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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-28 · Heft 7 (28.2.1890) · p. Seite 111

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 7 (28.2.1890)
Date
1890-02-28
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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111 Niemand anwesend. Schließlich dauerte es mir nun doch zu , lange, und ich ging weg. Zu Hause angelaugt, kam mir jene Streicher Begebenheit in den Sinn, lind es erfaßte mich eine beängstigende Unruhe. „Mein Gott!" dachte ich, „wenn dort zufällig irgend Etwas abhanden gckommeu, könnte ein ehr-! raubender Verdacht auf mich gewalzt werden, da ich eine; balbe Stunde ganz allein dort war." So blieb ich sieinlich j aufgeregt, bis mein wiederholter Besuch bei demselben Herrn, uiich von der Augst befreite. Und als ich in Bezug daraufj uw Begebenheit erzählte, sagte der durch Wissenschaft und! Edelmut!) hervorragende Mann zu mir: Diese Geschichte feer' Ocffentlichkeit zu übergeben, könnte sehr heilsam sein, zur j Warnung, in fremder Wohnung niemals allein zn verweilen.! Und der Ausspruch des weisen Mannes veranlaßt mich, die kleine Geschichte zn Nutz' und Frommen aller guten Menschen niederznschreiben. Zur Barmizwali. (Als Bordruck oder Vorschrift im Gebetbuch.) Bon Emil Lehmann. Mein lieber Sohn! Wie hocherfreut Begrüßt mein Vaterherz dich heut! Barmizwali bist du! „Sohn der Pflicht" — Dein Leben lang vergiß das nicht. Was ich heut fühl' an diesem Tag, Kein Wort dir würdig künden mag — Es ist ein inniges Gebet, Das für dich, Theurer, aufwärts fleht. Barmizwali bist du! Sühn der Pflicht, So lehrt, so mahnte tief und schlicht Das Jndcnthnm, dem du entstammt, Das Edler Herzen stets entflammt. Eindringlich rnft's dem Vater zn: „In Lieb' und Ernst erziehe du „Den Gott dir gab, den Herzenssohn, „Er werde brav — das sei dein Lohn. „Und ist er worden dreizehn Jahr, „Sei ihm des Lebens Endziel klar — „Barmizwali spricht zum Sohn der Pflicht: „Vom Pfad der Tugend weiche nicht." — Barmizwali mahnt den Sohn der Pflicht: Noch strahlt der Ahnen Lebenslicht, Der Glaub' an Gott und sein Gebot, Den sie bewahrt in Druck und Noth. Barmizwali ruft den Sohn der Pflicht Zur Thora! Was die Lippe spricht, Daß sie das Herz auch stets beseelt — Vom Dank für Gott, der uns erwählt. „Der uns erwählt" zur strengen Pflicht! Des Glaubens Muth, des Glaubens Licht, Des Glaubens Kraft, des Glaubens Heil Wird uns — durch uns der Well zn Theil. „Der uns erwählt" — nicht zum Genuß, Nicht zn der Freuden Ueberflnß, Nein, zu der Arbeit Schaffensdrang, Zur Pflichterfüllung lebenslang. Dies Buch — Gebetbuch alter Zeit, Doch von Veraltetem befreit — Geleite deine Lebensbahn Zum Edle», Tüchtigen hinan. Es ist dies Buch neu in Gestalt, Doch alt an würdigstem Gehalt, Es ward — ein Erbstück selt'ner Art — Vom Ahn den Enkeln aufbewahrt. ES hat in Mittelalters Nacht Den Vätern Trost und Licht gebracht, Und seit der Freiheit Morgen graut Die Söhne sinnig »och erbaut. Ist Manches uns verklungen auch — Wie Zionsfrendc, Opferbrauch — Das ganze Buch durchweht der Geist, Der herrlich sich noch heut erweist. Das ganze Buch erfreut das Herz, Erfüllt'S im Glück, crhebt's im Schmerz, Es mahnt zur Tugend, lvarnt vor Schuld, Lehrt Menschenliebe, Gotteshnld! So gebe deiner Lebenszeit Dies Buch ein freundliches Geleit; Und betest du und liest du drin, Thu's stets wie heut — mit reinem Sinn. Dies Buch sei dir Familienstück, Beacht' cs wohl! Es bringt dir Glück. Es mahnt dich: „Bleib ein Sohn der Pflicht, So rein wie heut! Vergiß mein nicht!" Berauschtes. * Am verflossenen Freitag besprach Prof. Brühl in Wien in einer Vorlesung das Verhältniß der männlichen zu den weiblichen Geburten, getheilt nach Konfessionen in den verschiedensten Ländern Europas. Der Redner verwies ans die interessante statistische Thatsache, daß während bei den Bekennern des Christenthums auf se lOo wcibl. Geburten 10J—1.15 männl., bei den Bekennern des Jndenthnms auf je 100 weibl. 108— IckO männl. Geburten kommen, welche Ucberzahl der männlichen Geburten, nach den Ergebnissen neuester eingehender Natnrforschnng, nur auf die

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