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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-14 · Heft 5 (14.2.1890) · p. Seite 80

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 5 (14.2.1890)
Date
1890-02-14
Page
Seite 80 (sequence 15)
Language
German
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79 au» ihrem Grabe heraufsteige», soll sich die Gegenwart verjüngen um 20 Jahre, und dem Schicksal befehle», mir eine Lhristin zur Mutter zu gehen?- ES sind noch esnige Punkte, die ich berühren muh, ehe sch diesen Brief schließe. Ich habe bemerkt, wie ungern Du eS sähest, wenn ich mich während meine» Aufenthalte» in Frank. . furch mit gewissen Menschen abgegeben habe, die Du gemein nennst. Ich bitte Dich, lieber Batrr, wie kannst Du mir zutraUtn. daß ich mich herablaffen werde, gegen gemeine Leute stolz zu sehn? Setze mich einem Fürsten gegenüber» und Du sollst mich stolz sehen, aber nicht bei Frankfurther JudrnjungenS. Ich müßte mich ja wahrhaftig schämen, wenn ich meine Würde gefährdet glaubte, fo bald ich mit solchen Gasseubüben freund- . sich thue. Soll ich etwa mein Gesicht in ernste Falten legen, um Kinder zu erschrecken? Löwen-will ich zittern machen, aber bei Bornheimer Petit—maitre» ziehe ich einen Schafpelz; an» damit sie keine Krämpfe kriegen, wenn sie meine Klauen sehen. ' Mit bangem Herzen, wie ich diesen Brief begann, schließe ich ihn. Denn der Versuch de» ich darin gemacht ist von der Art, daß der erste zugleich der letzte und der einzige bleibt. ' Wen» er mir mißlingt bleibt mir nicht» mehr zu sagen übrig und ich muß warten, bi» diel Zeit für mich spricht. Wiederholen muß ich er, daß mich nicht» mehr schmerzt, al» der eitle und prahlerische Ton. iw dem ich zuweilen z» reden gezwungen worden-bin. Ich mußte so. Den» wem» ich. von meinen Thaten nicht sprechen kann, muß ich von meiner Kraft - reden; aber jede Kraft ist unendlich, also auch die Rede davon. Dein Dich liebender Sohn Loui» Baruch. Unsere Leser sind nach der Lektüre diese» interessanten Briefe» sicher mit un» der Ueberzeugung, daß Ludwig Börne, wenn er einen Lehrer oder Freund gehabt, der ihm. den Gedankengehalt .de» Judenthum» und dessen ethische Weltanschauung klar gemacht hätte, von unberechenbarer Bedeutung für seine Glaubensgenossen geworden wäre! vermischtes. * Au» dem Nachlasse de» verstorbenen 'Wiener Oberkantor- Salomon Süjzerist neuerdings da» folgende Gedicht püblizirt worden, wrlcheS Ludwig August Frankl an den ' Altmeister de» Synagogengesangs gerichtet hat: Wenn Du die »Allmacht" sangst de» Herrn, betont von dem y Meister, / Welcher lange schon bei den Unsterblichen wohnt; Wen« de» König» Psalm von Deinen Lippen erklungen, Schwange» die Herzen sich mit, gläubig zum Aether empor. Ruhe« werden wir bald, die Du begeistert erhoben. Deine» Namen» Klang schwingt sich al» Echo noch fort. Mythisch wirst Pu sein, und un» beneidet die Nachwelt, Die den Bollklang qehvrt» der in der Brust Dir-gewohnt. * Der älteste Tabakbau in den brandenbmgsschen Landen reicht, wie Dr. G. Jbersi in der »Deutschen TabokSzeitung" nachweist, um mehr al» zwei Jahrhunderte in der Geschichte Brandenburg» zurück. Zwei Juden waren e», mit Namen David Nathan und Hartwig Daniel, denen der Ruhm gebührt, zuerst den Tabakbau kulttoirt und damit nach obrigkeitlichem Schutze einen entsprechenden Handel verbunden zu haben. Die damals vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg gedächten beiden Personen «rtheilten Privilegien, welche gewissermassen al» Grundlage für die gedeihliche Ent- Wicklung de» Tabakbaues in Brandenburg bi» in die neuesten Zetten hinein angenommen werden müssen, machen ersichtlich, daß bi» dahin Brandenburg im Punkte dr» Bezüge« seiner Tabake lediglich auf die Zufuhren an» Hamburg-und Leipzig angewiesen war, nächst denen noch die au» Lübeck Erwähnung verdienen.. » Professor Kahler, der Vorstand der zweiten medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhause in Wien.' hat in einer klinischen Borlesung anläßlich der Vorführung eine» an Zuckerruhr (Diabetes wellito») leidenden Ifraelitru sich au», führsich über die nervöse Disposition der Juden au»> gesprochen. Nach der übereinstimmenden Erfahrung aller Kliniker, sowohl au» ihrer Privatproxi», al» au» ihrem klinischen ErfahmngSkreise. entsteht die Zuckerruhr in einem auffallend großen Prozentsätze unter den Israeliten. Selbst in Frankreich, wo e» doch bedeutend weniger Israeliten giebt al» bei un», hat man Gelegenheit gehabt, diese Erfahrung auf da» Prägnanteste bestätigt zu finden. Man kann sich, wie Professor Kahler auSführtt» diese sonderbare Erscheinung daran» erklären; daß nervöse Belastung eine sehr gute Dirpoflsion für die Entstehung der Zuckerruhr abgiebt und eine solche bei keine? der in Europa lebenden Rassen in solchem Maße vorhanden ist und sich mit solcher Leichtigkeit entwickelt al» gerade bei den Juden. Wamm gerade diese, die jüdische Rasse, so leicht zu nervösen Erkrankungen hinneigt, dafür liegt der Grund in der so bedeutsamen geschichtlichen Entwicklung diese» Bolle». Der tausendjährige schwere Druch unter dem diese» Volk von Anbeginn gestanden, der Umstand, daß e», von allen bürgerlichen und gesellschaftlichen Rechten auSgeschloffen, sich in sich selbst zurückzuziehen gezwungen und einer aufreibenden Thätigkeit zur Erhaltung seine» Leben» au»gesetzt war, wozu noch die unaufhörlichen Verfolgungen und der Aufenthalt in' den hygienischen Anforderungen keineswegs entsprechenden Ghetto« hinzuzurechnen sind, ferner der Umstand, daß diese» Volk erst seit wenigen Dezennien der ihm gebührenden bürgerlichen Freiheit theilhastig ist, all' die» macht r» begreiflich, daß die Angehörigen diese» Stamme», die von vornherein «in geschwächte» Nervensystem mit zur Welt bringen, allgemeine Disposition zu nervösen Erkrankungen besitzen. Auf Gmnd dieser Dispofision treten nun sehr leicht die Folgezustände einer nervösen Belastung, im vorliegenden Falle also die allgemein gefürchtete Zuckerruhr, auf. Man sieht diese Erscheinung ganz rllatant in Fällen, wo ohne nachweisliche Neurose oder anderweitige nervöse Erkrankung iu der Familie sämmtllche oder mehrere Geschwister plötzlich, nachdem sie ein gewisse» Alter erreicht haben, von der Zuckerrnhr de-

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