit, die noch heute von Fachgelehrten geschützt wird, veröffentlichte, und hat so sechzig Jahre als Schriftsteller gewirkt. Dreinndfünfzig Jahre hat er die Allgemeine Zeitung des Jndenthmns herausgegeben und jede Nummer dieses, besonders in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens höchst einflußreichen Blattes mit seinem Geiste beseelt; wohl mehrere hundert Predigten hat er veröffentlicht, dazu eine stattliche Reihe von Bänden, in denen er die philosophischen, die sozialen, die weltgeschichtlichen Momente des JudenthumS und dessen Beziehungen zu den andern Religionen geistvoll erörtert hat; in Prosa und Bersen hat er Dichtungen verfaßt, Dramen, Epen, Romane, welche der Berherrlichung des Judenthums dienen; die Bibel hat er übersetzt und mit einem weitläufigen Koinmentar versehen, Gebetbücher für Männer und für Frauen, für öffentlichen und häuslichen Gottesdienst hat er geschrieben, und dies Alles hat er nur als Nebenbeschäftigung ausgeführt, denn seit seinem zweinnd-