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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-06-18 · Heft 25 (18.6.1897) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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m WMW^UM^WMMWsMW WW^'NWW widersprechen und mit aller Entschiedenheit znrückgewiesen werden müssen, und sie würden es lebhaft bedauern, wenn ein solcher Kongreß mit solchen Tendenzen hier stattfände." Oesterreich-Ungarn. H Wien, 14. Juni. Die zahlreichen Beschwerden, daß jüdische Rechtspraktikanten bei der Ernennung zu Gerichtsauskultanten in den beiden galizischen Obergerichtssprengeln fast grundsätzlich übergangen werden, gaben den jüdischen Abgeordneten aus dem Polenklub — es sind dies die Abgg. Dr. Byk, Kolischer, Piepes, Rapoport, Rosenstock und Trachtenberg — in den jüngsten Tagen endlich doch auch Veranlassung, dieser Frage neuerdings näher zu treten. AufAntrag des Dr. By k wurde vorläufig ein Kollektivschritt beim Minister-Präsidenten und beim Justizminister beschlossen, und gestern begaben sich die genannten Abgeordneten in eorxore zu beiden Ministern, wo sie ihre Beschwerde vorbrachten und die besondere Bedeutung dieser Frage angesichts der bevorstehenden Gerichts-Organisation mit Nachdruck betonten. Die beiden Minister brachten dem Begehren wegen Abhilfe die wohlwollendsten Intentionen entgegen, und die Abgeordneten empfingen den Eindruck, daß ihre Beschwerde nicht erfolglos bleiben werde. Nous verrons. — Man kann dem Andenken einer edlen Wohlthäterin kaum ein würdigeres Denkmal errichten, als Baron Albert v. Rothschild seiner verstorbenen Gattin Bettina durch die Erbauung des „Bettina-Pavillon" geschaffen hat. Der „Bettina-Pavillon" wurde nach den Plänen des Statthalterei-Oberingenieurs Franz Berger auf dem Areal des Kaiserin Elisabeth-Spitals in Rudolfsheim, in der Goldschlagstraße, aufgeführt und ist zur Ausnahme schwerkranker Frauen bestimmt. Die Eröffnung fand in Gegenwart eines zahlreichen, aus Aerzten und Baufachmännern bestehenden Publikums statt. Baron Albert v. Rothschild hat für den Bau und die Einrichtung und Erhaltung dieses Pavillons eine halbe Million Gulden gespendet. — In Budapest hat der kürzlich verstorbene Kaufmann S. Taub von seinem etwa.1 600 000 fl. betragenden Vermögen 700000 st. für wohlthätige Zwecke ohne Unterschied der Konfession hinterlassen. — Ueber die antisemitischen Exzesse in Schodnica wird berichtet: Die in den dortigen Erdwachsgruben beschäftigten masurischen Arbeiter geriethen mit Juden in Streit, angeblich aus dem Grunde, weil einer der Juden gegen einen Arbeiter, der ihn, dem Przeglond zufolge, attackirte) Drohungen ausgestoßen hatte. Die Arbeiter überfielen sodann die jüdischen Häuser, Fensterscheiben wurden zerschmettert und Thüren erbrochen. Auf dem Wege in ihre Wohnungen wurden Juden mit Stöcke^ mißhandelt. Zwanzig Häuser wurden demolirt. Es wurde die Gendarmerie verstärkt und Militär requirirt. Zwischen der Gendarmerie und den Tumultuanten entstand ein Kampf, bei welchem einer der Arbeiter getödtet wurde; viele Personen sind verwundet. Siebzehn Exzedenten wurden in Haft genommen. Die Drohobyczer Bezirkshauptmannschaft -entsendete einen Kommissar nach Schodniea, welcher eine Untersuchung eingeleitet hat. — Der Gerichtsadjunkt Heinrich Sachs wurde zum Rathssekretär in Jiein ernannt. — Dem Regierungsrath Jacob Winterniß aus dem litterarischen Büreau des Auswärtigen Amtes in Wien wurde vom Kaiser von Oesterreich der Adel verliehen. Winternitz war lange Zeit hindurch Vorsitzender des Journalisten- und Schriftstellervereins „Concordia".; Amerika. Netvyork, im Mai. Die Zionisten unserer Stadt hielten eine Versammlung, bei welcher außer den drei orthodoxen Rabbinern, Kopfstein Klein und Drachmann, ein journalistischer und ein politischer Streber^ von denen der Erstere, wie man hier sagt, noch nicht „drinnen" und der Letztere schon „draußen" ist, das Wort führten. Es wurde beschlossen, die Generalversammlung in München zu beschicken. Herr Dr. Klein er-' klärte übrigens, daß er die zionistischen Anschauungen nicht theile und nur die Unterstützung jüdischer Kolonisten befürworte. — Die erste Stiftung, welche von dem zwei Millionen Dollars-Geschenke der Frau Baronin Hirsch hier errichtet wird, ist ein Heim für Arbeiterinnen. Dasselbe soll 100 Plätze fassen und mit einem Aufwands von 1000 Dollars monatlich geleitet werden. Der hiesige Vertreter der. Baronin ist der frühere amerikanische Gesandte am türkischen Hofe Oskar Strauß. . Von Nah und Fern. - — Dem Privatdozenten in der medizinischen Fakultät der Universität zu Berlin Dr. Gustav Behrend sowie dem Privatdozenten an der Technischen Hochschule zu Berlin Dr. Georg G a l l a n d ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden. — Der Kaiser von Oesterreich hat dem Geheimen Kommerzienrath Goldberger den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse und dem Kommerzienrath Jacob das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. — Dem Kaufmann Dr. jur. Georg Caro Hierselbst ist der Charakter als Kommerzienrath verliehen worden. — Am 18. hat Herr Ludwig Mecklenburg Namens der ehemaligen Zöglinge des Erziehungshauses in Pankow, die sich in 'New-Iork und Chicago aufhalten, einen Kranz auf das Grab des scl. Justizraths Makower gelegt. — Der Leiter eines Reitinstituts und Sportsman Dr. jur. Beermann hat gegen-die „Staatsbürger-Zeitung" Klage erhoben, weil sie seinem Namen die Bemerkung beifügte, daß dieser einer Familie angehöre, die zumeist aus Pferdejuden und Roßtäuschern bestehe. Der Redakteur Dr. Bachler wurde vom Schöffengericht zu 400 Mark Geldstrafe verurtheilt. — Rabbiner Dr. F. Lazarus in Köln ist zum Dirigenten des jüdischen Lehrerseminars in Kassel erwählt worden. — Die Burschenschaft Alemannia zu Bonn hat durch ihren Vertreter schon im Vorjahre entschieden gegen den Beschluß der Burschenschaften, der ihren Prinzipien direkt widerstrebe und über die Kompetenz der A. D. C. hinausgehe, sich ausgesprochen und energisch protestirt. Ebenso hält sie sich durchaus nicht an jenen Beschluß gebunden und wird bei Aufnahmegesuchen auch fernerhin auf Stand und Religion keinerlei Rücksicht nehmen, sondern alle ehrenhaften Studenten, die nach ihrer ganzen Art zu dem engen bundesbrüderlichen Verhältniß geeignet erscheinen, aufnehmen. — Dem Professor Dr. Cahn in Straßburg wurde vom Herzog Albrecht von Mecklenburg-Schwerin der Greifenorden 2. Klasse verliehen. — Der Zar hat anläßlich der Einweihung der russischen Kirche in Karlsbad dem Stadtrath Dr. Fleischner den Stanislausorden dritter Klasse verliehen. —' Sensation ruft ein aus Paris eingesandter offiziöser Artikel der „Jndspendence" hervor, worin die Unschuld des Kapitäns Dreysus nachgewiesen und die Revision des Prozesses gefordert wird. Man erblickt in diesem Artikel die Borbereitung der baldigen Wiederaufnahme des Hochverrathsprozesses. — Aus Kopenhagen wird gemeldet, die philosophische Fakultät der Universität habe mit allen Stimmen gegen diejenige des Prof. Johannes Sterstrup beschlossen, der Regierung anheim zu stellen, Dr. Georg Brandes als außerordentlichen Professor der Aesthetik anzustellen. — Der Chief-Rabbi von England ist offiziell vom Bischof von London eingeladen worden, als Vertreter der jüdischen Gemeinde dem Dankgottesdienst in der St. Pauls - Kathedrale am Jubiläumstage beizuwohnen. — Die Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden beklagt sich darüber, nicht genügende Fonds zur Verfügung zu haben. Dabei beträgt das Einkommen dieser Gesellschaft 750 000 M., während freilich ihre Ausgaben die Summe von 840 000 M. erreichten. Interessant ist auch die Mittheilung des Rev. C. F. W. Fl ad in der Generalversammlung dieser Gesellschaft, daß der König Menelik von Abessinien die Erlaubniß gegeben habe, das Christenthum unter den Fallaschas zu predigen. Man weiß, daß diese Mission schon Ströme Blutes unter den armen Fallaschas gekostet hat. — Die Kaiserin-Wittwe von Rußland hat an die Herren David und L. Poljackoff ein eigenhändiges Schreiben gerichtet, in welchem sie ihnen für ihre reichen Spenden zu Gunsten des kaiserlichen Waisenhauses ihren Dank ausspricht. — Der Inspektor der türkischen Flotte im Bosporus ist ein Jude, Colonel Menleche Bey Halimidi. — Die Juden in Thessalien haben an die Botschafterkonferenz eine Adresse gerichtet,^ in der sie ihre Genugthuung dafür aussprechen, daß die türkischen Behörden sie geschützt, und um Wiederherstellung der türkischen Herrschaft in der Provinz bitten. — Nahum hieß der tapfere Jude, der den Sieg der türkischen Armee in Larissa herbeigeführt und dabei sein Leben eingebüßt hat. Der Sultan hat seiner Familie eine lebenslängliche Rente ausgesetzt. — Die griechischen Zeitungen berichten von der Tapferkeit der jüdischen Soldaten im letzten Kriege, von denen viele getödtet und verwundet wurden. Besonders ausgezeichnet hat sich ein gewisser Belleli. Drück und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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