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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-01-19 · Heft 2 (19.1.1890) · p. Seite 26

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 2 (19.1.1890)
Date
1890-01-19
Page
Seite 26 (sequence 10)
Language
German
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26 tcu nichts Größeres, als diesen zu ehren, zu beglücken und zu erfreuen. Es war ein gesegnetes Leben, ein reich beglücktes, gesegnetes Atter, das dem theuren Entschlafenen von Gott beschieden war, bis er nach vollendetem achtundsiebzigsten Lebensjahre, am Gedenktage seines Eintritts in das Leben, von schwerer Heimsuchung getroffen, den Wanderstab niederlegte und Halt machte an der Brücke, welche Leben und Tod mit einander verbindet. Wir fragen: Hätte dieses Leben nicht weiter fristen können, wenn auch geschwächt und ermüdet? Hätte dieses Dasein nicht weiter unter der liebevollen Fürsorge der Seinen dauern, deren Glück und Freude sein können? „MeiueGedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Ewige; denn wie höher sind die Himmel über als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken." Nicht sollte der, welcher der Welt in seiner Schaffenslust und Freudigkeit bekannt war, in seinem Hause das Sinnbild höchster Vollendung und Vollkommenheit, den Seinen anders als solcher in der Vorstellung fortleben; nicht sollte er sich selbst jemals als ein Anderer erscheinen. Darum liegt in diesem Tod, der in einem reich ausgewirkten Leben eintrat, so viel Trost und Beruhigung, so viel Versöhnendes und Friedliches für die Hinterbliebenen. Es kommt der schwere Augenblick, wo die irdische Hülle des Theuren den Augen der Seinen, uns Allen entrückt wird, — hinausgetragen wird aus diesen Räumen, in denen er bis zum letzten Augenblicke seines Lebens gesonnen und geschaffen, gedacht und gestaltet hat. Beugen wir uns in Demuth und preisen in der Trauer den erhabenen Gott, dessen Walten unserm Erkennen sich entzieht. Beten wir zu ihm: Nimm den Heimgegangenen auf in Dein Reich der Ewigkeit und Seligkeit, des Lichts und des Friedens, der Gnade und des Erbarmens. Lasse ihn theilhaftig werden des verdienten Lohnes für sein reiches'Wirken und aus. Deinen geheiligten Höhen segnend herniederschauen auf die Seinen, die er im Leben geliebt und gesegnet hat. Vergieb ihm jedwede Schuld, die er begangen in menschlicher Schwäche und Fehlbarkeit; gedenke ihm jedwede Tugend, die er geübt im Leben, und habe Dank, o Gott, daß Du ihn so lange zu rühmlichem Schaffen, zur Freude der Seinen erhalten hast. Sende Trost der trauernden Gattin, den trauernden Kindern und Angehörigen. Lasse sie Frieden finden im Aufblicke zu Dir und im Bewußtsein, treu dem theuren Entschlafenen gedient zu haben nach ihren Kräften. D"m ttsZi mnä N.nn „So sei, o theurer Todter, Deine Seele aufgehoben im Bund der Ewiglebenden und Seligen", und alles Volk spreche darauf: Amen!" Gegen drei Uhr Nachmittag verließ die Leiche des Verewigten das Haus, das im irdischen Leben seine Heimstätte gewesen war, um in die Stätte der ewigen Ruhe einzugehen. Ein überaus zahlreiches Gefolge gab den sterblichen Resten des verehrten Mannes das letzte Geleite. Auf dem Vorplatze des Friedhofes ergriff der Rabbiner der Bonner Gemeinde, Herr I)r. Cohn, das Wort: „Herr und Vater! Fremdlinge sind wir bei Dir und Beisassen gleich all unseren Vorfahren, wie ein Schalten sind unsere Tage auf Erden unaufhaltsam. Du aber, o Gott, hast das Licht der Seele in dem Menschen angezündet, das leuchtet über das Grab hinaus, das erhellet die Bahn, die in die Gefilde der Seligkeit, in das Land des ewigen Lebens führt. Und Licht wird niemals Finsterniß. Wenn hinieden Abend wird, bricht droben ein neuer Morgen an. „Aufwärts geht der Weg des Lebens." Auf Dich, o Gott, blickt unser Auge, in Deinem Licht schauen wir Licht." Amen. Zn einem reinerem Lichte, o Verklärter, hat sich Deine Seele aufgeschwungen; sie weilt in den Höhen, zu welchen Du im Geiste Dich oft erhoben hast. Deinen ehrenvollen Namen aber läßt Du auf Erden zurück; ihm droht keine Nacht, Dein erfolgreiches Wirken im Reiche der Wissenschaft hat nicht das Dunkel der Vergessenheit zu fürchten. Wie Du Deinem Familienkreise eine belebende und erwärmende Sonne gewesen, so warst Du Deinen Glaubensgenossen auf dem weiten Erdenrunde ein erhellender Stern, warst länger als ein Vierteljahrhundert hindurch der Jugend ein zur Begeisterung für das Judenthum entflammendes Licht. Judenthum! Wie sind doch mit diesem Namen, o Verklärter, unzählige Erinnerungen an die von Dir errungenen Erfolge verknüpft! Gleich jenem Makkabäerhelden Juda wurdest auch Du, der Du den Namen Jehuda trügest, ein Vorkämpfer für Wahrheit und Recht. Darum erfüllt sich, wie ehemals bei den Jubelfesten, die Du feiertest, auch heute noch an Deiner Bahre die Verheißung Jakobs, jenes Wort, das im dieswöchigen Sabbath-Abschnitte verzeichnet ist: v'~ii nnN rn-irr „Jehuda, Dir bringen Deine Brüder Huldigungen dar." Amtsbrüder und Vertreter ansehnlicher Gemeinden, sie gaben Dir zur letzten Ruhestätte das Geleite. Nicht nur soweit die deutsche Zunge klingt, nein! weit über die Grenzen des Vaterlandes hinaus, überall, wohin die Kunde von Deinem Dahinscheiden gelangt, wird man Deiner ehrend gedenken, überall dankbar anerkennen, was Du seit einem halben Jahrhundert für das Judenthum geleistet hast.

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