Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1897)
- Date
- 1897-08-13
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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St. Paulus gebetet und gestritten, der, indem er das Evangelium predigte, es . mit, lauter Stimme aussprach, daß er in Fesseln läge des Heiles Israels wegendaß er nichts gethan hätte gegen die Gebräuchx seiner Väter, und daß, wenn er sich an Cäsar gewandt hatte, es niöH in dem Sinne geschah, seine Nation anzuklagen. (Buch? der Apostel-- Kap. XXVIIL; Vers 17 u. 19;) An Ihrer Seite, Herr, Großrabbine^. , haben wir an einem erhabenen Gottesdienst uns betheiligt, an den^ Christen theilnehmen konnten, ohne auch nur im Geringsten in ihren heiligen Gefühlen verletzt zu werden. Am letzten Tage des Osterfestes war es, als wir durch einen gewaltigen Chor Jehovah -für die seinW Volke wiedergegebene-Freiheit haben rühmen und den Untergang dest alten Pharao und seiner Nacheiferer, der Antisemiten aller Zeiten, Habers preisen hören; Israel ist immer das Volk Gottes. Für Diejenigen,', welche unsere heilige Schrift, das Juden und Christen gemeinsame Alte Testament, sowie das neue mit Aufmerksamkeit lesen, giebt es nichts Räthselhafteres als das Schicksal dieses Volkes. Heute sowohl wie in-\ den Tagen des großen Apostels, den zu citiren Sie mir nochmals gestatten müssen, ist es das auserwählte Volk,, dem die Offenbarungen' Gottes anvertraut wurden, es ist der fruchtbare Oelbaum. auf welchen, wir Kinder civilistrter oder wilder Heiden gesetzt sind, um den Safv zu. schöpfen und die Früchte davon zu tragen. (Epistel an die Römer- Kapitel IV u. VI.) Deshalb kann ein Christ, der seine Religion kennt,? niemäls Antisemit sein (verzeihen Sie mir diesen Barbarismus und den Widerspruch), sofern er nicht durch Fanatismus oder noch verwerflichere Leidenschaften geblendet ist. In Rom, wo ich soeben die Oslerfeiertage verlebt, wie auch in Jerusalem, wo ich sie voriges Jahr verbrachte, bleibe ich der treueste Anhänger der Wiederversöhnung dew Söhne und Väter, der Christen und Juden. Hyacinthe Loyson." а. Paris, 9. August. Es ist längst bekannt, daß man in neuester. Zeit in Paris sich der Konkurrenz durch ausländische Aerzte zu er-' wehren sucht. Es sollen nun in Zukunft den fremden Studirendenr wohl alle Provinz-Universitäten, jedoch nicht mehr die Pariser?. Fakultät, zur Verfügung stehen, deren Glanz allein es war, der die . Massen heranzog.. Man motivirte diese reaktionäre Maßregel mit der H^krsÜllung der Fakultät, die im vergangenen Jahre 8000 Hörer gezählt habe. Doch ist der wahre Grund die Scheu vor der späteren' Ausübung der ärztlichen Praxis durch ausländische Aerzte, und auch ein güt Stück Antisemitismus ist mit dabei. Schon in der. vergangenen Woche haben das Pariser medizinische Professoren-Kollegium, der Stadtrath und die Presse lebhaft gegen diese Neuerung protestirt, von der dieselben eine empfindliche Schädigung des Ansehens der. Universität^ und selbst. Frankreichs befürchtenabgesehen von Repressalien, welche dieses Borgehen zur Folge haben müßte. Am schlimmsten ist diese Maßregel für die zahlreichen jüdischen Studirenden aus Rußland und Polen wieaus den Balkanländern, die sich mit Vorliebe und aus nahe liegenden Gründen zur Vollendung ihrer Studien bisher nach Paris - gewandt haben. Amerika. б. Newyork, 22. Juli. Vor Kurzem feierte Dr. Gustav Gottheil, Rabbiner am Tempel Emanuel in New-Aork, seinen 70. Geburtstag. Dr. Gottheit ist 1827 zu Pinne geboren, war früher Prediger an der Berliner Reformgemeinde und später in Manchester, von wo er 1873 nach. New-Aork berufen wurde. Anläßlich seines Geburtstages wurde Dr. Gottheil von den weitesten Kreisen, darunter auch von vielen christlichen Geistlichen, beglückwünscht. Von Nah und Fern. — Das Polizeipräsidium macht bekannt, daß der Kaiser einer größeren Anzahl neuer Straßen und Plätze Berlins Namen verliehen^ hat. Wir finden darunter auch eine.Straßmann-Straße (Str. 43 der Abth. XIII 2 des Bebauungsplans) zur Erinnerung an den ehemaligen StMverordnetenvorsteher von Berlin. — In der Beleidigungsklage, die der Redakteur Kar l Sed latze k gegen den Oberhofmeister Freiherrn v. Mirbach angestrengt hat, warwie kürzlich berichtet, zum 11. d. Mts. Termin anberanmt worden. Dieser Termin; ist wieder vertagt worden, da der Bertheidiger des Beklagten, Rechts-- anwalt:Dr; Sello, sich aufReisenbefindet. — Dr..Hann es- Prediger in Spandau, ist zum Rabbiner in -Konst a nz gewähltv worden.?^ Die „Hannov. Post" ist wegen Beleidigung des jüdischen Kaufmanns H. Wallheimer in Old enbuxg zu.einer Geldstrafe von 100 Mark verurtheM worden. — Die.vor ^.einigen Machen verstorbene Frau. Konsul Br o n s.in Em d en, eine Nichtjüdinhat unter ihren letztwilligen Ber- . fügungen auch zwei Wohlthatigkeits - Anstalten -der hiesigen jüdischen ' Gemeinde .bedacht..- In' hochherziger Weise bestimmte sie für das * israelitische. Asyl und für den' Waisenverein? je ein Legat von 500 Mark. — Die Meldung, wonach das gegen Professor.Rosenthal - in Erlangen eingeleitete. Disziplinarverfahren eingestellt worden seiist unzutreffend. Gegen Prof. Rosenthal ist.-ein Disziplinarverfahren niemals anhängig gewesen; das eingeleitete gerichtliche Verfahren wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft selbst eingestellt. Als ,,judenreine" Sommerfrischen werden in dem antisemitischen Münchener „D. Volksblatt" bezeichnet: Ettlingerweier. und -Bruchhausen. .Bad- Schwarzwald, Metlisalp- Berner Oberlands St. Johann .bei Heiden in Appenzell, Gaisenstein, Inner Bartholomä undMandaus. in Montavon (Vorarlberg). — In Mann heim, wurde dieser Tage ein gewisser S. Kr ieg wegen versuchter Bestechung eines Militärarztes zu einer Gefängnißstrafe verurtheilt. Flugs machten die antisemitischen.Blätter aus dem Manne einen Juden und behaupteten keck, er heiße mit dem Vornamen Moses. Wie jetzt authentisch gemeldet wird, heißt' derselbe nicht Moses, sondern Simon Krieg und ist ein „stadtbekannter wilder Antisemit". — Bei dem XI. Verbandsfest.des Deutschen Schwimm - Verbandes -siegten die Wiener Schwimmer Otto Wahle und Simon Orlik, die alle Hauptkonkurrenzen im großen Stile gewannen. — Der Redakteur des antisemitischen „Floridsdorfer Wochenblatt", Volkmar,, wurde am 1. d. Mts. wegen Veruntreuung von 135 fl. zum Nachtheile des von ihm redigirten Blattes verhaftet und dem Kreisgerichte Korneuburg eingeliefert. — Der pensionirte Oberstaatsanwalt Alexander Kozma, durch dessen energische Initiative seinerzeit der berüchtigte Tisza - Eszlaer Prozeß durchgeführt wurde, ist, 72 Jahre alt, gestorben. Der Verblichene -war einer der bedeutendsten Juristen Ungarns. — Dr. Simon Aschkenasy aus Warschau hat sich an der Universität zu Lemberg als Privatdozent für allgemeine Geschichte habilitirt. — -Der. persische Konsul in Warschau, Staatsrath Josef Landau, hat den Titel Kollegienrath erhalten. •— Dem polnischen Heine-Uebersetzer und Geschichtsforscher, Rechtsanwalt Alexander Kraushaar in Warschau ist vom neuen Beherrscher von Schaumburg-Lippe das Ehrenkreuz für wissenschaftliche Verdienste verliehen worden. Kraushaar hat in einer Reihe von Quellenstudien zur Lippeschen Geschichte, insbesondere in dem Werke über „Siegmund v. Unruh" das ausschließliche Erbrecht des Grafen-Ernst von Lippe- Biesterfeld verfochten. — Die Aschkenasim - Gemeinde in Bukarest hat durch den jüngst erfolgten Tod ihres langjährigen Vorstehers David' Gabriel einen unersetzlichen Verlust erlitten. — Prof. Dr. Joseph an der Universität Brüssel ist zum Leiter der Abtheilung für; Archäologie und Kunstgeschichte im belgischen Unterrichtsministerium. ernannt worden. — Der Kronprinz und die Kronprinzessin von - Italien besuchten jüngst, die spanisch.portugiesische Synagoge in ' Amsterdam. Die königlichen Hoheiten interessirten sich .sehr, für ein i altes Sepher Thora, das von Spanien ,von einem der ältesten Mitglieder der Gemeinde gebracht wurde, wie für. die kostbaren antiken j Schätze der Synagoge. — Zu. Rittern der Ehrenlegion find ernannt j wordenDer Staatsanwaltssubstitut M. Seligmann und.der-Lehrer l an der höheren Normalschule Gustave Bloch. — Den Rossi-Preis der ' Faonltö äe vroit in Paris von 2000 Fres. hat der Licentiat M. A ftalion aus Rustschuk in Rumänien: erhalten; — DerKönig von Belgien hat dem Lord. Mayor von London- Sir Handel Philipps. das Kommandeurkreuz , des. Leopoldordens verliehen. — - In der Londoner < Wochenschrift ,-The JnqUirer". lesen. wir: Als die Methodisten von Colche st er, einer-Stadt im Staate New-Aork, hörten, daß die wenigen Juden in der Stadt Geld sammelten, um eine Synagoge zu bauen, ' boten sie ihnen die Benutzung ihrer Kirche am Sonnabend am 'Darum die Juden in dem Gebäude nicht gut Gottesdienst halten konntenweil ein Kreuz über dem Altar angebracht w.arsorgte man dafür, daß das Kreuz' jeden, Sonnahend entfernt und am Sonntag wieder angebracht?.wurde.< . * Druck und Verlag von Ru v o l f Ai o s s in Berlin.- : Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin ,