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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-07-09 · Heft 28 (9.7.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 28 (9.7.1897)
Date
1897-07-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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61. Jahrgang. Ur. 28. Berlin. 9. Änli 1897. ,s r tz e- Gm unparteriMs Organ M alles Mische Interesse. .Begründet von Naübiner D* Ludwig PHUippson-Konn. . Verlags-Crpeditwn: Lerlm« Jerufalemerstr. 48/49 Alle Zuwendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung deS JudenthumS', Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Postoder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Nedactenr: Gustav Karpeles. hr, lN ch er w es er it n, in id rs or er bin ld, in ^er lm .dlgon in ige ich die en. en, lb- >en cen tft- :kä;im ird für ge- IntfaU« Leitartikel: DerAntisemitismus in Frankreich. — Die Woche. — Generalversammlung deZ Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg zu Frankfurt'a. 0.7—Zum 25 jährigen Jubiläum der Lehranstalt' für die Wissenschaft des Judenthums. Von Dr. S. Neumann. — Briefe aus England. Von Nev. Dr. Ehotzner. — Feuilleton: Flatterentchen. Von . Zangwill (Forts.) — Weder Glück noch Stern. Von O. Bach (Forts.).— literarische Mittheilungen. — Sprechsaal. ~ Der Gemeindebote^Morrespondenzen und Nachrichtend Berlin) Memel,.Löbau, Aus Ob'erqSW-esien, Posen, Aus der Provinz Posen, Weißensels, Sondershausen, Siegen t. W., Frankfurt a. M., Aus der Pfalz, Fritzlar, Wien, Budapest. — Von Nah und Fern. — Miscellen. Der Antisemitismus in Frankreich. Berlin, 6. Juli. (A^^och gar nicht so lange ist es her, daß die Behauptung, auch in Frankreich könne der Antisemitismus eilt Machtfaktor in \zs^> der Politik werden, ungläubigen Gesichtern begegnet wäre. Vielleicht Hätte man sogar für den Unglückspropheten ein verächtliches Lächeln gehabt ob seiner Beschränktheit, sich einzubilden, daß im Laude der Freiheit und der großen Revolution, daß im Lande von Cremieux und Gambettä jemals eine ernste Gefahr für die Gleichberechtigung der Juden entstehen könne. Es ist noch nicht lange her, und es-hat sich doch sehr vieles' gändert. Schon dämmert's in den Köpfen der französischen Juden; die wachsende Macht der Antisemiten, das Kokettiren der republikanischen Regierung mit dem Klerikälismus und seinem Anhängsel, dem Antisemitismus, zuletzt noch die Vorgänge in Algier haben den Einsichtigen doch eine Idee gegeben voll den Dingen, die sich vorbereiten. Freilich sind es noch immer nur Wenige, die sich der. ganzen Gefahr klar sind, und leider zu Wenige, denn sie sind noch nicht in der Lage gewesen, eine wirksame Gegenaktion in die Wege zu leiten. Die Masse der französischen Juden ist noch zu verblüfft, als daß sie die Dinge überhaupt begreifen könnte. In der That, es ist fast unerklärlich, wenn man in dem Antisemitismus nur den Nachfolger des alten Judenhaffes ans religiösen Gründen sieht, wie eine solche Bewegung in dem Frankreich entstehen konnte, das noch heute so energisch die Toleranz als eine der schönsten Errungenschaften der. großen Revolution ansieht. Der französische Jude ist doch so assimilirt, er hat so vollkommen alles Eigene aufgegeben, er kümmert sich doch kaum noch umdie eigene Religion, und er fällt gewiß nicht durch seine Beobachtung der jüdischen Gebräuche auf, und doch, alles dies Aufgehen in den französischen Sitten und alles Aufgehen in der französischen Denkweise hat ihm nicht geholfen. Wir sagten, es sei fast unerklärlich, wenn man den Antisemitismus als eine religiöse Erscheinung anfleht, und es ist dies auch, aber, das Auftreten des Antisemitismus ist eben in Frankreich wie in Deutschland und überall ein aus mannigfaltigen, sehr verschiedenen Beweggründen sich herleitendes. Wir wollen versuchen, das näher zu erklären, indem wir die verschiedenen Fraktionen der antisemitischen Gruppen betrachten und die Grunde darlegen, die ihren Judenhaß entstehen ließen. -v?In erster Linze ist natürlich auch Religionshaß mit im Spiele. In derjenigen Provinz, wo der Klerus noch allmächtig ist, in der finsteren Bretagne, wird auch der Jude ganz in der mittelalterlichen Weise gehaßt. Diese Provinz hat auch den traurigen Ruhm, beit erstell Abgeordneten in das Parlament gewählt' zu haben, der nur Antisemit ist. Es giebt freilich in der ganzen Provinz fast keine Inden, allein das ändert nichts an der Thatsache, man kann die Juden auch hassen, ohne sie zu kennen, dann vielleicht am besten. Aber überhaupt hat der Klerus in ganz Frankreich, der nach dem Willen des Papstes die Republik nicht angreifen darf, sich die Juden als Kampfobjekt erkoren. Sie sind ungefährliche Gegner, aber man kaün damit, daß man sie bekämpft, die Massen bei der Kreuzesfahne festhalten und ihrek Fanatismus wach halten, bis die Zeitverhältniffe gestatten, sie einmal wieder gegen den eigentlichen Feind, die Republik, zu, führen. Der Klerus ist in Frankreich zwar nicht so mächtig wie einst, aber er ist immer noch stark und immer noch ein nicht zu unterschätzender Gegner. Mit dem Klerus verbindet sich eine andere gefährliche Gruppe, die der fanatischen Nationalen, der Chauvinisten. Diesen erscheint der Jllde immer als der Fremde verdächtig, er weiß, daß viele deutsche Juden in Paris leben, er sieht in dem deutschen Juden den Spion lmd Feind seiner Nation, und er verallgemeinert dann seine Sorge, seinen Haß, feinen Kampf gegen die Juden überhaupt, Die französischen Juden sind so assimilirt, als sie dies nur sein können, sie haben von all dem, was man nationales etwa in den jüdischen Gebräuchen finden könnte, nichts mehr, aber so lange sie durch den Namen das Gedächtniß all die rassenfremde Abstammung bewahren, so lange gelten sie dem französischen Challvinisten nicht als voll, sie waren fremd, und sie bleiben fremden Blutes, so lange sie den Namen Juden tragen. Diese Gegnerschaft ist sehr gefährlich, die gefährlichste von allen, weil sie einfach nicht zu bekämpfen ist, weil sie alles, was sie für ihren Kampf braucht, schon im Namen Jude findet. Und der nationale Sinn ist doch gerade bei den Franzosen so scharf ausgebildet.. . : Seit einigen Jahren ist eine neue Spielart hinzugetreten, die sozialistischen Gegner des Antisemitismus. In Deutschland und in Oesterreich gelten die Sozialisten als Freunde der Inden. Aber in Frankreich sind selbst die Sozialisten erstens Chauvinisten und zweitens Opportunisten. Der nationale Gedanke hetzt sie gegen die 'Juden auf, nicht die Führer freilich, aber die Massen. Und die Führer lassen diesen Maffeninstinkten freie Bahn und thun es gern - Mk. WWDMMMMWMMMM

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