Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1897)
- Date
- 1897-08-06
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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Raab um Auskunft bezüglich ihres Kindes. -Die Oberinnen-, der -betreffenden Klöster erklärten aber,- von dem Verbleib des Mädchens keM- Kenntniß zu besitzen; aus Raab Dagegen kam die-Nachricht, daßndE Mädchen wirklich nach Oesterreich, in /ein Kloster gebrachte worden-- das näher zu - bezeichnen man fich>jedoch weigerte. - Unter, solchen .MA ständen sah sich die Mutter veranlaßt, von dem Verschwinden ihx^A Tochter die Anzeige bei der Budapester Oberstadthauptmannschaft "zu machen..- Die Polizei hat auch bereits-die entsprechenden NachfqrfchungM^ eingeleitet. Heute Mittag wurde von der Polizei folgende Kurrende ausgegeben: „Vermißt wird: Ilona Maria Schönhauser, 17 . Jahre alt'/ nach: Budapest zuständig, römisch-katholisch, angeblich Nonne,, spricht ungarisch und-deutsch,-ist von hoher Statur,, korpulent,, hat ein rundA Gesicht, gesunde Gesichtsfarbe, blonde Haare und blaue Augen.." , Eine. Photographie des Mädchens — das Bild - zeigt das Mädchen in de^ Kleidung der „Marien"?Schwesternerliegt bei der Polizeicentrale. Frankreich. A 8. Paris^ 2. August. Als ein Beispiel .dafür, wie. west ,die aM? semitische Verhetzung in Algier geht,' kann folgendes Histörchen dienerh das sich beinahe wie eine Satire ausnimmt, aber bittere Wahrheit ist. In Fontainebleau ist kürzlich ein jüdischer Lieutenant Dreyfus gestürzt und an den Folgen der Verletzung gestorben. In einer antisemitisches Zeitung in Oranwird nun dieser Unglücksfall mit großem Jubel H sichtet und Freudenrufe ausgestoßen, daß wieder ein Jude weniger in der französischen Armee sich befindet. Dem.Pferde votirt. die Redaktion den Dank des französischen Volkes, weil es einen Juden umgebrachA und erkundigt sich theilnahmsvoll nach seinem Verbleib.. Ein. Leser dieser Zeitung macht sogar den Vorschlag, schleunigst Recherchen.nach diesem Heldenthier anzustellen und einen Preisfür denjenigen auszusetzeüj der es findet, damit man dem Pferde Unannehmlichkeiten. ersparen un$ ahn/ eine Staatspension bewilligen könne. Leider verschweigt die Zeitung ob der Stammbaum des Pferdes genau untersucht worden ist; es. wäre., doch ein schrecklicher Gedanke, wenn dieses ruhmvolle Thier etwa einest Tropfen semitischen Blutes in.seinen Adern hätte. - ' // / Nußland. , -fj / h. Petersburg, 1. August. Als das südwestliche Eisenbahnnetz '.W Jahre. 1894 . vom Staate angekauft wurde,. entließ man alle auf dieser Linie seit 30 Jahren angestellten jüdischen Beamten, deren' Zahl 9800 betrug. Um den Dienst nicht zu schädigen, wurden die .-jüdischen Angestellten serienweise entlassen. Trotzdem gelang es einer- Anzahl von ihnen, sich zu behaupten, weil ihre Kenntnisse im Dienst' von unbestreitbarem Nutzen waren. So bestand denn am 1. Januar 189-7 die Zahl der jüdischen Angestellten aus 350 Köpfen. Drei Jahre hin-§ .durch-hatten diese.Angestellten nicht auf den offiziellen Listen figurirt^' .man schien -sie nur zu dulden, und ihre Gehälter wurden wesentlich ver-' mindert. Schließlich, da man nicht genügend tüchtige Vertreter fand, befahl der Minister für Wegebauten, daß sie offiziell wieder in ihre. Aemter eingesetzt würden und als permanente Angestellte in den Listen figuriren sollten mit denselben Rechten auf Ruhegehälter wie Christen. — Ueber den jüdischen Landbesitz im Gouvernement , Smolensk bringen die „Mosk. Wed." einen längeren Artikel. Im Kreise. .Krassny besitzen die Juden 725 Dessjatinen, im Kreise Duchowschtschina 2785 Dessjatinen, im Kreise Rosslawl 18 300 Dessjatinen, im Kreist Poretschje 63 000 Dessjatinen und im Kreise Belsk 78 000 Dessjatinen) Zum Schluß weist das Blatt darauf hin, daß die jüdische „JnvasioEausschließlich in den Kreisen mit weiß-russtscher Bevölkerung stattfindet^ - während die Kreise mit großrussischer Einwohnerschaft von. dieser., sozialen Metamorphose unberührt geblieben sind. - Amerika. H. Nelvyork, im Juli. Einen Sturm im Glase Wasser erregtes der Rabbiner der portugiesischen Gemeinde in Montreal, Kanada, Her? Meldola de Sola. Derselbe sprach bei der Einweihung der neuem. Synagoge der hiesigen Gemeinde Shearith Israel ein Gebet, welches so heftige Jnvektiven gegen die Reformgemeinden enthielt, daß 'vfM ' der geladenen Repräsentanten der Reformg'emeinden die Synagoge sofort/ verließen. — Die Einnahmen des New-Aoxker Wohlthätigk^its-'. Verstandes während des Monats April betrugen 14 274 ^Dollars, Auslagen 12 736 Dollars. " ..; / Von Nah und Fern. - 7---Die „ Antisem itrsche Korrespondenz" von Liebermann v.Sonnenberg - ist ohne). Angabe, von Gründen von der ruschen Cenfurbehärde.. für den ganzen Umfang der. russischen Monarchie^per« boten/worden. — Der. „Kirchl. Anz." bestätigt,, daß,, riachdem -das Konsistorium zum zweiten. Male die Wahl des antisemitischen .Pastors^ I skr aut. zum, Pfarrer, der Sophienkirche nicht bestätigt hat, aus der Gemeinde eine Eingabe an den König zu Gunsten Jskrauts gemacht worden ist. — Der Kreis-Wundarzt a. D. Sanitäts- Rath Dr. Semon zu Danzig hat den - Königlichen Kronen-Orden dritter Klasse erhalten. — Dem Dozenten - der Elektrotechnik Dr. Epstein in Frankfurt a. M. wurde das Prädikat. Professor verliehen. — Dr. Salomon Posner, der seinerzeit, provisorisch das Rabbiriat von Danzig verwaltete, ist. an Stelle des nach Gießen berufenen Herrn Dr. Sander zum. zweiten Rabbiner in Karls ruhe ernannt worden. — Frau Baronin H irfch in Paris hat zum Fonds des israelitischen Krankenhauses in Memel 40 000 Mark gespendet. — Professor Moriz Benedikt in Wien wurde zum korrespondirenden Mitglieds der medizinischen. Akademie in Paris-.ernannt.,'-- .In Paris wurde. Paul. St-rauß, der. bisherige Stadtrath, zum Senator der Seine in heißem Wahlkampf gewählt. - Da Strauß ,Jude ist, wurde die Verkündigung. des Wahlergebnisses von. seinen Gegnern natürlich mit dem Schrei : „Nieder, mit den Juden!" beantwortet. Straußder jetzt nahe an 45 Jahre zählt, ist von Beruf .Tagesschriftsteller. Seit längerer Zeit, gehörte er dem Pariser Stadtrath an. Die ganze Presse, selbst die gegnerische,, rühmt seine Arbeitskraftseinen Pflichteifer und die großen Perdienste, die er sich um die Verbesserung des Pariser. Armenunterstützungs-, Krankenhaus- und ..Kinderpflegewesens erworben hat, -7- Ko(onieminister Lebon hat eine neue Verordnung. erlassen,, welche. die Teufelsinsel, den Verbannungsort des Hauptmanns Dreyfus, - unter noch strengere Bewachung stellt, als. bisher. — Bernar.h Läza're., Redakteur des französischen Theils der.Monatsschrift. »Zions, ist.Ms die -Freie Hochschule in Brüssel als Professor ffir jüdisches Geschichte berufen worden. — In der Ausstellung zu BrIssok erM?Mr.^S-Io'.- mon I. Solomon die große goldene Medaille in, der Abthssilüng Malerei. Mr. Solomon ist der bekannte englische Maler und Mitglied der englischen Akademie. — Der Board of Guardians in London befindet sich in einer finanziell außerordentlich schlechten Situation. Nachdemverschiedene Versuche, das englisch-jüdische, Publikum zu interessireu, gescheitert find, erläßt der Oberrabbiner Dr. Adler einen neuen Aufruf zu Gunsten) des Board und hat sich selbst an die Spitze -der Liste mit einer Zeichnung gestellt, — Der bekannte Bankier Staatsrath L.Poljakoff in St. Petersburg ist in den russischen Adelsstand erhoben worden. — Wie aus Washington depeschirt wird, hat der Senat die Ernennung des neuen Generalkonsuls für Berlin,) Julius Goldschmidt, bestätigt. Derselbe reistdemnächst nach - Berlin ab. — Der bekannte Sieger in den olympischen Spielen, D? -Paul Neumann, hat seit seiner Promotion wieder den Schwimmsport ausgenommen und sich am 6. v. M., wie aus Midago -berichtet, wird, unter dem Namen der größten Schwimmsportvereinigung.der West, der Chicago Athletic Association, der. er als honörary member angehört, zum Wettschwimmen um die Meisterschaft von Amerika über eine Meile und 1/2 Meile gemeldet. Die Meisterschaft, über eine Meile gewann er in 27 Minuten 35% Sekunden, alle früheren Rekords uin 20% Sekunden schlagend, und errang damit den Titel „Champion Conga - äistance swimmer ok Amerika" und den Viktoriabecher im WertHe von 1000,Dollars. — S. Weil!, Präsident der Wohlthätigkeitsgesellschaft - in Sa n. F r a n z i s k 0, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — In der Transvaal-Republik sind .die Juden keineswegs vollkommen gleichberechtigt. So.können sie u. a. weder in den Volksraad. gtzwäUt werden, noch eine amtliche, Stellung bekleiden. Am 30. v. M. fand eiye groß? jüdische Volksversammlung statt, welche Ach mtt,-ßiefeie.-Hlngelegenheit) bsschästigte und beschloßeine Kommission zu wählen, welche mit den obersten Regierungsbehörden in Verhandlungen eintreten soll. ■ -..Druck und-Verlag .vonMu.dp.l s,ZP o sse .in.-Berlin^ . . . . .. .-/' Verantwortlich für die Redaktion:. M ax Bauch Witz ,in Berlin. .