Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1897)
- Date
- 1897-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Berlin, 17. Aeremiier 1887. 61. Jahrgang. Ar. 51. Begründe^ von Hahbittet Ludwig Philippson-Sonn. Verlags-Vrpedition: Lerim, Zkrusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion "und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richtend Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Diese. Zeitung^ erscheint, wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!.3 M. Nedactenr: Gustav Karpeles. Änfinkt. Leitartikel: Chanukah. — Die Woche. — Aus der Berliner Gemeinde. — Die Chanukah-Hymne. — Eine Novelle und ihre Quellen. I. Bon Karl Emil Franzos. — Feuilleton: Kaiser und Nabbi.. Historische Erzählung. (Forts.). — Sprechsaal. — Briefkasten der Redaktion. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Ans der Provinz Posen, Posen, Lissa i. P., Strelno, Hannover, Münster, Düsseldorf, Darmstadt, Westhofen i. E., Wien, Budapest, Waag-Neustadtl, Bombay. — Bon Rah und Ferm — Miseellen. Chanukah. Berlin, 16. Dezember. m 25. des Monats Kislew, des dritten der Herbstmonate, feiert Israel sein Lichtfest zum Gedächtniß an die erneute Weihe des Heiligthums durch Juda Makabi, den gottesfürchtigen und tapferen Mann. Es war.'ein seliger Moment nach unsäglicher Noch, ein Sonnenblick des Heils, wie er nur selten hineinfiel in dies dunkle Schicksal Israels, und die zum Preise Gottes geweihte Leier, die dereinst die Verbannten an den Strömen Babels weggelegt hatten, sie wurde wieder hervorgesucht von den heiligen Sängern, sie stimmten ein neues Lied an, „das Lob des Herrn in der Gemeinde der Frommen." Israel freute sich seiner Tapferen, die Söhne Zions ihrer Führer, denn gnädig war Gott seinem Volke und schmückte die. Demüthigen mit Heil, sie, die das Lob Gottes im Munde und das schneidige Schwert in ihren Händen führten, „das Strafamt 51t üben unter den Völkern, die Zucht unter den Nationen, an ihnen zu erfüllen vorgeschriebenes Recht, ein Ruhm für all seine Frommen."/ Ermattet war Israel hingesunken vor dein Zorne des Syrers, hoffnungslos hatte das Volk den Kampf aufgegeben, und der Triumph des Antiochus schien vollständig; da hatte sich Mathathias erhoben mit seinen fünf Söhnen, und für eine kurze Frist vermochte diese Heldenschaar einen neuen Glanz zu erzeugen und den Untergang aufzuhalten. Aber wenn nur der Sieg des Staates Judäa am Ehanukahfeste gefeiert wurde, so möchten sich wohl Bedenken erheben, ob dieser Sieg, so herrlich und gewaltig er war, diese Feier verdient; denn es war nur ein flüchtiger Strahl, der Judas Dasein erhellte; des Mathathias tapfere und edle Söhne fielen als Opfer des Verraths im rüstigsten Mannesalter, der Bürgerkrieg zerrüttete das Land, und bald folgte auf das harte Joch der Syrer das härtere der römischen Zwingherren. Dennoch war das neue Lied, das die Makabäer am Chanukah anstimmten, der Heroldsruf einer neuen Zeit, wo die Götzen in Trümmer sinken und der jüdische Glaube, wenn auch in vielen und - wichtigen Punkten verändert und seiner ursprünglichen Hoheit entkleidet, seinen Siegeslauf'durch die Welt beginnen sollte. Am 25. Kislew^hatte vordem der syrische Feldherr /unter deim Beifall der Fremden und vieler abtrünniger Israeliten das Heiligthum von Jerusalem dem obersten Götzen der Heiden geweiht und dessen Bildniß aufgestellt in dem Allerheiligsten; eine Ringschule - aber war eröffnet worden-in Jerusalem, in welcher die Jünglinge, keuscher Sitte vergessend, nach-Art der Hellenen sich in allerhand. Wettspielen übten, und selbst aus den Kreisen der Priester drängten sich Viele zu den neuen Künsten und dem neuen Glauben und verachteten das Alte; .und an demselben Tage hatte Juda Makabi das Heiligthum gesühnt und dadurch, für immer den Sieg be§; Adonai, des Gottes der Juden, über den Götzen, den „wüsten Greuel", der Heidenwelt, besiegelt. Daniel hatte von einer Bildsäule geredet, deren Haupt war von - schönem Gold, die Brust und die Arme waren von Silber, der Leib und die Lenden von Kupfer, die Schenkel von Eisen und die Füge, ^theils von Eisen und theils von Thon., Da löste sich ein Stein los, . Nicht von.Menschenhand, und schlug das Bild auf die Füße von Elsen und Thon und zermalmte sie; und da waren auch das Gold und Silber und Kupfer zugleich zermalmt, und sie schwanden wie . Spreu in der Sommertenne, und keine Spur ward von ihnen gefunden. Aber ,der Stein-ward zu einem großen Berge und füllte die Erde. Alle einsichtigen Erklärer der Gegenwart beziehen die Gesichte des Daniel auf die Zeit der Makabäer, und der Beiname Makabi der Hammer paßt ja, wie es scheint, ganz vortrefflich zu dem Gleichniß vom Stein, der das Bild zerschlägt. Kein Zweifel, daß das Buch Daniel auf der Makkabäer heldenmüthiges Beginnen zielt, daß ihn: Juda Makabi, Juda der Hammerder Stein ist. der das hellenistische Weltreich und die hellenistische. Bildung umstürzt und begräbt. Kein Zweifel, daß das hoffende Auge des Sehers eine Zukunft erblickt, wo/diese Bewegung, die von Juda Makabi ihren Ausgang genommen,../de.» ganzen Erdball durchzittert und niederwirft die falschen Götzen und ihre weihelosen Altäre. ' . Aber eS entsteht die-Frage: wie hat diese Weissagung sich 'Äfüllt? Hat Juda der Hasmouäer, wie glänzend auch immer seine , Siege waren, die er mit geringer Schaar, gegen mächtige Heere errang, die hellenistische Welt wirklich wesentlich, geschädigt? Wir - lesen im Gegentheil, daß Palästina mir für kurze Zeit selbständig ^blieb, daß. es, durch Zwietracht zerrüttet, bald wieder in die Gewalt der- Heiden kam. . Trotz alledem hat sich die Heissaguug des Buches Daniel genau bewährt, denn an dem Widerstand,, an dem Heldenmuth. "der makabäischen Schaareri, jener Krieger, die Psalmen sangen, .tuen»; sie das schneidige Schwert wider ihre Dränger erhoben, entfachte