Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 11 (28.3.1890)
- Date
- 1890-03-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Äudmthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. riefe Zeitung erscheint wöchentlich. Begründet von Alle Zusendungen für Redaktion Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährlich SDt., Rabbiner M-Ludwig Wlippson in Dann. und Expedition sind an die Adresse: „Verlag von Rudolf Mosse, direkt von Der (S.rpebition in Berlin unter Strerchand 3.50 M- Expedition: iöerün, Jernscüemerstr. 48/49 Berlin SW., Jernsalemerstr. 48/49" üu richten 54. Jahrgang Berlin, den 28. Alärz $90. Nr. II. Inhalt: Leiiaetikcl: Das Problem. I. II. — Litterarische Mittheilungerr. — Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Breslau. Frankfurt a. M., Leipzig, Wien. Pest, Lemberg, Bern, London, Odessa. -- Feuilleton: Ter Brüder-Verein in Berlin. — Schimmel Knofeles. Bon L. v. Sacher-Masoch (Schluß). Das Problem. i. Berlin, -22. März. Sehr geehrter Herr Redakteur! Wen» die jetzt in Berlin erscheinende „Allgemeine Zeitung des Jndcnthums" die Berechtigung ihrer Fortexistenz erweisen will, so muß sie die letzte Rapnzinade des Defnunten Hofpredigers beleuchten, wie sie cs verdient. Die edle Wahrhaftigkeit seiner ganzen Methode muß wieder einmal voll und ganz aufgedeckt werden. Das Ehristenthum will er schützen vor der allzngroßen Anzahl indischer Schüler in den höheren Schulen. O über den Wolf, dem das Lamm das Wasser trübt! — Die jüdischen Schüler wüßten nichts von der biblischen Geschichte, würden vollständig religionslos erzogen und übten darum einen schlechten Einfluß auf ihre christlichen Mitschüler. Wer ist denn daran Schuld, daß der Neligionsnntcrricht in den höheren Schulen so sehr im Argen liegt, als die preußische Schulverwaltung, welche ihn ans der Reihe der obligatorischen Unterrichtsfächer ausgeschlossen hat? Würde der Hofprcdiger der Wahrheit vielleicht die Hand dazu bieten, daß der jüdische Religiosunterricht obligatorisch werde, und daß der jüdische Religionslehrer Sitz und Stimme in den Konferenzen des Lehrer-Collegii erhalte? Das Judenthum ans jede mögliche Weise hcrabdrücken und sodann in heuchlerischer Weise den Schaden der öffentlichen Meinung dennuzirc», das ist für ihn wie für alle Jndenhasser charakteristisch. Aber er hat sich doch wenigstens zu den frommen Inden besser gestellt? O, wir kennen den Beweggrund, über den wir hier nicht weiter sprechen wollen. Aber warum werden die Söhne frommer Inden gezwungen, am Sonnabend zu schreiben? Warum bleibt jüdischen Abiturienten in vielen Fällen kein anderer Ausweg, als ihre schriftlichen Arbeiten am Sonnabend zu machen oder vom Examen zurückzntreten? Warum vermochte das hiesige Rabbinat seiner Zeit beim Kultusminister v. Goßler mit der Bitte nicht dnrchzudringcn, daß das mündliche Abiturienten-Examen an einem hiesigen Gymnasium, welches auf den Bersöhuungstag angesctzt war, für die jüdischen Schüler auf einen anderen Tag verlegt werde? Es ist überaus beklageuswerth, daß auch der Kultusminister über den allzu großen Zudrang der Juden an den höheren Schulen Klage erhob und sogar bekannte, seit Jahren eine diesbezügliche Statistik über dieses angebliche Problem führen zu lassen. Aber es ist dafür gesorgt, daß trotz dieser seltsamen Uebereinstimmnng der Wunsch jenes edlen Hofpredigers nicht doch noch erfüllt wird, daß die Juden, wie in Rußland, nur nach einem gewissen Prozentsätze die höheren Schulen besuchen sollen. Unbegreiflich aber ist es, daß der Minister, der mit seinen statistischen Daten allsogleich bei der Hand war, die antisemitischen Angaben des Hofpredigers zu bestätigen, diese dennoch in dem Punkte wenigstens nicht berichtigte, wo jener in seiner bekannten Weise mit der Wahrheit allzu dreist nmgesprnngen war. Die Hanptargnmente für die Möglichkeit der Errichtung jüdischer Gymnasien waren das Frankfurter Philanthropin und die hiesige sogenannte „Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums", von welch' letzterer er behauptete, d a ß s i c ans Staatsmitteln begründet wurde. Bon dem Frankfurter Philanthropin können wir hier absehen, seine Entstehung ist auf die eigenthümlichen Verhältnisse Frankfurts vor dessen Einverleibung in Preußen und zu Anfang dieses Jahrhunderts zurückzuführeu. Aber daß die hiesige Hochschule nicht vom Staate, sondern von einzelnen hervorragenden Inden begründet wurde, und zwar nur deshalb, lveil cs sich im Hinblick ii