Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1897)
- Date
- 1897-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Itr.35. ’ ' aifÄMH'äM« '''■ Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. MM Diese Zeitung ,erscheint wöch e it t 1.1 ch. Abönnemetrts - Preis: Durch- Bnchha.ndel, Post oder direkt von der Expedition iuBerlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Redacteur: Gustav Karpeles. ''Begründet von Nalibiner D-- Ludwig Phitippson-Konn. Verlags-Vrpc-ition: Kerlin, Leril!a!emerßr. 48/49. Alle. Zusendungen fitr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlas von Rudolf Mosse, Berlin. ' Zvhalt. Leitartikelr Die Speisegesetze. - Die Woche., - Protokoll der 33. Versammlung des VÄeins jüdischer Lehrer ,in der Provinz Hannover. — Eine pädagogische Bemerkung. Von Dr. FeillchLAfeld. — Zur Geschichte des Delatorenwesens uyd der KriminaljuftiL..üMrAden Juden im Mittelalter. II. Von Prof. Dr. D. Kaufmann. —"Miefe von Berthold Auerbach an Max..Ring. II. Von Dr. Adolph Kohut. -H Feuilleton: Weder Glück noch Stern. Von O. Bach. . Der Gemeiudebote. Korrespoudenzen und Nachrichten: Berlin, Steglitz, Czarnikau, Breslau/. Nordh'MsenMessau, Osnabrück, Aus dein Rheinland, Goch, Wien, Paris, PeterspüM Jerüfalem, Kapstadt, New-Uork,' New- Yerseh. — Bon Nah und Kern. . v_"9_ ■ Aie Speisrgrsrtze. Berlin, 24. August. ist stets schwierig, ein Uebel zu bekämpfen und zu beseitigeil, . JOfc) wenn es da ist und Macht gewonnen hat; weit leichter.ist die Arbeit, ihm vorzubeugen, ihm den Eintritt zu wehren, zu verhindern, daß es. über unsere Schwelle schreite. Diese Erfahrung gilt auf den mannigfachsten Gebieten. Denken wir nur an wirthschaftlichen Nöthstand. Ist Jemand in so tiefen Verfalls geraden, daß er von der öffentlichen Mildthätigkeit lebt, so ist es schwer, ihm aufzuhelfen. Das Vertrauen zu seiner Kraft ist geschwunden, er wird sich kaum noch aus dem Sumpfe, in den er gestürzt ist, emporarbeiten. Dagegen ist die Hilfe, die wir dem im Kampfe noch nicht Unterlegenen gewähren, meist von großem Nutzen; eine vorübergehende , Stockung hätte ihm den Untergang bereitet ohne diesen Beistand. Almosen können bei der großen Menge von Hilflosen, von Elenden leider nicht entbehrt werden; aber für das Wohl der Gesammtheit wirksamer ist der Schutz, der durch Kredit, durch Rath, durch Aufträge den wirtschaftlich Schwachen geboten wird, daß sie nicht niedersinken, und.wenn der Begüterte hierin lässig ist und seine Pflicht versäumt, so kann er den Schaden durch Almosen, die er den Bettlern spendet, nicht gut machen. Die soziale Noth kann uns einmal über den Kopf wachsen und Unheil bringen über Arm und- Reich, denn es geschieht nicht genug, um ihr vorzubeugen. Wer die Schrift liest, findet für derartige verhütende, oder wie der fremde Ausdruck lautet, prophylaktische Maßregeln eine Fülle von Anregung. . Und noch nach einer, anderen Richtung, zeigt sich die Schrift gewaltig als eine Verhütecin voy .Schäden, die, wenn sie erst.einmal, da sind, nicht so leicht Zeitigt werden können. Die^ Kunst der' Aerzte wurde vordem mit nicht geringem MißtrauerxAbeträchtet; die ungebildete Menge hielt 'ffe für-chöse.Zauberer, und die Leute gingen nicht' selten lieber zu Munde, cil^Läß sie zu ihnMihre Zuflucht genommen hätten; aber .auch werden Arzt -Uf./Ind.ihm.» Macht einräumte, hatte Bedenken;50b die Kunst ihm ^nijtzen werde.--. Diese Bedenken waren und.-sittd nicht ohne Grund,- denn es ist* schwer, die Krankheit, die im Körper nistet, heräuszutreiben. Wenn der'Kranke jung und widerstandsfähig ist,- so mag' di^s öfters gelingen. Wenn aber der Leib siech geworden ist und die Krankheit kommt, so wird ihr der Wehrlose eine leichte Beute. Oft wird eine ganze Stadt, ein Land, ein Erdtheil von einer Seuche ergriffen, und es ist' schwer, ihr Einhalt zu thum So . hat denn die ärztliche. Kunst es in unseren Tagen als eine wesentliche Aufgabe erkantit, eine Gesundheitslehre-allszubilden, durch eine vernünftige Ordnung die Krankheitserreger zu bannen oder die Zustände zu beseitigen, die der Krankheit einen ^günstigen Boden bereiten. Reinlichkeit, Mäßigkeit sind einestarke'Schutzwehr sowohl für den Einzelnen wie für die Gesammtheit, und manche Satzung, die -wir in den fünf Büchern Mosis lesen, hat ihren tiefsten Grund in diesem Streben, den Einbruch von Seuchen zu verhüten. ^K^-Wenn mit Recht die ärztliche Wissenschaft der Gegenwart auf Mw Erfolge, die.Menschen gesund zu erhalten, weit eher stolz ist als auf die anderen, die erschütterte Gesundheit wieder herzustellen, so kommt das Judenthum mit dem Anspruch, daß -nirgendswo eine so ausgebildete Gesundheitslehre zu lesen ist als in der-heiligen Schrift. „Ihr sollt euer Leben behüten," dieser Spruch erklärt eine Menge von Gesetzen, die uns Mose gegeben hat, und sie haben einen nicht geringen Antheil daran, daß unsere Gemeinschaft unter den schlimmsten Bedingungen ihr Dasein gefristet hat. Natürlich ist dem Mose nicht erspart geblieben, was so mancher weise Gesetzgeber erfahren hat, daß seine Ordnungen falsch gedeutet, überspannt ausgeführt, oft ohne jeden bösen Willen, ins Gegentheil gekehrt worden sind. Einige kluge Leute glaubten das Verdienst des Mose herabzusetzen, wenn sie darauf hinwiesen, daß Mose ein gelehriger . Schüler der Aegypter gewesen ist. Was hat das zu sagen? Sollen 'wir von unseren Feinden nichts lernen? Mose nahm das Gute, wo er es fand, und wand es zu einem Kranze, der das Haupt Israels schmückt und schützt. Es gab in Aegypten Thörichtes genug; inan betete Ochsen, Hunde, Krokodile, Spitzmäuse, Böcke an, und ein weiser Israelit, der anderthalb Jahrtausende nach Mose in ' Alexandrien gelebt und dort gelehrte Werke in griechischer Sprache ^geschrieben hat, sagt von den Fremden, die nach Aegypten kamen, zuerst wüßten sie sich vor Gelächter über die göttlichen Bestien gar nicht zu fassen. später aber würden diese Spötter auch von dem ■. allgemeinen Aberglauben bewältigt und trieben den Unsinn mit.- Nur Mose wußte zu unterscheiden, er lernte von Aegyptens Priestern/ ' "aber,er unterwarf sich ihnen nicht.- Die Schrift enthält eine Menge von Speisegesetzen, .und am K Schluß - dieser nüchternen Bestimmungen über He ThMe/ deren ^Fleisch wir effen dürfen und deren Genuß uns verbote.N'D, lesen wir das feierliche Wort : „Ich bin der Ewige; euer Gott , so heiligt *1 ......