Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 12 (4.4.1890)
- Date
- 1890-04-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 '^el)reub in Leipzig uitb Sanitätsrath Tr. Fr e und in Gleilviv. -- ler Vorstand der jüdischen Gemeinde iu Berlin hat in vergangener Woche anch diejenigen Ausländer, welche als Sänger ans den Synagogen-- chören angestellt waren, aus ihren Stellungen entlassen. --- Tie Stadtverordneten Tr. Langerhans, Jnstizrath Meyer l., Tegmeier. Friedevici, Hütt haben an den Berliner Magistrat folgende Anfrage gerichtet: „Die Zeitungen berichten, daß. nach einem Briefe der Vorsteherin einer höheren Töchterschule, Fräulein Agnes von Schmidt, Oalleschestr. 20, diese sich im Laufe des verflosseneil Winters anläßlich einer Anfrage der Behörde verpflichtet habe, hinfort nur noch christli che Schülerinnen aufzunehmen. Ist dem Magistrat von der berichteten LTatsache etwas bekannt? Eventuell was gedenkt derselbe in dieser Sache ',u thun?" — Kommerzienrath Siegmund Friedländer, stellvertretender Vorsitzender des Nepräsentantenkollegiums der jüdischen Gemeinde, ist am März nach jahrelangen, qualvollen Leiden im Alter von 55 Jahren ^Horben. In ihm verliert der Brüderverein seinen Vorsitzenden uub zahlreiche Vereine und humane Bestrebungen einen eifrigen Freund und cbien Förderer. — Der Oberlehrer am Königstädtischen Gymnasium, Herr Dr. Daniel Jae oby, ist zum Professor ernannt worden. — Herr Zanitätsrath Dr. Moritz Kirstein, Mitglied des Repräsentantenkollesiiums, ist zum Geheimen Sanitätsrath ernannt worden. — Professor; Y,ernsheim, der neugewählte Leiter des Stern'schen Gesangvereins, verabschiedete sich vor einigen Tagen von seinem Publikum in Rotterdam in dem letzten Ernditio Konzert. Das Publikum bereitete ihnl : glanzende Ovationen. Von Seiten des Orchesters, des Vorstandes und - der Musikschüler wurden ihm Lorbeerkränze überreicht. — Der Verband! e'iemaliger Hildesheimer'scher R e l ig ion ssch n l e r feierte kürzlich sein > Stiftungsfest, dessen ansehnlicher Ueberschuß zur Begründung einer , Ferienkolonie verwendet werden soll. Das Fest, das einen durchaus j Mauzenden Verlauf nahm, erhielt durch Ueberreichung des Diploms der - bhrenmitgliedschaft an beu Rabbiner Dr. Hildesheimer einen besonders 'Zierlichen Anstrich. Ter zweite Vorsitzende, Herr Julius Bukofzer, be-! Leitete diesen Akt mit einer ehrettden Ansprache. — Das Kuratorium j der Th. Lehmann'scheu Stiftung in Berlin erläßt folgenden Auf- ' int: Fräulein Therese Lehmann — Hierselbst am 10. Juli 1884 ver-; Norden — hat unter der Bezeichnung „Th. Leßmann'sche Stiftung" eine j Stiftung errichtet, welche den Zweck hat: in Berlin ortsangehörigen dilslosen Wittwen iuib unverehelichten Persotten weiblichen Geschlechts, welche keinen Ernährer haben uub einen tadelsfreien sittlichen Lebenswandel führen, Unterstützung zu gewähren. Am 10. Juli d. I. findet die Verleihung der für die Zeit vom 1. Juli 1890 bis zum 1. Juli 1891 j mr Verfügung stehenden Unterstützungen statt. Die einzelnen Unter- 1 Nützungen betragen 180 M. und werden vierteljährlich pränumerando lickt 45 M. gezahlt. In Befolgung der letztwilligen Anordnung der cctifterin fordern wir hierdurch zur Anmeldung von Bittgesuchen aus,! und wollen Bewerberinnen ihre Gesuche mit Angabe der Vor-; u nd Zunamen, des Tages und Orts der Geburt alt das Unterzeichnete Kuratorium, hier Rathhaus, bis zum 15. April d. I. wätestens einreichen. Mit Rücksicht darauf, daß nach Bestimnlung der Stifterin die Unterstützungen zur Hälfte der verfügbaren Mittel : an christliche, zur anderen Hälfte derselben an jüdische Personen zu! verleihen sind, ist in den Gesuchen zugleich auch die Religion anzugeben. , Am 30. März fand die diesjährige Generalversammlung des ■!m Jahre 1804 begründeten gegenseitigen Unterstützungs - Vereins bl ag ine-Re im statt. An Stelle des durch Krankheit behinderten Vorsitzenden Herrn Hermann I. Meyer leitete Herr Geheimer Kommerzienrnth Salonwn Lach mann die Versammlung. in der der Schrifts 'uhrer Herr Dr. David Cassel beu Jahresbericht erstattete. Die Gesell- . 'chaft hat nicht nöthig gehabt, irgend ein Unterstützuugsgesuch zurücki älweisen. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Hermann Lands-! lu'rger, Geh. Sau.-Rath Dr. Lehfeldt, Moritz Manheimer, sowie die - Stellvertreter San.-Rath Blumenthal, Gotthold Heymann und A. Ruß wurden wiedergewählt. — Am 30. März wurde die neu erbaute Sy na- - üoge in Charlotten bürg durch einen feierlichen Festakt eingeweiht! ilnd ihrer Bestimmung übergeben. Die Festrede, von Herrn Rabbiner Dr. Maybaum gehalten, war tu ihrer U eberzeugungstreue und warmen Begeisternug für die neue Schöpfung und die Zwecke, denen sie bieueu iod, von erhebendem und nachhaltigem Eindruck auf die zahlreiche, erlesene Versammlung. Es waren die Spitzen der Stadt, Herr Ober- : bürgermeister Fritsche, Magistrat und Stadtverordnete erschienen, Vorj ]tanb und Repräsentantenkollegium waren durch zahlreiche Mitglieder! vertreten, den übrigen Raum des in seiner einfachen, aber gediegenen > Aiisstattmlg vornehm wirkenden Gotteshauses füllten die vollzählig anwesenden Gemeindemitglieder. Eingeleitet wurde die Feier durch eilt auf dem Orgelharmouium Zli Gehör gebrachtes Präludium, welchem Chorgesang und ein Nundgaug weißgekleideter Jungfrauen, denen die Mitglieder des Vorstandes voranschritten, folgte. Nach der Predigt folgte wiederum Chorgesang, und ein Postludium beschloß die erhebende und würdige Feier. — Die Verwaltung der israelitischen Religionssckful e zu Frankfurt a. Nt. versendet ihr Jahresprogramm, durch welches sie zur öffentlichen Prüfung am 29. März eiuladet. Die Anstalt war von 234 Schülern besucht, außerdem haben 44 Schüler cm dem im Gymnasium von dem Leiter der Religionsschule, Rabbiner Dr. Horwitz ertheilten, Religionsunterricht theilgenommen. Das Lehrerkollegium der Anstalt besteht außer dem Direktor (Dr. Horwitz) noch aus den Herren Tr. Grünbaum, Dr. Baneth, Unna, Schwcrb und Marx, sowie den Damen Adler lind Mayer. - Die israelitische G ew e r b e s ch ule, ein Internat in Mülhausen im Elsaß, zählt nach ihrem neliesten Berichte 39 Zöglinge. Die aus dieser Schute entlassenen Knaben werden als Lehrlinge von beu Mülhausener Handwerksmeistern mit Vorliebe angestellt. — Der israel. 11 literstützungsverein in Wiesbaden versendet feilten Jahresbericht für 1889. Der Verein zählt 170 Mitglieder mit Beiträgen von 12 bis 36 Mt. Das Vermögen beträgt 15,664 Mk. An Unterstützungen wurden 2870 Mk. ausgegeben. — Unter dem Namen Esras Kafufim sind Mitglieder von 13 jüdischen Gemeindeii der Rheinprovinz und Westfalen zu einem Darlehns- und Unterstützungsverein zusammengetreten. Der Verein, welcher seinen Sitz in Bocholt hat, zählt bereits 234 Mitglieder. — Aus K as sel wird gemeldet: Wegen Beleidigung des Rechtsanwaltes Hirsch war Redakteur L. Weriier, Herausgeber des antisemitischen Wochenblattes „Geldmonopol" und antisemitischer Reichstagsabgeordneter, schöffengericchtlick) zu einer Geldbuße von 50 Mart verurtheilt worden. Da die Staatsanwaltschaft hiergegen Berufung angestrengt hatte, hob die Strafkammer I. das Erkeniitniß der Vorinstaiiz auf und erkannte gegen den Angeklagten auf eilte vierzehntägige Gefängnißstrafe. — Antisemitismus und Dltellwesen habett wiederum zwei Opfer gefordert. Aus Dresden kommt solgendeNachricht: Der ^tnel. jm*. v. Semmern aus Schmatzdors gerieth mit dem Student ten Lehmann (Sohn des Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden) in Streit, und führte derselbe zu einem Pistolenduetl, welches am 18. März int benachbarten Knauthayn stattfand. Hierbei erhielt der Korpsstudent v. Semmern einen Schuß in den Unterleib und ist derselbe in Folge dessen auch heute uoch nicht vernehmungsfähig. Sein Duellgegner hat sich freiwillig der Behörde gestellt. — Aus Würzburg wird telegraphirt: In einem Pistolenduell erschoß der Studiosus Paul Königsfeld aus Kölner (Schlesien) den Studenten Paul Freuer ans Rackit in Pommern. lieber die Veranlassung wird hier bekanitt, daß der erschossene Freuer das Duell durch ein feinem Gegner gegenüber gebrauchtes antisemitisches Schimpfwort provozirte. — Wie schon berichtet, hat der Ob ersch le s i s cche Sy n agog e n- Genie ind ev erb a ub am 13. März in Gleiwitz seine Jahresversammlung abgehalten. Tie Versammlung faitd unter Vorsitz des Herrn Sanitätsrath Tr. Freund statt. In das Sechiedsgericht zur Schlichtung innerer Streitigkeiten innerhalb der Gemeinden wurden gewählt die Herren Amtsgerichtsrath Levy-Beuthen, Rechtsanwalt Berger-Königshütte, Stadtrath Hahn-Gleiwitz, Kaufmann Bartenstein-Ratibor uub Kaufmann Wiemer-Kattowitz. An Stelle des verstorbeneit Komissionsrathes Grützer-Großstrelitz wurde Kaufmann NKKHmann-Myslowitz als Mitglied des Ausschusses gewühlt. Rach Festsetzung des Etats wurde beschlossen, die lleberfechüsse aus den Einnahmen dem israelitischen Waisenhaus-Baufonds zu überweisen. Ein Antrag auf Ausarbeitung eines Normal-Statutes für sämmtliche Gemeinden Oberschlesieus wurde dem Ausschüsse überwiesen. — Die Staatsanwaltschaft in Ratibor hat, wie der „Oberschl. Anzeiger" meldet, genehmigt, daß Rabbiner Dr. Bl u men t hal allmonatlich vor den jüdischen Gefangenen des hies. Gefängnisses einen Vortrag religiös-sittlichen Charakters halte, und einen bestimmten Raum zur Verfügung gestellt. Unter den 400 Gefangenen befinden sich fültf israelitischen Bekennlnisses. Die ethische Tendenz dieser Bemühungen ist, wie das citirte konservative Blatt schreibt, nur dankbar altzuerkennen. Auch werden die Gefangenen am Sabbathvon der Arbeit dispensirt. — Das Staatsbudget in Baden enthält unter dem Titel „Außerordentliche Ausgaben" auch 16,800 Alk. für Aufbesserung der Gehalte gering besoldeter Rabbiner im Lande. — Die in Freiburg i. B. herausgegebene „Israelitische Zeitung" hat nach einem nur dreimonatlichen Bestehen zu erscheinen aufgehört. — Herr- Kantor Graf in Glogau wird die von ihm angekündigte „Jüdische