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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-28 · Heft 7 (28.2.1890) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 7 (28.2.1890)
Date
1890-02-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Zies e Zeituna erscheint wöchentlich.?nr ch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährlich S))J, direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband :5,50 M. Begründet von Rabbiner M Ludwig Philippssn in Kann. Expedition: Kerlin, Jernfalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: „Verlag von Nndolf Mosse, Berlin SW., Jernsalemerstr. 48/49" zu richten. -">4. Jahrgang. Berlin, den 28. Februar WO.!lr. 7. Inhalt: Leitartikel: C^iite Fortsetzung und fein Schlich. Von Prof. Tr. H. Steinthal. — Tie hanswirthschastliche Ausbildung unbemittelter jüdischer nsädchen. Von Direktor Tr. A. Strelih. — Literarische Mittheilunacn. — Korrespondenten und Nachrichten: Berlin. Königsberg. Wiesbaden. Perlohn. Freibnrg i. B.. Karlsruhe. Biüilcheu. Würzburg. Stuttgart, Wien, Graz. Prag. Alls Ungarn. Weinberg, London, Paris, Warschau, Odessa, Bagdad. Zinvrna, Jerusalem, Fspaban, ^l'elo-Port. — Feuilleton: Eine ftcinc Geschichte. Bou S. Alerander. Von E. Lebmauu. — Vermischtes. Eine Fortsetzung und kein Schluß. Bon Prof. Dr. H. Steintbal. Den Schlusz nämlich soll der Leser selbst machen. Die Fortsetzung aber floDe ich zu meinem Bortrage vom Montag, o: Februar, über den Vers: „Was Gott jhllt, das ist wohllhau". Dazil must ich jedoch zuvor den Anfang geben, den Purist meinem Bortrulies/') Den ^Widerspruch aegen jenen Vers bietet die Erfahrung B'.lsendfach; es bedarf nicht besonderer Umsicht, um zu finden, :oie viel Leidvvlles sich in der Welt beliebt: und der Schmerzensschrei trifft unser Ohr, ohile daß wir es dcuze§eu rschliesteu konnten. Wenn nun der Eine ans solchen Er- '-.hrnngen schliestt: also ist es nicht eine all(zntisje Vorsehung, ckche die Welt regiert, so sagt der Andere, man müsse sich or nicht durch den Schein und durch die augenblickliche Lage nd Stimmung beherrschen lassen. In der Thal ist jener Prs und sind alle jene Salze der Bibel gleichen Inhaltes "lcht etwa voll Männern gesprochen, die in der Fülle des "lückes fasten, sondern von solchen, denen ein besonderes Uni ick entweder bevorstand, oder die voll einem grosten Schmerz on betroffen waren, wie der Hohepriester Eli, sein Ahnherr vMirou, Jeremia und Hiob, lind so ailch namentlich Rabbi > ckba, dem Schöpfer dieses Wortes: „Alles was Gott thnt, ist ■ m Wohl".^) Die philosophische Tiefe aber, welche hinter jebem Dasein ’b Geschehen ein tieferes Wesen erkennt, kann nicht jedem *) Der Vortrag selbst erschien im Feuilleton der „National- -nnng", Nr. 113, 115. Vgl. auch das Referat der A. g. d. I. - 'iit. 5. **) So lautet die hebräische Fassung; die araniastche hat noch s Wort „gelhan" am Ende, iveiches aber in den beste» Haiid- ''' -iften sehlt, woraus mich mein Freund, der Rabbiner - v Immanuel?ö>v in Szegedin, aufmerksam gemacht hat. Menschcn zilgemnthet werden. Wir Nicht-Philosophen hängen am Schein. Darum glauben wir, Akibas Wort spreche Wahrheit, ohne daß wir uns darauf einlassen könnten, dasselbe in der Erfahrung zu erproben. Wir glauben de» Satz, weil er nicht eine künstliche Folgerung aus der Allgüte Gottes, sondern eine einfache Darlegung des Inhalts dieser Eigenschaft des Uneiidlichen ist; wir glauben denselben, weil er mit dem Gedanken Golk gegeben ist; und wir glailben Gott und seine Allgüie, weil sonst das Leben trostlos wäre. Dabei ist aber folgender Gedanke zu betonen: Jeder Glaubenssatz schließt die Lehre einer Pflicht in sich. Ja, die Pflicht bleibt, auch wen» man den Glauben fahren lassen will; sie bleibt in ihrer ganzen Kraft, weil sie mibcdingt ist, weil sie nicht eine künstliche, philosophische Folgerung und Konstruktion, sondern die einfache Darlegung des Inhalts unseres Lebens ist. Darum gereicht die Erfüllmig der Pflicht zu unserem Heil. Der Satz Akibas enthält die Pflicht, in jeder Lage, in jedem Glück oder Unglück das Gute zu thun, alles, was uns das Schicksal bietet, zu nnsernt und unserer Nebcnmcnschcn Heil zn wenden. Es mag sein, daß der Satz „Was Gott thnl, ist wohlgethan", weist unter Thräne» znin Tröste gesprochen wird; aber derselbe gilt im Glück eben so sehr. Der Genuß des Glückes liegt darin, Heil zn schaffe», sich und Anderen; und der Werth des Unglücks bekundet sich dadurch, daß wir dasselbe crirage» und überwinden in treuer Pflichterfültnng. Dies ist, in aller Kürze, mein Anfang; und »n» hier meine Forisetznng. — Diese soll in einer Anwendung bestehen, die wir oo» jenem Glaubenssätze in Bezug ans unsere Pflicht als Juden machen wollen. Wenn wir uns auch bescheiden, die Güte Gottes nicht in jeder Einzelheit zn erkenne»: so scheint es doch wohl thnnlich,

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