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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-01-19 · Heft 2 (19.1.1890) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 2 (19.1.1890)
Date
1890-01-19
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 den Tod des Mannes anzuzeige», dem er soeben so schöne und tiefgefühlte Segenswünsche zugerufen hatte, Wünsche, für die ihm jeder Angehörige und Freund Ludwig Philippsons zu aufrichtigstem Dank verpflichtet ist. — Ueberhaupt haben sämmtliche größere israelitische Blätter aller Schattirungen in Frankreich, England und Oesterreich, wie in Deutschland, mit einer einzigen Ausnahme, rühmend und dankbar die Tugenden und Verdienste des Verewigten in ausführlicher Weise geschildert. Zahllos waren die Beweise der Theilnahme von fern und nah, von Juden und Nicht-Inden. Depeschen trafen ein von den Kultusgemeinden Berlin, Wien, München, Frankfurt a. M., Aachen, Brüssel, Leipzig, Magdeburg rc. Die Magdeburger Gemeinde sandte noch folgendes Schreiben: „Hochverehrte Leidtragende! Mit tiefem Schmerze hat uns die Nachricht von dem Ableben des Herrn Rabbiners Dr. Ludwig Philippson erfüllt. Verehrt doch unsere Gemeinde in ihm ihren ersten Rabbiner, der ihr durch seine edlen Charaktereigenschaften stets ein leuchtendes Vorbild war und durch eine hervorragende rednerische Begabung seine Hörer zu allem Guten und Edlen zu begeistern verstand. Allezeit hat Ludwig Philippson in der würdigsten Weise durch seine publicistische und wissenschaftliche Thätigkeit das Judenthum nach außen hin vertreten, sodaß wir auch deßhalb zu ihm, als dem bedeutendsten jüdischen Theologen der Gegenwart, mit dankbaister Gesinnung emporblicktcn. Wenn Ludwig Philippson's Name in der Geschichte des Judenthums unseres Jahrhunderts, als eines seiner muthvollsten Fahnenträger, glänzen wird, so sind wir, die Gemeinde Magdeburg, stolz darauf, sagen zu können: Er war unser! Wie er segensreich gewirkt, so wird auch das Andenken an ihn innerhalb unserer Gemeinde, wie des gesummten Judenthums ein Segen sein und bleiben für alle Zeiten." Das Israelitische Central-Consistorium Belgiens erließ gleichfalls eine längere Adresse: „Geehrte Herren! Schmerzlich bewegt durch die Kunde von dem Hinscheiden Ihres verehrten Vaters, hat das Consistorium die Ehre, Ihnen wie Ihrer ganzen Familie sein lebhaftes Beileid auszudrücken. Aber unser Bedauern gilt nicht nur dem Gatten und Vater, den der Tod der Liebe seiner Familie entrissen hat. Wir beweinen, mit der ganzen Judenheit, den bedeutenden Mann, der während seines langen Lebens keinen andern Ehrgeiz kannte, als an dem Ruhme unserer Religion zu arbeiten; der edel bis zu seinem letzten Tage die bewundernswerthen Gaben, die ihm die Vorsehung verliehen, in ihren Dienst stellte; universelles Wissen, unnachahmliche Beredsamkeit, eine nie'versiegende Fruchtbarkeit des Geistes, ein enthusiastisches unermüdliches Streben für die Sache Israels, dessen muthigster und festester Vertheidiger er unter oft sehr schwierigen Verhältnissen war. Die Erinnerung an Ihren betrauerten Vater wird unfern Glaubensbrüdern auf immer theuer bleiben. Die hochbedeutenden Werke, in denen er die Früchte seiner Gedanken niedergelegt hat, werden den bedeutendsten Erzeugnissen zugesellt bleiben, welche uns jene Lehrer, jene Weisen, jene Schriftgelehrten hinterlassen haben, die Israel zu lieben und zu verehren gelernt hat. Mögen Sie in diesem Gedanken eine Linderung Ihres Schmerzes finden. Möge Gott, der Wunden schlägt, aber sie auch heilt, in Ihre Herzen den Frieden senden, Beruhigung und Trost." Der Synagogenrath Freiburg im Breisgau schreibt an die Hinterbliebenen: „Tief erschüttert durch die Trauerkunde von dem Ableben Ihres unvergeßlichen Gatten und Vaters erachtet es der Synagogenrath der Gemeinde Freiburg's als eine Ehrenpflicht, Ihnen, anläßlich des schweren Verlustes, der Sie und das ganze Judenthum betroffen, den Ausdruck seiner aufrichtigsten Theilnahme zu übermitteln. Recht herzlich trauern wir mit Ihnen, und bekennen, daß die Größe des Verlustes uns zweifeln macht, ob Trostesworte Ihren gerechten Schmerz zu lindern vermögen. Ein Mann von so edeln Gesinnungen, ein Mann, der während eines ganzen Menschenalters so unendlich viel für das Judenthum gewirkt und geschafft, ein solches Muster wahrer Frömmigkeit, ist der Thränen Werth! — Er war der Edelsten einer! — Die Zeit, die alle Wunden heilt, wird auch Ihren Schmerz lindern! Hat doch der theuere Verblichene das gewöhnliche letzte Ziel menschlicher Dauer — ein hohes Alter, erreicht! Dieser Gedanke tröste, stärke und erhebe Sie in den Tagen der Trauer! Mit dem Ausdruck wahrer Hochachtung und Verehrung, bitten wir Sie, sehr geehrte Leidtragende, sich auch der wärmsten Antheilnahme der hiesigen Gemeinde versichert halten zu wollen." — Nachträglich langten noch Zuschriften von den Gemcindevorständen Prag und Budapest an. — Das Central-Comitö der Alliance israelite universelle in Paris beauftragte sein Mitglied Herrn Rabbiner Dr. Frank in Köln, sowie Herrn Robert Goldschmidt in Bonn, es zu vertreten bei der Beerdigung „dieses ausgezeichneten Mannes, welcher dem Judenthum mehr als ein halbes Jahrhundert so große und glänzende Dienste geleistet hat." Es richtete dann, am 2. Januar,"jeine^ eigene [längere Adresse an die

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