Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1897)
- Date
- 1897-09-17
- Page
- Seite 446 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Name des Delikts. 1893 1894-1895 18a. Begünstigung . . . ...... . . . .8 2 12 18b. Einfache Hehlerei . . . . .. . . . . . . 77 62 \ 69; 18c. Gewerbs- und gewohnheitsmäßige Hehlerei. .12 8 11 18d. Hehlerei in wiederholtem Rückfalle . . . . . 1 1 t 19a. Betrug . . ... . . ... . 430 509 445-; 19b. Betrug in wiederholtem Rückfalle . . ... 29 32, 36 19c. Untreue und Pflichtwidrigkeit des Vorstandes re. einer Aktiengesellschaft re.. Vergehen gegen das Bankgesetz ... . . . . . . . . . . 22 26 35 19ä. Verfälschung von Nahrungs-und Genußmitteln, Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz betr. den Verkehr mit Ersatzmitteln für Butter . .... 33 45 29 2Oa. Fälschung öffentlicher oder zum Beweise von Rechten dienender Urkunden ....... 103 99 98' 20b. Unterdrückung rc. von Urkunden ..... 1 4 2 20c. Andere Fälle der Urkundenfälschung .... — — — 21a. Betrügerischer Bankerutt ........ 20 13 16 21b. Einfacher Bankerutt. 103 94 134 21c. Andere Verbrechen und Vergehen in Bezug auf 1 ein Konkursverfahren .. . 6 7 9 22a. Glücksspiele und Lotterien........ 26 44 51 22b. Beseitigung von Vermögensstücken bei drohender Zwangsvollstreckung .. 3 6 2 22c. Verletzung fremden Gebrauchs- oder Zurückbehaltungsrechtes . 25 26 14 22d. Jagd- und Fischereivergehen. . 1 1 2 22c. Vergehen gegen §§ 107, 108 des Unfallversicherungsgesetzes und §§ 152, 153 des Gesetzes betr. die Alters- und Jnvaliditätsversicherung . 7 5 11 22k. Wucher .. 6 5 10 22g. Andere Fälle strafbaren Eigennutzes .... 2 2 35 22h. Vergehen in Bezug auf das geistige Eigenthum .14 31 17 23. Sachbeschädigung . .......... 47 54 55 24a. Brandstiftung ............ 1 — 2 24b. Fahrlässige Inbrandsetzung ....... 6 5 12 24c. Vorsätzl. Gefährdung eines Eisenbahntransports — — — 24ä. Fahrläss. Gefährdung eines Eisenbahntransports — — 1 24e. Wissentliche Verletzung von Absperrungsmaßregeln bei Viehseuchen sowie der Vorschriften über Beseitigung von Ansteckungsstoffen bei Viehbeförderung auf Eisenbahnen ..... 36 49 51 24k. Andere gemeingefährll Verbrechen und Vergehen 12 3 3 24g. Herstellung und Feilhalten gesundheitsschädlicher Nahrungs-, Genußmittel und Gebrauchsgegenst. 19 20 10 24h. Gefährdung durch Anwendung von Sprengstoffen und Vorbereitungshandlungen dazu .... 11 13 12 25a. Bestechung (aktive) . . . . .. 1 — — 25b. Bestechung (passive) . . ..— — — 25c. Unterschlagung im Amte. 1 11 25d. Andere Verbrechen und Vergehen im Amte . . 11 1 Juden 4260 4587 4767 im Ganzen 420712 435810 444806 Auf den ersten Blick ist das Resultat der Kriminalstatistik kein besonders günstiges, insofern die Zahl der Delikte gegen die beiden. Vorjahre sich, wenn auch unerheblich, vermehrt hat. Indes; liegt dies wohl in dem Umstande, daß verschiedene Aenderungen der betr. Gesetzgebung eingetreten, die erfahrungsgemäß in der ersten Zeit mehr Üebertr.etungen nach sich ziehen als sonst. Hauptsächlich sind es drei Arten von Delikten, an denen. Juden betheiligt sind: Vergehen gegen die Gewerbeordnung, auf die sich eben jene Bemerkung vor Allem bezieht, sodann Beleidigung, wobei der Periode des Antisemitismus > sicher ein hervorragender Antheil zufällt, und Betrug, wobei wieder die Erwerbsverhältniffe und die Umstände mit im Spiel sind, die die Juden, aus das kaufmännische Gebiet zusammengedrängt habem Bei schweren Verbrechen, wie Mord, Todtschlag, Unzucht, Blutschande, Raub,- Brandstiftung u. s. w., sind die Juden so gut wie gar nicht betheiligt. Auch beim Hoch- und Landesverrats) nicht, bei Bestechung, Meineid und Vergehen gegen die'Sittlichkeit so'gut wie gar. nicht. Ja, die Ziffern dieser Delikte bieten sogareine drastische Illustration zu den bezüglichen -Verleumdungen der Antisemiten. . Auffallend groß ist ^dieöZahl^der wegen^Körperverletzung Verurtheilten; sie ist im letzten Berichtsjahre auf 307 gestiegen. - Das ist bedenklich, und ebenso bedenklich ist die Zahl der wegen Diebstahl Verurteilten, wenn sie auch kleiner ist als in den beiden Vorjahren. Prüft man die Gesammtzahlen, die wir zur Vergleichung am Schluffe angeführt haben, so ergiebt sich daraus von selbst das klare Resultat, daß die Delikte bei den Bekennern der anderen Religionen genau in demselben Prozentsätze sich in diesen drei Jahren gesteigert und daß die Juden ebenfalls nach dem auf sie entfallenden Prozentsätze der Bevölkerungsziffer an denselben betheiligt sind. Gleichwohl soll uns diese Thatsache nicht daran hindern, zur Erkenntniß der Schäden zu gelangen, die in unserer Gemeinschaft vorhanden sind, und auf diesen Gebieten nach Maßgabe unserer Kräfte gemeinsam auf eine Besserung'und Aenderung hinzuwirken. Berlin, 14. September, in Jegliches hat hier auf Erden seine Zeit, auch der. Antisemitismus in Berlin. In diesen Tagen hat eine Ver, sammlung stattgefunden, über die das frühere Leibblatt des Herrn Ahlwardt ausführlich Bericht erstattet. Redner des Abends war einer der Redakteure jenes Blattes, Herr Wilberg. Anwesend waren auch Führer verschiedener Gruppen der Partei. Herr Wilberg führte aus: Daß die einst so blühende antisemitische Bewegung sich augenblicklich im Stillstände befinde, werde wohl Niemand bestreiten; dieser Stillstand aber sei darauf zurückzuführen, daß in der Berliner Bewegung einzelne Sonderströmungen vorhanden seien, die der Eitelkeit einzelner Personen ihren Ursprung verdanken. Jeder glaube, das richtige Heilmittel in der Hand zu haben. Jeder quacksalbere herum in Vereinen und Vereinchen, und wenn man aus all diesen Versuchen das Fazit ziehe, so sei es gleich null. Der Redner zog hierauf gegen die „kleinen Geister" zu Felde, die nur die eigene Person verherrlichen wollen. In der Debatte wandte sich ein Herr Krauts besonders gegen Professor Förster, der die Flinte ins Korn geworfen und als Schulmeister politische Kinder vor sich zu haben glaube, denen er befehlen dürfe. Ein Herr Fischwasser vom „Germanischen Volksbund" warf der Parteileitung vor, daß sie kein festes Ziel habe, wogegen ein Herr Richter vor dem politischen Keffeltreiben des „Germanischen Volksbundes" warnte. Herr von Mosch erblickte die Schuld an dern Stillstand der Bewegung in der falschen Organisation,, während Herr Kretzer lebhaft gegen Herrn von Mosch, dessen Blatt und seinen Mitarbeiter Förster vom Leder zog. Herr von Mosch erwiederle, daß Professor Dr. Förster jetzt genau so wie er (von Mosch) von dem strammantisemitischen „Germanischen Volksbunde" angestellt sei und pro Monat 100 Mark Gehalt für seine Agitation bekomme, da er mit seinem Profefforengehalte seine Familie nicht ernähren könne. Es fehlte nicht an höhnischem Lachen und Pfuirufen der einen Gruppe gegen die andere, aber zum Schluß auch nicht an den Hochrufen auf die Einigkeit der Antisemiten. Da die Antisemiten selbst den Stillstand ihrer Bewegung zugeben, so wird man überzeugt sein dürfen, daß hier, wenn irgendwo, Stillstand Rückschritt bedeutet. *