Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1897)
- Date
- 1897-07-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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regelmäßige monatliche Unterstützung, zweitens ca. 1200 Personen wurden durch größere einmalige/Stipendien unterstützt, endlich in ca. 20 OOO Fällen kleinere Beträge aus der Hand verabfolgt. Außerdem wurden 49 470 Anweisungen auf Brod, 13 957 aus Fleisch, endlich 62134 auf Kolomalwaaren vertheilt, wozu im Winter noch 3600 Anweisungen auf Heizmaterial kommen. 2797 Personen erhielten Miethsunterstützung, 2072 Familien nebst 424 Einzelpersonen bekamen zu Pessach Mazzes. Kleidungsstücke wurden an 225 Personen vertheilt, Medikamente an 2511. Mit besonderer Sorgfalt nimmt das Komitee sich der armen Kinder an, von denen in direkter Pflege 80 Waisen und 457 anvere Kinder stehen. Die Suppenküche vertheilte 625 OOO Portionen: Auch Arbeitsvermittelung wird neuerdings eingerichtet und 588 Personen auf ihren Wunsch in ihre Heimath zurückgeschickt. Die Einnahmen überstiegen um 768,11 Francs die Ausgaben. Ein ungeheures Werk , liegt dem Komitee ob, aber es herrscht nur eine Stimme über die außerordentlichen Leistungen desselben. . Amerika. C. H. New-York, Ende Juni. Eine neue jüdische Zeitung ist eine höchst alltägliche Sache in Amerika. An der in Chicago eben begonnenen „The Star of Israel" ist das Originelle, daß sie sich an die russisch-amerikanischen Juden wendet, unseres Wissens der erste derartige Versuch in englischer Sprache. — Ernst Friedaw, Pastor an der deutsch-lutherischen Kirche in Union Course auf Long Island, ist von seiner früheren Gemeinde verklagt worden, sich widerrechtlich die der Gemeinde gehörigen Einrichtungsstücke angeeignet und weggeführt zu f haben. Herr Friedow hat seinerzeit mit Ahlwardt jene bekanntes antisemitische Zeitung gegründet, die nach Ahlwardts Behauptung; 30.000 Leser gehabt haben soll. — Die zionistische Bewegung hat^ vorläufig einen unerwarteten Erfolg gehabt. Als Gegengewicht gegen | die Makkabäer wurde hier ein Klub der Judäer (Judaeans) gebildet, | an dessen Spitze Professor Henri Leipziger und Richard Gottheil stehen.'I Sein Ziel ist, neben den gesellschaftlichen Interessen anderer jüdischer k Klubs intellektuelle Zwecke zu verfolgen. — Am 27. Mai starb hierH Salomon Nunes Carvalho im 83. Lebensjahre. Er war als Sohsi? einer alttn portugiesischen Familie in Charleston, Süd-Karolina, ge-' boren und hat sich als Maler und Schriftsteller einen Namen gemacht. | Das jüdische Hospital in Philadelphia hat nach seinem soeben;J veröffentlichten Jahresberichte 648 Patienten im Hospital und .42 450i;| Patienten in der Klinik verpflegt. Die Auslagen betrugen 71 471 Doll<j Die dortige Waifenhilssgesellschast^ sorgte für 38 Kinder, welche.jra Privatpflege untergebracht sind, mit einem Aufwande von rund 12 0Q^| Dollars. — Der Orden „Freie Söhne Israels" hielt Mitte JunkI seinen Generalkonvent in Chicago und faßte neben anderen wichtigen h ' Beschlüssen auch den Beschluß, ein Komitee mit der Herstellung eines» | Entwurfes für ein Ordensabzeichen zu beauftragen. — Als charakteristisch^ will ich aus einer Predigt des Rabbiners in Baltimore Wm. Rosenau^ in welcher derselbe sich für die Beibehaltung des traditionellen Sabbaths^ ausspricht, folgende Worte citiren: „Ich hoffe, daß Niemand mich be- ’i schuldigen wird, »an die Schöpfungsgeschichte zu glauben, weil ich den I Sabbath vertheidige." — Im äußersten Norden New-Iorks entsteht J jetz? eine neue Synqgoge, gegründet von der Gemeinde „Hand in | Hand". — Abraham Kohn, ein Veteran aus dem Bürgerkriege, starb am 9. d. Mts. in New-Aork. Er. war ein geborener Schlesier, hatte, ß mit Auszeichnung durch den ganzen Bürgerkrieg gedient und den- Rang £ eines Kapitäns erlangt. Nach dem Kriege widmete er sich dem Ge- | schäfte und erfreute sich eines beträchtlichen Wohlstandes.' — Die Emanuel-Gemeinde in Chicago, welche ihren Gottesdienst in einerf für den Sabbath gemietheten Baptistenkirche hält, hielt den Schabuoth- I gottesdienst am Sonntag gemeinsam mit der Baptistengemeinde. S)ci§ | Pastor betheiligte sich an der Konfirmation der jüdischen Kinder..— Nachdem meine Meldung von dem jüdischen Polizeipräsidenten^ Moß in New-York aus diesem Blatte in den „Jewish Chronicle"^| übergegangen war, wird im „American Hebrew" in Abrede gestellt, daß? r Moß Jude ist. Meine Meldung beruhte auf der „New-Iorker Staats-'? Zeitung". — Eine M dis che Sommerschule, wich ihre Ferialkurse in dem Seebad Atlantic City vom 25. Juli bis 8. August abhalten. "Siei; steht unter der Leitung des Rabbiners Dr. Henry Berkowitz in Phila-- f delphia und heißt nach dem Muster, einer'ähnlichen Schule der Metho-»^ disten Jewish .Chautauqua. . , , . , . - .. . k 1» Von Kah und Fern. ----- Wie die „Hann. Post" mittheilt, ließ das Konsistorium der hiesigen Sophiengemeinde mittheilen, daß es den antisemitischen Pasto r Jskraut, dessen Wahl bekanntlich von seinen Anhängern zum zweiten Mal durchgedrückt worden ist, auf keinen Fall bestätigen werde. Die . Anhänger Jskrauts haben nun eine Immediateingabe um Bestätigung an den König, als den obersten Bischof, der evangelischen Landeskirche, gerichtet. — Die Ankündigung sogenannter „judenreiner" Badeorte, Hotels und Gastwirthschaften in den Warteräumen der Bahnhöfe, der Portierlogen u. s. w. ist auf eine Beschwerde des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bei der Eisenbahnverwaltung in verschiedenen Fällen untersagt worden. Es ist nur anzuerkennen, wie die „Zeit" des Pfarrers Naumann bemerkt, wenn die zuständigen Behörden einem derartigen Unfug steuern. — Der Professor der' Chemie Dr. Las sar-Cohn in Königsberg wird als Dozent an die Universität München übersiedeln und zugleich als Direktor der Volkshychschulkurse fungiren, die nach Art der englischen „University Extension“ ein festgefügtes Ganzes werden sollen.— Am 27. d. M. feiert das Marcus und Bertha Lichtenstein'sche Ehepaar in Bromberg die goldene Hochzeit. Das greise Paar hat sich bis ins hohe Alter um das tägliche Brod redlich bemüht und einen tadellosen Lebenswandel geführt, lebt aber in dürftigen Verhältnissen. Es wäre zu wünschen, daß edle Menschenfreunde den Tag nicht vorübergehen ließen, ohne dem würdigen Paare den Lebensabend verschönen zu helfen. — Bei der Universität Breslau habilitirte sich Dr. William Stern aus Berlin als Privatdozent für Philosophie. Sein Arbeitsfeld ist die experimentelle Psychologie. — In diesen Tagen wurde das Kinderheim in Elmen seiner Bestimmung übergeben.. Dem schlichten Akte wohnten bei: Sanitätsrath Dr. Ehrenhaus als Delegirter des „Vereins für häusliche Gesundheitspflege", die Herren Bischof und Sekretär Rennert als Deltlgirte der Großen Berliner Ferien-Kolonien und Herr Adolf Meyer als Vertreter für das „Komitee der Ferien-Kolonien für jüdische Kinder". Außerdem waren Herr Konsul Simon-Hannover und der bekannte Philanthrop Alphons Jacobson- Leipzig erschienen. — Der „Fr. Z." schreibt man aus Gießen: Mm 2. .Juli wurde Gerichtsassessor Hermann Mendelsohn zur Rechtsanwaltschaft beim Landgericht der Provinz Oberhessen zugelassen. „Alle Hessen sind vor dem Gesetze gleich." Wieder Einer, der, als er an der Reihe war, Amtsrichter zu werden, übergangen wurde, weil er Jude ist. Man rühmt dem noch jungen Manne nach, er sei ein äußerst gescheidter Jurist und eine außerordentliche ArbeitskraftN — In Gießen hat am 10. d. Mts. Herr Rabbiner Dr. Le vi nach ejner 68 jährigen Thätigkeit in voller geistiger und körperlicher Frische ' sein Amt als Rcibbiner niedergelegt und dasselbe seinem Nachfolger, Herrn Dr. Sander aus Karlsruhe, übergeben. Neben dem feierlichen Festgottesdienst, der anläßlich dieses einzig dastehenden Ereignisses in der Synagoge stattfand, war für den folgenden Tag ein großes Festessen angesetzt. Zu beiden Festlichkeiten waren die Vorstände der dem Rabbinat unterstellten Landgemeinden eingeladen. 7- Der vom 13. bis 15. d. Mts. in Stuttgart stattgehabten zweiten Dienstprüfung für württembergische Rabbinatskandidaten haben sich die Herren Dr. I. Berlinger, Vikar in Braunsbach, Dr. H. Krön er in Oberdorf, I. Straßburger in Göppingen mit Erfolg unterzogen. — Der in Dresden erscheinenden „Deutschen Wacht" ist das Postdebil für Oesterreich entzogen worden. — Die „Geraer Nachrichten", welche gerade ein halbes Jahr bestehen, stellten ihr Erscheinen ein. Die antisemitische Zeitung litt an Abonnentenmangel, trotzdem sie jeden ihrer Leser mit 1000 Mark gegen Unfall versicherte. — A.F.K.Hartogh wurde zum Deputirten für die zweite Kammer in Amsterdam und E. E. van Raalte in Rotterdam gewählt. —In Jerusalem ist von Jaffa aus der bekannte jüdische k Landschaftsmaler Jsidoro Donn angekommen, um sich mit seiner Familie im Dienste jüdischer Kunst etwa 3/4 Jahre aufzuhalten. Herr Dosin, der einer englisch-sephardischen Familie angehört, will sich ganz besonders den jüdischen Alterthümern und dem heutigen jüdischen Leben widmen — Dr. M. Margplis ist zum Lektor für Hebräisch an der Universität Cincinnati ernannt worden. An seine Stelle am Hebrew Union College ist Dr. Ph. Buttenwieser aus Leipzig gewählt worden. ^Druck und Verlag von Ruvols Mösse m Berlin. : j j. r V, VerarüwHWchMr die Redaktion: Max Bauchwitz,in Berlin.