Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1897)
- Date
- 1897-12-03
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Eine Verminderung dieser Unterstützungsansprüche ist vorerst nicht zu'itzrw arten, eher eine weitere Zunahme derselben. In seiner vollen Höhe erhielt sich der Bestand der Vereinsmitglieder. Die am 11. v. M. hiyr stattgefundene Vereinsversammlung und freiwillige Konferenz beschäftigte sich in lebhafter Verhandlung zumeist mit einer Haupt- und Lebensfrage unserer israelitischen Schule: der Grundlage, der Aufgabe und dem Betrieb unseres israelitischen Religionsunterrichts in der Werktags- und Sonntagsschule (bez. Fortbildungsschule). Die Einnahmen belaufen sich auf 6793,45 Mark, die Ausgaben auf 6116,88 Mark, das Gesammtvermögen auf 48 811,09 Mark. Oesterreich -Ungarn. □ Wien, 29. November. Die wildbewegten Szenen im Parlament werfen ihre Schatten rings umher, und die Wiener Bevölkerung befindet sich in begreiflicher Erregung. Hinter diesen Begebenheiten tritt natürlich alles andere weit zurück. Der Rücktritt Badenis ist in jedem Falle auch für uns ein Segen. In der nächsten Woche schreibe ich Ihnen mehr darüber. — Dem Generalstabsarzte des Ruhestandes Dr. Michael Wald st ein ist der Adelstand mit dem Ehrenworte Edler und dem Prädikate „Heilswehr" verliehen worden. — Der Hausbesorger des Gersthofer Schloßparkes, der den Schriftsteller Chiavacci und dessen Gattin mit antisemitischen Schimpfworten belegte, wurde zu vierzehntägiger, mit Fasten verschärfter Arreststrafe verurtheilt. ■f Budapest, 25. November. Der israelitischen Landes- Lehrerpräparandie, der einzigen jüdischen Lehrerbildungsanstalt Ungarns, gebührt unstreitig ein beträchtlicher Antheil an dem Verdienst, das jüdische Volksschulwesen aus sein heutiges hohes Niveau gebracht zu haben. Männer von hervorragender wissenschaftlicher? und päda-- gogischer Bildung, die in ersprießlichster Weise die Interessen des ihrer Leitung anvertrauten Instituts förderten, machten diese aus sehr bescheidenen Anfängen hervorgegangene Anstalt zu einem nach jeder Richtung hin aus der Höhe der Zeit stehenden Institut, das nun das Jubiläum seines vierzigjährigen Bestandes feiert. Aus diesem Anlässe erschien aus der Feder des gegenwärtigen gelehrten Direktors Dr. Josef Bänüczy die durch gediegene Schreibweise sich auszeichnende und eine Fülle interessanter Taten enthaltende Jubiläumsschrift: „Die Geschichte der israelitischen Landes-Lehrerpräparandie 1857—1897." Der Verfasser gedenkt der unvergänglichen Verdienste, die sich Rabbiner L. Schwab, Moriz Ballagi (damals noch Bloch) u. A. m., um die Errichtung dieser Anstalt erworben, und schildert eingehend die Entwickelung der Anstalt, die seit ihrem Bestände von 2449 Zöglingen besucht wurde. — Die Pester Kultusgemeinde richtete an die hauptstädtische Kummune das Ansuchen, es möge ihre Schulsubvention, welche im Jahre 1889 mit 24 000 Kronen festgestellt wurde, auf 40 000 Kronen erhöht werden. Die Unterrichtskommission, zur Begutachtung dieses Gesuches aufgefordert, entsandte die Herren Ladislaus Szäszy und Moriz Mezey, um die Verhältnisse der Gemeinde zu untersuchen und klarzustellen, ob die Subventionserhöhung begründet sei. Die Exmittirten kamen ihrer Aufgabe nach und konstatirten aus den Büchern der Gemeinde, daß diese für kulturelle und humanitäre Zwecke mehr als das Doppelte des im Jahre 1889 benöthigten Betrages verwende, die Kommission erklärte daher die Erhöhung der Schulsubvention für begründet. — Die Pester Chewra Kadischa wählte in ihrer jüngsten Generalversammlung mit großer Begeisterung den Großgrundbesitzer Moses Ehrlich zum Präsidenten. — Auf Anregung des Rabbiners Dr. Kecskemöti werden in Großwardein Vorträge über jüdische Geschichte und Litteratur abgehalten. — Der Richter an der königlichen Tafel in Szegedin, Dr. Ignaz Szegheö, wurde an die königliche Kurie in Budapest zum Aushilfsrichter berufen. — Die orthodoxe Kultusgemeinde in Miskolcz wählte Rabbiner Dr. Salamon Spira zum ungarischen Prediger. Mit dieser Wahl, die eine glückliche genannt werden kann, werden hoffentlich die seit Jahren währenden Mißhelligkeiten, die infolge dieser Frage auftauchten, ein Ende nehmen. — Der ungarische Staatsbürger Armin Derer« in Uesküb wurde durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, der Bankier Arthur Baronyi durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens und Adolf Jünas durch Verleihung des ungarischen Adels mit dem Prädikat Berve ausgezeichnet. Amerika. 6. H. New-York, im November. Der Zionismus macht hierzulande Fortschritte. Prof. Richard Gottheil in New-Pork und der ehemalige Rabbiner Dr. Felsenthal in Chicago sind, obwohl entschiedene Reformer, als seine Verfechter hervorgetreten. — Das jüdische Waisenhaus in Cleveland, Ohio, beherbergt nach seinem letzten Berichte 483 Pfleglinge. — Dr. D. Mayer in Charleston, Süd-Karolina, Arzt und zeitweilig auch Prediger der dortigen ältesten Reformgemeinde der Bereinigten Staaten, ist zum Konsul in Buenos Aires ernannt worden. — Eine Klage wegen Bruches des Eheoersprechens endete vor einem New-. Iorker Gericht mit Zuerkennung von 1750 Dollars an die junge Dame. Beide Parteien sowie der als Zeuge erschienene Schadchen waren taubstumm. — Fräulein Emilie Philipps in Philadelphia hat dem Andenken ihres Bruders zu Ehren einen Preis von 2000 Dollars für die Bearbeitung eines juristischen Themas ausgesetzt. — Ein ungenannt sein wollender christlicher Wohlthäter hat dem Rabbiner Dr. Wise in Cincinnati 2000 Dollars für jüdische Wohlthätigkeitszwecke überwiesen. — Aus dem Nachlasse von Anselm Frankel in Oskaloosa, Iowa, wurden dem Waisenhause in Cleveland 500 Dollars, dem Hebrew Union College in Cincinnati 1000 Dollars überwiesen. — Unter..den Geistlichen, welche eingeladen waren, an der Bahre des so plötzlich verstorbenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt von Groß-New-Iork Henry George Reden zu halten, befand sich auch der Prediger am Tempel Emanuel Dr. Gottheil. — Die illustrirte Wochenschrift „Leslies Weekly"^ welche sich schon früher einmal zum Mundstück antisemitischer Aeußerungen hergegeben hat, giebt einem Herrn Gribojedoff das Wort, Herzls und Nordaus selbstlose Liebe zum Judenthum gegen die Bankiers und die gut bezahlten Rabbiner zu vertheidigen. Auch Ed. Drumonts Autorität wird zu Gunsten des Judenstaates zitirt. Jedenfalls eine bedenkliche Stütze. Von Nah und Fern. ----- Der Frauenverein von 1833 zum Bestell israelitischer Waisenmädchen veranstaltet auch in diesem Jahre in der Wohnung der Frau Recha Marckwald, Bellevuestraße 15, eine A u s st e l l u n g weiblicher Handarbeiten und anderer Gegenstände. — Ueber die Palästinareise des Kaisers gehen neuerdings wieder verschiedene Nachrichten durch die Blätter; besonders wird behauptet, die Reise würde nicht, wie Anfangs verlautete, im April, sondern erst im September oder Oktober stattfinden. Eine definitive Entscheidung über diese Reise ist bisher, wie die „Post" hört, überhaupt noch nicht erfolgt. Es dürfte auch in diesem Augenblick noch gar nicht möglich sein, so weit im Voraus schon bindende Bestimmungen über derartige Reisen zu treffen. — Der Fabrikant Albert Fränkel in Neustadt Oberschl. ist zum Kommerzienrath ernannt worden. — In Schwetz ist am 26. d. Mts. der königliche Kreisphystkus Sanitätsrath Dr. I. M. Rosenthal nach schweren Leiden im 73. Lebensjahre gestorben. — In Bern bürg ist der Sanitätsrath Dr. I. Fließ im 71. Lebensjahre gestorben. — Dr. I. Una von der orthodoxen Religionsschule in Frankfurt a. M. ist als Klausrabbiner nach Mannheim berufen worden. — In Düsseldorf wurde zum Kantor und Lehrer Herr Theodor Fränkel aus Salzkotten gewählt. — Der Kantor Braunschweig in Homburg v. d. Höhe hat den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — Dem „Gemeinnützigen Verein" in Dresden haben die Nachkommen des Kommerzienraths Josef Bondy, eines langjährigen Wohlthäters der Ferienkolonien, zum Gedächtniß 100 000 Mark übergeben mit der Bestimmung, dafür ein „Josef Bondy-Haus" zur Aufnahme erholungs- und genesungsbedürstiger Kinder zu errichten. — Der Stadtrath von Mainz hat es abgelehnt, die Stadthalle zu einem Vortrag von Ahlwardt herzugeben. — Unter den Opfern des Krieges in den indischen Grenzländern befindet sich auch ein jüdischer Soldat Namens Bennet, Sergeant im 1.Bataillon des Dorsetshire-Regiments. Derselbe hat schon, in Aegypten den Feldzug gegen Arabi Pascha mitgemacht und sich dabei sehr ausgezeichnet, weswegen er befördert wurde. Bei einem Kampfe bei Waran fand er jetzt den Tod. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.