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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-01 · Heft 40 (1.10.1897) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 40 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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iüü ‘ . “ j --fr-4 Sprachenverordnungen aufzuheben aus dem sehr merkwürdigen Grundes „wEdiese theilweise auch schon Die -Wirkunggeäußert haben, die Auftt nlMMmkeit des christlichen Volkes von dem schädlichen Treiben jüdisches ElMente^übzulenken</. Und die Schönerer-Partei blieb der'Besprechung der deüMvöh mischen Abgeordneten bezüglich der Delegationswahl fern,- -wE^Att7.-.auch/.:de^'.so-ialdemokratische.Mg«ördnete-Dr: Verkauf eiM geladeW.wurde, und die Schönerer-Gruppe „an Besprechungen nicht theil-, nehmen könne, zu denen auch Juden eingeladen werden". Man sieht; also, daß unsere Juden gut daran thun würden, auch an der politischen. Arbeit der Obstruktion sich nicht allzu scharf zu betheiligen — Eine? interessante Statistik ist jüngst hier ausgegeben worden über bie> Hauptstadt 'selbst. Danach giebt es — zum nicht geringen Aerger unserer Gegner.— hier 42 jüdische Andachtsstätten. Im Berichtsjahre» sind 76 Personen in Wien zum Judenthum übergetreten, 410 dagegen^ aus demselben geschieden. Von diesen sind aber 288 konfessionslos* geblieben. — Der deutsche Kaiser hat aus Anlaß seiner Anwesenheit^ in Budapest dem Fabrikanten Leipziger, dem Konsulatsdolmetsch' Rafael Neumann den Rothen Adlerorden IV.. Klasse und denn Sekretär Dr. Weiß den Kronenorden IV. Klasse verliehen. — Dr. Max; Bondy aus Jglc^u ist zum ersten Assistenten der Augenklinik an der Wiener Universität ernannt worden — In Hunnsdorf in Mähren ' verschied am 3. September Herr Abraham Moses Grün im hohen Alter von 86 Jahren. Das Leichenbegängniß des Verblichenen, der sich - durch großen - Wohlthätigkeitssinn, biederen Charakter und wahre - Frömmigkeit der größten Hochschätzung erfreute, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerfeier; an der Bahre sprach der Sohn des.Dahingeschiedenen, Dr. N. Grün, Rabbiner in Prag. — Am 9. d. Mts. verschied hier nach langem schweren Leiden der Chef eines der größten ungarischen Großhandlungshäuser, Herr Hermann Eisenstädter von r Buzias. Der Verblichene, in weiten Kreisen ob seiner Tüchtigkeit und Wohlthätigkeit bekannt, stand im höchsten Ansehen bei Allen, die Ge- » legenheit hatten, ihm nahe zu stehen. Am 12. d. Mts. fand auf dem Centralfriedhofe das Leichenbegängniß statt. I Rußland. I. L. Kiew, im September. Der folgende Vorfall trug sich in , einem Dorfe unweit Radomisel, Proszewo genannt, zu. Der Guts-. Herr dieses Dorfes hatte stets Zwistigkeiten mit den dortigen Bauern, dieselben nahmen ganze Stücken Land und Wiesen mit Gewalt ab, weideteml ihre Heerden auf den Wiesen des Gutsherrn und drohten demselben mit . dem Leben, wenn er der Sache sich entgegenstellen wollte. Der Gutsherr lud deshalb einen Feldmesser ein. der eine Separation vornehmen solltM Der Feldmesser, jüdischer Konfession, erschien und begann seine Arbeit nach dem Kaufskontrakte zu verrichten. An einem Montag Morgen fing, das Schaffen des Feldmessers an; die Bauern kamen aber gerannt und richteten den armen Mann derart zu, daß sein Leben leider bedroht ist. Der Gutsbesitzer, ergrimmt über das Geschehene, ging nach Kiew und theilte dem Gouverneur diese Historie mit; der Gouverneur beorderte soforteine Abtheilung (100) Kosaken und 212 Soldaten zum Abmarsch nach dem Dorfe. Die Soldaten kamen Dienstag früh in dem Dorfe an und der Gouverneur selbst einige Stunden später. Die Bauern kamen insgesammt auf Befehl des Gouverneurs vor denselben, und sie mußten eine Schrift unterzeichnen, daß sie mit dem Feldmessen nun zufrieden seien und keine Unruhe mehr Vorkommen wird. Solltenaber dennoch Unruhen Vorkommen, so verpflichten sie sich, pro Kopf 300 Rubel Strafe zu zahlen bei Verpfändung ihrer Güter. Nach5em alles geordnet war, ließ der Gouverneur diejenigen Bauern vorfordern, die den jüdischen Feldmesser so arg zugerichtet hatten, und zwar mit folgender Bemerkung :„Wer einen Juden schlägtbekommt so wie so keine Strafe, nur möchte ich wissen, wer es gethan hat!" Sieben Bauern traten hervor und betheuerten, den Feldmesser geschlagen zu haben. Der Gouverneur befahl/ diese ^Siebew mit 16 Ruthenhieben pro. Kopf zu bestrafen, untn diese Strafe wurde ohne Verzug ausgesührt. Mon Nah und Fern. 7. Sonntag, 3. Oktober, 12 Uhr Mittags, findet die Einweihung des.Neubaues der-Baruch Auerbäch'schen Erziehungs-Anstalten, Schönhauser Allee 162, statt. — Zu Handelsrichtern sind ernannt: der Kaufmann Siegmund Borchardt, der Fabrikbesitzer Salomon Mo sse bei dem Landgericht I ln Berlin,^wiederernannt: der Fabrikbesitzer Julius Kaufmanns der Kaufmann Hermcknn Landsber ger, der Kaufmann Emil Lcrtz, der Kaufmann Hermann Lehmann, der Fabrikbesitzer Julius Reichenheim, der Kaufmann' Hermann Sternberg, der Geheime Kommerzienrath Ludwig Go ld berge r und der Kaufmann Heinrich Maas, sämmtlich in Berlin, bei > dem Landgericht I in Berlin. Zu stellvertretenden Handelsrichtern sind * ernannt: der Bankier Oskar Nelke und der' Juwelier Heinrich Strauß bei. dem Landgericht I in Berlin, wiederernannt: der FabrikbesitzexHugo Bend ix, der Kaufmann Julius Grünwald und der Kommerzienraih Hugo Lissauer, sämmtlich in Berlin, bei dem Landgericht I in Berlin. '— In Nr, 71 der „Pharmazeutischen Zeitung", welche inApothekerkreisen am weitesten verbreitet ist, finden sich unter 268 Gehilfengesuchen 44, bei denen christliche Konfession vorgeschrieben wird, drei, welche Angabe der Konfession bezw. Religion verlangen, und vier, welche evangelische Gehilfen wünschen, Dasselbe Berhältniß ist bei den 80 Lehrtingsgesüchen; hier sollen zwölf christlich, zwei evangelisch, zwei katholisch sein, also ebenfalls 20 pCt.— Der Kantor Benno Hey mann in Schöneck (W.-Pr.) ist in gleicher Eigenschaft nach Cottbus berufen worden. — Die Kosten des Baues und der inneren Einrichtung der neuen Synagoge in Magdeburg sind auf 114 540 M. veranschlagt und werden zum größten Theil durch Aufnahme eines Darlehns aufgebracht. Der Magistrat hat zur inneren Ausschmückung 3000 Mark Zuschuß bewilligt. — Eine Notiz in der vorletzten Nummer berichtigend, erwähnen wirdaß der in Köln neugewählte Rabbiner Dr. L. Rosenthal nicht Rabbiner der isr. Religionsgesellschaft, sondern der Klausstiftung in Mannheim war. Eine Israel. Religionsgesellschast, dH. eine Separatgemeinde, wie in Karlsruhe, Mainz re., giebt es in Mannheim nicht. — Das baierische Kultus-- Ministerium hat jetzt nach abgeschlossener Disziplinaruntersuchung dem Professor Rosenthal in Erlangen „sein Bedauern und Mißfallen" über den-Vergleich aussprechen lassen, den er inseinem physiologischen Kolleg gezogen hatte. — In Proßnitz ist Rabbiner Dr. L. Goldschmied aus Mißlitz zum Rabbiner gewählt worden. — Am 22. d. M. fand die feierliche Installation des neugewählten Oberrabbiners von Essegg und Umgebung, Dr. Armand Kaminka, in der dortigen Synagoge statt. — Graf Herschel de Minerbi, gegenwärtig Kanzler der Gesandtschaft in London, soll, zum bevollmächtigten Gesandten Italiens in Mexiko ernannt werden. S. Segre ist italienischer Gesandter in Peru und M. P olacco.Kanzler der italienischen Botschaft in Paris.-7-Der Direktor der Strafkolonien, Danel, hat sich von Cayenne plötzlich zu Dreyfus begeben. Die Blatter in Cayenne verzeichnen allerhand Gerüchte darüber, was die unerwartet gekommene, ziemlich beschwerliche Reise veranlaßt habe. Nach den einen sei Dreyfus gestorben, nach den anderen sei ein Fluchtversuch geplant, wieder nach anderen habe Dreyfus den Besuch des Direktors erbeten, weil er ihm Beweise für seine Unschuld zu übergeben habe. - Unter Führung des Herausgebers von „L'Antijuif", Max Regis, fand am 26. d. in Algier eine antisemitische Straßenkundgebung statt, an der mehrere Tausend Personen theilnahmen. Schutzleute und Truppen schritten gegen die Ruhestörer ein, zahlreiche Verhaftungen würden vorgenommen. Max Regis wurde in Haft behalten und wird strafrechtlich verfolgt. — Das Strafgericht en Mostaganem verurtheilte 60 Araber, die bei den jüngsten algerischen Angriffen auf die Juden jüdische Läden geplündert hatten, zu je vier Monaten Gefängniß; weitere 30 Häftlinge kommen nächste Woche vor den Strafrichter. — Der König der Belgier hat dem Generalkonsul Franz Philippson in Brüssel den Leopoldsorden verliehen. Bei dieser Gelegenheit veranstaltete die Börsenkommission im großen Börsensaale für Herrn Philippson eine offizielle Feierlichkeit und überreichte ihm die Insignien des Ordens in Brillanten — eine bei derartigen Vorkommnissen ganz außergewöhnlicheGhrung. — Die spanisch» portugiesische Gemeinde in London hat dem Jews College aus dem Fonds des Judith Montefiore College in Ramsgate die Summe von tausend Pfund (12 000 Gulden) bewilligt und sich ^dürch?das Recht erworben, in den Vorstand des Jews College zehn Mitglieder zu entsenden. Als solche wurden gewählt: Sir Joseph Sebay Montefiore, Mr. Abraham Mocatta, Sir Edward. Sassoon, 7'Manuel Castello, F. B. Halford, I. D, Israel, Joshua M. Levy, Arthur Lindo- Eüstace A. Lindo und E. L. Mocatta. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. - Verantwortlich für die Redaktion: Mai Bauchwitz in Berlin.

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