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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-22 · Heft 43 (22.10.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 43 (22.10.1897)
Date
1897-10-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 61. Jahrgang. Ar. 43. Kerlin, 22. Oktober 1887 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: 'Durch Buchhandel. Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M> Redacteur: Gustav Karpeles. Begründet von Nabbiner Dr. Ludwig Philippson-Kon«. Verlags-Grpedition: Gerling Zerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für 'Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums"- Berlin 8tv., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. 3lti)ftlt« Leitartikel: An die Rabbiner und Gemeindevorsteher. — Die Woche. — Zum 106jährigen Todestag des Elia Wilna. Von Albert Katz. — Ein Angriff auf den Antisemitismus mit alten und neuen Waffen. Von R. Landsberg (Schluß). — Ein Schätz von hebräischen Handschriften. Von S: Sch echter. — Berthold Auerbach und. Bogumil Dawison. — Feuilletonr Nathanaja. Novelle von Carl Weil. j(Schluß). — Kitterarische Mittheilungen. — Sprechsaal. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Potsdam, Pasewalk, Natibor, Bielefeld, Mannheim, Wien, London, Odessa. — Bon Rah und Fern. An die Rabbiner und Gemeindevorsteher. Berlin, 20. Oktober. f ie Feste des Herbstes sind vorüber, und der Alltag tritt wieder in seine Rechte. Noch lebt in Atter Herzen die Erinnerung an die Gebete und Lehren, die das Judenthum in diesen Tagen seinen Bekennern auf: den Lebensweg gegeben. Nun gilt es, dafür zu sorgen, daß der glimmende Docht nicht verlösche, daß die Anregungen'und Eindrücke, die unsere Männer und Frauen, unsere Jünglinge und Jungfrauen im Gotteshanse an den hohen Festen erhalten haben, im Leben fortwirken und dort ihre Früchte tragen. Es gilt, dafür zu sorgen, daß das Jnteresie an der Religion des Judenthums, an seiner Geschichte und Litteratur immer stärker werde, sich immer, weitere Kreise erobere. Es gilt, dafür Sorge zu tragen, daß in , unserer Jugend, dieser Erbin unserer Kämpfe, unserer Hoffnungen und Träume, das Interesse für das Judenthum und seine Wissenschaft geweckt und, wo es bereits geweckt, festgehalten werde. Denn diese Jugend, der Grundpfeiler unserer Zukunft, steht zum Theil dem Judenthum fremd, zum Theil sogar grollend gegenüber. Sie empfindet die Unbill, welche wir als Märtyrer der Gewissens- und sozialen Freiheit erdulden müssen, doppelt schmerzlich. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, daß sie sich an unserer ruhmreichen Vergangenheit, an unserem weltbedeutenden Schriftthum und an den Männern unseres Standes, die durch wissenschaftliche Leistungen, durch Charakterstärke und Kulturarbeit hervorragten, immer von Neueu?aufrichte. Diesem Zweck dienen die Litteraturvereines In mehr als achtzig Gemeinden werden bereits seit niedreren Jahren in jedem Winter öffentliche Vorträge über jüdische Geschichte und Litteratur gehalten. Der Erfolg ist ein großer, der alle Erwartungen übertraf, und die Saat, die hier ausgestreut worden, sängt bereits an, aufzugehen. Aber noch ist ein großes Stück Arbeit zu thun, noch haben viele Gemeinden keinen derartigen Verein aufzuweisen. Oft sind es Schwierigkeiten lokaler Natur, oft aber auch die Scheu, etwas Neues zu schaffen, die das Haupthinderniß bilden. Meistens fehlt es jedoch nur an Energie und Opferfreudigkeit. Aber die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur sind nothwendige und segenbringende Faktoren im jüdischen Leben geworden, Nichts darf uns davon ab-, schrecken: weder die. etwaigen Angriffe von außen, noch die Schwerfälligkeit und Abderiten-Politik, die in manchen alten Gemeinden vorherrscht. Das Bestehen eines Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur ist ein Zeugniß für den Geist der Achtung, welcher in einer Gemeinde für .unsere Religion und für unsere glorreiche Geschichte lebt. Am häufigsten wurde uns bei der Gründung neuer Vereine das Bedenken entgegengestellt: „Hier ist kein Boden für derartige Dinge." Nun hat aber die Erfahrung merkwürdigerweise bewiesen, daß gerade an solchen Orten die Litteraturvereine am besten sich entwickelt haben! (fe ist eben und muß eben überall der Böden da sein, auf dem'die Liebe zu unserem heiligen ' Glauben, zu unserer großen Geschichte ausgesät werden kann, um zur segenbringeuden Ernte heranzureifeu. Die Litteraturvereine erwecken diese Liebe, sie stärken das. Selbstbewnßtsein, sie geben uns die Waffe' in die Hand zum Kampfegsgeninnere und äußere Feinde. Sie vernichten den Jndifferentismus,' sie verhindern den Abfall, sie sind die wichtigsten und besten Mittel, um das, was in der Religionsschule gelehrt, was in der Synagoge gepredigt wird, im Leben fortzubildeu, zu kräftigen, zu erhalten. Und darum wenden wir.uns an Euch, Ihr Führer unserer: Gemeinden, in ernster Stunde, an Euch, Ihr Männer der entschlossenen That, die Ihr das Herz auf dem rechten Fleck habet, mit der dringenden Bitte : Begründet in Euren Gemeinden Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur! Gerade jetzt, wo der Winter herannaht, ist hierfür die geeignetste Zeit. O möge sie nirgends versäumt werden! Möge 'überall die. Saat des Guten und. Edlen ausgestreut werden, die in diesen Vereinigungen zur herrlichsten Ernte heranreift. An Euch ist es, Ihr Rabbiner und Lehrer, Ihr Vorsteher und Führer der Gemeinden, das Werk zu unternehmen, denn Euch ruft das Schriftwort zu: Jom mischpotechu le-Jakob we-toratchu le-Jisroel. „Sie sollen Jacob, deine Aussprüche lehren und deine Lehre. Israel!" Vertrauensvoll: wenden wir uns an Euch, die Ihr stets , voran-' schreitet, wenn es' W' um die Ehre. Israels, um die Erhaltung seiner Lehre handelt. Euer kräftiges Wort, Euer gutes Beispiel, Eure entscheidende Fürsprache wird überall den Boden schaffen, auf dem ein solcher Verein gedeihen kann, zur Kräftigung unseres Stammes, zur Hebung unseres Selbstbewußtseins, zur Ehre unseres Glaubens und unseres Gottes. Reicher Segen wird Eurer. Mühe Preis sein, und an Euch, an Euren Gemeinden und an Eurer Jugend: wird sich des Propheten. Wort in herrlichster Weise erfüllen: i„Denn siehe, wie ich Wasser ausgieße auf trockenem Boden, und Ströme rieseln lasse auf dürrem Erdreich, so gieße ich meinen Geist aus über, deine Nachkommen und meinen Segen über deine Sprößlinge, spricht der Herr Zebaoth." _ v..?

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