Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1897)
- Date
- 1897-06-11
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Verlauf vereiteln konnte. Nur die Organisationsfrage veranlaßte den Rabbiner Dr. Bajda, einen formellen Antrag zu stellen, daß sich die Versammlung für die einheitliche Organisation aussprechen möge. Nach einigen Bemerkungen des Abgeordneten Mezei und Dr. A. Neumanns wurde der Antrag in Bausch und Bogen verworfen. Selbst die Frage der öffentlichen Landesfonds wurde kaum gestreift, trotzdem die Errichtung einer 150 000 Kronen- Stiftung an der Ludovica-Akademie böses Blut machte. Nach Erledigung einiger lausenden Angelegenheiten wurde Rabbiner Dr. Vajda in die Volksbildungs - Kommission des Pester Komitates entsendet. - Anläßlich der Jubiläumsfeier des Mustergyrnnasiums werden für Professor Dr. Moriz Karman seltene Ovationen vorbereitet, an der sich die hervorragendsten Vertreter der hiesigen Gesellschaft betheiligen. Bei dieser Gelegenheit wird ihm ein prachtvolles Gedenkbuch überreicht, für das Minister Wlassies, Köröffy, Marczali, Dr. S. Stein, Bünoczy, Goldzieher u. A. in. werthvolle Beiträge lieferten. Das Magnatenhausmitglied Professor Dr. Paul Gyulai wird an den Jubilar die Begrüßungsansprache halten. — Die Munizipalität der H.auptstadt votirte für die Restaurirungsarbeiten der Altofner Synagoge 10 000 Kronen. — Professor Dr. I. Halasz wurde zum Dekan der philosophischen Fakultät der Klausenburger Universität gewählt. — Der Landesverein israelitischer Kultusbeamten stellte seine Thätigkeit ein, von dem Vereinsvermögen werden 4000 Kronen der Landesfonds - Kommission übergeben. — In das leitende Komitee des hiesigen Landes- Rabbinerseminars ernannte der Kultusminister Rabbiner Dr. R. Goldberg. Amerika. 6,8. New-York, im Mai. Das Waisenhaus in Chicago hat kürzlich seine Jahresversammlung gehalten. Es ist eine junge Anstalt, die einen Aufwand von 6000 Dollars hat und für 30 Pfleglinge sorgt. — Herr Adolph Nathan ist zum Präsidenten der Civic Federation in Chicago, einer Gesellschaft, welche die Bekämpfung der schamlosen Korruption in der städtischen Verwaltung sich zur Aufgabe stellt, erwählt worden. — Der jüdische Litteraturverein hat eine Sammlung von Erzählungen und ' Sagen aus dem Leben der russischen Juden unter dem Titel: In the Pale von Henry Jlowizi herausgegeben. — Herr Henry Rice, seit vielen Jahren Präsident der New-Zjorker Wohlthätigkeitsgesell - schast, hat seine Stelle niedergelegt und seinen Entschluß mit der traurigen Lage der Kassen motivirt, welche das Schließen der Gesellschaft als eine Nothwendigkeit erscheinen lasse. Von Nah und Fern. — Der Kaiser hat aus Anlaß der diesjährigen großen Berliner Kunstausstellung dem Maler Max Lieb ermann die große goldene Medaille für Kunst verliehen. — In der Zeit vom 1. April 1696 bis 31. März 1897 sind in Berlin aus dem Judenthum 60 Personen ausgetreten. — Dr. Morris, ein Zögling des Auerbachschen Waisenhauses, unternimmt demnächst in Begleitung von Alfred Maaß eine Forschungs^- reise nach den Mentawei-Jnseln südlich von Sumatra. — An Vermächtnissen und Schenkungen gingen im Monat Mai d. I. bei der Hauptstiftungs-Kasse des Berliner Magistrats 1200 Mark von den Hinterbliebenen der verstorbenen Frau Bertha Paderstein , ein, welche am 10. v. M., dem Geburtstage der Verstorbenen, von der Armen-Direktion vertheilt worden sind. Die Stiftungs-Deputation überwies der Kasse die Summe von 148 700 Mark, Legat des verstorbenen Kommerzienraths Moritz Gerson und seiner Ehefrau. — Oberrabbiner Dr. W. Feilchenfeld in Posen begeht am 15. Juni d. I. seinen 70. Geburtstag. — Rechtsanwalt Eduar d Wolfs in Lissa i. P., Vorsitzender der Stadtverordneten- und der. Repräsentanten-Versammlung, ist zum Notar ernannt.—In Pinne istDr. L. Lewin, bisher Stiftsrabbiner in Jnowrazlaw, zum Rabbiner gewählt worden. — Auf Wunsch des Grafen von Waldersee, Generaloberst der Kavallerie, übersandte der Prediger der deutsch-israelitischen Gemeinde in Hamburg, Herr Dr. D. Leim dürfe r, eine größere Anzahl von Exemplaren der unter dem Titel „National und Religiös" erschienenen Centenarrede zur Vertheilung an Soldaten israelitischer Konfession im IX. Armeekorps. Die zum Besten der Kaiser Wilhelm-Stiftung veröffentlichte Rede zeichnet sich durch Schwung und Vaterlandsliebe aus. — Der Journalist S. Frankfurter in Wesel hatte dem Könige von Italien zu Allerhöchstdessen Errettung aus Lebensgefahr (22. April d. I.) als Glückwunsch eine Dichtung gewidmet. Hierfür wurde der Verfasser seitens der königlichen italienischen Botschaft zu Berlin im Namen des Königs Humbert durch ein sehr huldvolles Dankschreiben beehrt. — Der Prinzregent hat dem Mitglied der freiwilligen Sanitätskolonne Martin Neuhäuser in München für die am 21. Jannar d. I. vollzogene Rettung eines Arbeiters vom Tode durch Verschüttung die Rettungsmedaille verliehen. — Wie der „Straßb. Post" mitgetheilt wird, ist dem israelitischen Krankenhause zu Straß bürg i. E. von der Wittwe des Barons Hirsch zu Paris ein Geschenk von 5000 Mark zugewiesen worden. — In Straßburg i. E. feierte am 4 d. M. Professor Dr Harry Breßlau an der Kaiser Wilhelms- Universität sein 25jähriges Dozentenjubiläum. — Eine Konferenz der drei israelitischen Konsistorien in Elsaß-Lothringen soll demnächst in Kolm ar stattfinden und über alle Angelegenheiten des Kultus berathen. — Am 7. d. M. geriethen in Schodniea (Galizien) Arbeiter mit Juden in Folge eines Wortwechsels ins Handgemenge, überfielen deren Häuser und zerstörten einige. Die Gendarmerie stellte die Ruhe nach vorausgegangenem Kampfe her. wobei ein Arbeiter getödtet wurde. Siebzehn Personen, die sich an den Ausschreitungen betheiligt hatten, wurden verhaftet. — Herr Dr. Kali scher, Rabbiner an der jüdischen Gemeinde zu Kopenhagen, hat nach vierjähriger Thätigkeit daselbst den Vorstand um seine Entlassung ersucht. Derselbe hat sich im Laufe seiner dortigen Wirksamkeit als Rabbiner und Prediger vorzüglich bewährt. Insbesondere ist hervorzuheben, daß er die sehr schwierige dänische Sprache in außerordentlich kurzer Zeit bis zu solchem Grade bewältigen gelernt hatte, um ausgezeichnete Predigten in derselben zu halten, und daß er als Mensch und Charakter sich ungetheilter Achtung und Anerkennung in der Gemeinde erfreut hat. — David Leon, Präsident der Tempelverwaltung in Paris, hat den türkischen Osmauie-Orden erhalten. — Der Oberrabiner von England, Dr. Adler, hat in voriger Woche in Birmingham gegen den Wucher gepredigt, er verlangte, daß alle Glaubensgenossen, welche sich mit dem Verleihen von Geldern zu Wucherzinsen befaßten, von dem Besuch der Synagogen durch Gemeindebeschluß ausgeschlossen werden sollen. — Lord Roseberry hat dem Baufonds der Synagoge in Edinburgh 50 Lstrl. übergeben. — Der Chovevei-Zion-Verein in London hat beschlossen, den ZionrÜen-Kongreß in München nicht zu beschicken. — Ney Elias, der englische General-Konsul in Meshed (Persien), ist gestorben. Derselbe war einer der kühnsten und bedeutendsten Forschungsreisenden in Asten. — Ein großes Feuer hat in Krakanowo in Rußland zwei Synagogen, das Bet-Hamidrasch und die Schule, sowie vierzig jüdische Häuser vernichtet. — Auch in Rad no, Gouvernement Mohilew, hat ein Feuer zwei jüdische Schulen und viele Häuser zerstört. — S. Weinstein in Winitza, Gouvernement Podolsk, hat zum Bau eines, Realgymnasiums daselbst 40 000 Rubel gespendet. Die Herren Godo, Moes und Buchhold in Bialystock haben zur Errichtung eines Mädchengymnasiums daselbst 10 000 Rubel gespendet und 20 000 Rubel sind aus der Koscher-Fleisch-Steuer für diesen Zweck bewilligt worden. Wie es heißt, soll übrigens der Senat die Aufhebung dieser lästigen Steuer beabsichtigen. — Frau Baronin Hirsch hat dem Frauenkomitee für die Verwundeten in K o n st a n t i n o p e l 10 000 Francs geschickt. An der Spitze des türkischen Sanitätsdienstes stand im Kriege Dr. Elias Cohen Pascha, der Leibarzt des Sultans, der den Rang eines Divisionsgenerals hat, während Dr. Jsak Molch o Pascha, Brigadegeneral, die oberste Leitung des Sanitätsdienstes in der Marine hat. — Der Großrabbiner Mosä Levy von Konstantinopel und der griechische Patriarch daselbst «haben jüngst mit einander Besuche ausgetauscht, um das gute Einvernehmen zwischen den jüdischen und christlichen Unterthanen des Sultans öffentlich zu demonstriren. — Die Centralkonferenz der amerikanischen Rabbiner findet am 6. Juli in Montreal statt. — Baronin Hirsch hat dem jüdischen Wittwen-und Waisenasyl in New-Orleans 2500 Dollars gespendet. — Leopold Strauß in Baltimore hat für eine jüdisch-theologische Bibliothek an der John Hopkins-Universität daselbst 600 Dollars gespendet. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.