Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1897)
- Date
- 1897-11-26
- Page
- Seite 566 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sind Emporkömmlinge; sehr viel e haben auch denAdel der Gesinnung unddes Charakters, und das Bewußtsein erduldeter Noth hat ihnen.^ nicht, nur.die. Freude, vermehrt, sondern auch, dos Zartgefühl erhöht .Wird das'-Heranwachsende,'reifende Geschlecht, die Stellung behaupten/festen-und erweitern, die dir Indem inunseremVaterlände . und, anderwärts in' diesem. .Jahrhundert sich durch ernste Arbeite errungen haben? In unserer Litteratur, in unseren Gebeten ist das 8'elms O^aus, das Verdienst der Väter, von großem Belang. Golt> sprach zu Isaak: ,;Jch werde mit dir sein und dich segnen, weil Abraham auf meine Stimme gehört und mein Gebot erfüllt hat." Also Gott verheißt dem Isaak Segen, nicht um des eigneil Beidienstes willen, sondern um des Vaters willen, weil Abraham ein Mann nach dem Herzen Gottes gewesen ist. Das Verdienst des Abraham wird dem Isaak gelohnt. Das ist ein Gleichnis; für viele Verhältnisse der Gegenwart. Die Söhne besitzen, was die Väter erworben haben,' und nicht ohne Sorge fragen wir: werden die Sprossen, auf allen Gebieten, in der Wissenschaft, im öffentlichen Leben, in Handel und Wandel, wie Isaak auch nur die Stellung erhalten, die^sie von den Ahnen übernommen haben. Es ist ja. schone ein .Niedergang, wenn . das Erbe.der Väter, nicht gemehrt wird. Wie viele Juden haben,, man möchte sagen, straks aus dem Ghetto den Weg gefunden zur politischen Tribüne, lind glanzvolle jüdische Namen werden auf immer mit der politischen Geschichte des letzten halben Jahrhunderts verbunden sein; es hat vorläufig nicht' den Anschein, als wenn aus dem jüngeren Nachwuchs an Talent und Charakter gleich ausgezeichnete Männer einrücken werden. Ebenso gab es eine große Schaar gelehrter Israeliten, die gleichsam unmittelbar alls dem Cheder aufs Katheder kamen, die die Lehrstühle der Wissenschaft mit Glanz und Würde einnahmen. Aus der Fülle dieser jüdischen Talelite entstand dann die Angst jener Einfältigen, es könnten so viele hervorragende Israeliten in allen Fächern der Gelehrsamkeit sich zeigen, daß . .für andere Landesgenossen kein Platz mehr, sein würde. Wir .tonnten-. und können uns die Mißgunst der Beschränkten gefallen lassen, da wir des Beifalls der -Einsichtigen' gewiß sind. Denn der Fall kann nicht eintreten, daß ein Land oder eine Gemeinschaft Ueberfluß an gescheidten Menschen hat, deren giebt es nie zu viel. Wird der Nachwuchs den Posten behaupten? Es zeigt sich zuweilen auch in der Jugend, welche sich den Studien zuwendet, ein allzu starker. Hang, von dem Baum der Erkenutniß Früchte zu schütteln^ welche den Gaumen erquicken, welche Nahrung spenden. Die Väter, darbten, und waren Idealisten, die Kinder leben behaglich und. sind furchtbar, prosaisch geworden lind lugen nach einem Amte oder, auch nur nach einem Aemtchen mit ihrem ganzen Auge und ihrer, ganzen Seele. - . Und nun gar auf dem Gebiet des Erwerbs. Aus den Trödlern, aus den.Krämern aus denHausirern silld Kaufherren gewordeil, die Achtung und Vertrauen genießen. Denken wir nicht zu hoch, aber denken wir auch llicht zu gering von den Gütern der Erde. Die Ehre der jüdischen Gemeinschaft wird dadurch berührt, wird dadurch geschädigt, wenn wir uns im geschäftlichen Verkehr aus der Stellung herausdrängen lassen, . welche wir durch zähe Ausdauer, dulch Nüchternheit, durch Sparsamkeit,, durch tueue und eifrige Arbeit errungen haben. - Die Söhne stehen auf bem Boden, den die Väter hergerichtet haben, aber man.-kann trotz alles Erbensverderben, wenn sich das Erwerben ilicht hin zugesellt. Gott spricht zu Isaak: Ich werde es dir Wohlergehen lassen, weil Abraham, dein.Vater, ein braver Mann gewesen ist. . So geht es in Israel heute Vielen.gut, weil die Väter brave Leute gewesen sind.- . Aber trotz der frohen Verkündigung konnte es für .Isaak geradekein erhebendes Gefühl .. ' " ' ‘^ sein, 'als. Gott ihm meldete; daß er das Glück jutr seinem Vater verdanke; und so.ist es nicht behaglich, einfach nur der Sohnffeines. .Vaters zu feinend sich gemächlich auf dem ^Platze zu lagerm den die Vorfahren erobert haben.? ^Es ist^ für das werdende Geschlecht keine ^geringe Ailfgdbe; 'dem '/.gewordenen an Tüchtigkell zu gleichen. Aus der Enge der Armuth und der. Unwissenheit haben sie sich zu der Freiheit des Wohlstandes, uub des Wissens herausgearbeitet; sie gleichen dem Genesenden, der dk Gesundheit um so heißer liebt, weil er unterder Krankheit gelitten hat, oder, um aus der Schrift das Gleichniß zu. schöpfen, sie gleichen dem Abraham, der aus eigener Kraft emporgestiegen ist. Nie hat cs ein Vater als eine Erniedrigung empfunden, wenn der Sohn tüchtiger wurde als der Erzeuger; möge das Heranwachsende Geschlecht es-.als seine hohe Aufgabe betrachten, die Eltern zu besiegen durch erhöhten Eifer, daß es nicht wie Isaak nur Segen erfahre um -des Vaters willen., sondern daß ihm aus der eigenen Kraft ein Baumdes Lebens sprieße. - ■ ■' . 1 ■ Die Wochen Berlin, 2-1.' November. ie Qualifikation der jüdischen Soldaten ist in der abgelaufenen Woche anläßlich der Vereidigung der Rekruten in Berlin Gegenstand lebhafter Diskussion gewesen, die sich dabei freilich nur auf die Reportermeldung über eine Kmserrede, welche gar nicht in authentischem Wortlaut vorliegt, stützte. Wir dürfen die Aeußerungen der politischen Blätter aller Richtungen als bekannt voraussetzen. Unserer Meinung nach war die Rede eine Mahnung an die Soldaten, ihrer Religion treu zu'bleiben, da nur ein. wahrhaft gläubiger Mensch ein guter Soldat sein könne. Sie richtete sich an die christlichen Soldaten, da die jüdischen, etwa neunzig an der Zahl, inzwischen bereits in der Synagoge vereidigt und., zur Treue für .Kaiser und Reich ermahnt worden waren.. . Daß die Antisemiten aller Schattirungen auch diesen Anlaß nicht vorübergehen ließen, ohne die Juden anzugreifen, ist selbstverständlich. Dagegen bemerkt des „Berliner Tageblatt" mit Recht:. „Gegen eine solche Darstellung spricht alle Erfahrung. Die Juden wurden erstürm Jahre 1812 in Preußen militärpflichtig. Gleichwohl traten in den Jahren 1813—1813 bereits 300 Juden, wie amtlich festgestellt ist, als Freiwillige in das Heer ein, und Fürst Hardenberg schrieb 1815, daß die jüdischen Einwohner überhaupt in Aufopferung jeder Art sich den Christen anschlosscn. Eine Denkschrift des preußischen Kriegsministeriums, die 1847 dem vereinigten Landtage vorgelegt wurde, kommt zu dem Resultat, „daß die jüdischen Soldaten im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt" und im Frieden den übrigen Truppen nicht nacügestanden haben. Und daß die-Soldaten jüdischer Konfession in den neueren Kriegen, besonders aber im französischen Kriege 1870/71, ihre Schuldigkeit genau so gethan haben, wie ein braaer Christ sie nur thun kann, das hat Kaiser Wilhelm I. dadurch anerkannt, daß er zahlreiche jüdische Angehörige des Heeres dekorirt hat. Insbesondere hat ein großer Prozentsatz der jüdischen Soldaten (im Ganzen 327 Mann) das eiserne Kreuz erhalten Undwer .die Verhältnisse in der Armee kennt, der weiß, daß viele Juden sich vor ihren Kameraden direkt heroorthun, keinesfalls aber an Eifer und Geschicklichkeit sich vondenselben übertreffen lassen. * . Der häusliche Krieg zwischen Konservativen und Antis.em'iten nimmt immer weitere Dimensionen au. Die Konservativen gehen gegen die Antisemiten sehr scharf vor. Selbst „einen, leibhaften Indens würden diese , eher wählen, sagte jungst