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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-30 · Heft 18 (30.4.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 18 (30.4.1897)
Date
1897-04-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Kerlin, 30. April 1897. 61. Jahrgang. Ur. 18, Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig P hilippfon - Gönn. Verlags-.CrpeLitiorl: Gerlin, Jerufalemerftr. 48/49 Diese Zeitung crsclieint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Postoder direkt v on der Expedition in Berlin unter Streifbänd bezogen vierteljährl.3 M. Nedacteur: Gustav, K arpeles. Alle Zusendungen fllr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der .Allgem. Zeitung deS ZudenthumS^, Berlin 81V., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. ■’i. - . Iuhukl. LeitaOikel : Ein Jubiläum. — Die Woche. — Justizrattz Makower, ln/Memel.-, -'Bon.Dr. A. Rülf. — Brief aus Oesterreich. — Iudenthum und Sozialismus. Von Rechtsanwalt Emil Lehmann. — Ueber Rassenunterschiede.. ,IV. Von Dr. med. Leopold Treitel. — Feuilleton: Weder Glsick noch Stern. Novelle von O. Bach. — Andere Zeiten. Erzählung von Gotthard Deutsch (Forts:). — Sprechsaal. Der Gemeiisdebote. Korrespondenzen nnd Nachrichten: Berlin, Königsberg i. Pr., Thorn, Aus der Provinz Posen, Brestau, Leipzig, Wien. — Bon Nah nnd Fern. Gm Jubiläum. «V Berlin,.28. April. 8. Mai 1872 wurde in Berlin das Reichenheimsche W aisenhaals der Jüdischen Gemeinde eröffnet 0:'und-unter die -Leitung des Dr. Mori tz, Jutrosinski gestellt der-nunmehr ans eine fünfllndzwanzigjährigeThütigkeit im, Dienste s der Gemeinde zurückblicken, kann. Nur durch, eine 'schlichte häusliche-Erinnerüngsfeier will die Anstalt ihren 25. Geburtstag begehe!!. Aber da unsere 'Glaubensgenossen ein allezeit lebhaftes Interesse für ihre Wohlthätigkeitsallstalten haben, so dürften auch weiteren Kreisen, einige Mittheilungenüber das Reichenheimsche Waisenhaus bei diesem , Anlaß nicht unerwünscht sein?) Die Berliner Genieinde ist erst verhältnißmäßig spät in den Besitz eines eigenen Waisenhauses gelangt. Während kleinere Gemeinden, wie Posen und Königsberg, ihre Waisen schon in eigenen Anstalten erzogen, sträubte sich die Berliner Verwaltung lauge gegen die Errichtung eines Waisenhauses und verhielt sich ablehnend gegen alle dahin zielenden Anträge, welche seit dem Jahre 1855 wiederholt — auch in Form von Denkschriften — an den 'Vorstand gelangten. Indessenentbehrten die jüdischen Waisen Berlins natürlich nicht der Fürsorge und Unterstützung durch die Gemeindeverwaltung. Bis zum Jahre.1856 sorgte die Armenkommission für die Gemeindekinder, später die Waisenkommission, welche — ursprünglich als Snbkomitee der Armenkommission gebildet — ihre Funktionenallmälig selbständiger ausübte und seit dem Jahre 1870 auch formell unabhängig von der Armenkommission gestaltet wurde. Wenn somit die Waisenverwaltung auch praktisch organisirt war, so wurde doch gerade durch die Waisenkommission immer wieder der Gedanke - angeregt , die bis dahin zerstreut in Familien untergebrachten Waisen zu gemeinsamer Erziehung in einem eigenem Hause zu vereinigen. Man machte dem Vorstande' den Vorschlag, die ') Die geschichtlichen Notizen dieses Aufsatzes, der uns von einem . früheren Erzieher der trefflich wirkenden Anstalt zugeht, sind dem Schriftchen des Dr. Jutrosinski: „Die Waisenpflege in -er Berliner jüdischen Gemeinde" (Berlin 1887, Verlag der Stuhrsche« Buchhandlung) entnommen. Mittel zur - Errichtung eines Waisenhauses durch private Sammlungen aufznbringen. Auch das wurde als unangemessen vom Vorstande abgelehnt. Da faßte im Jahre 1869 das Ehepaar Moritz und. Sara Neichenheim den Entschluß, eine Viertelm illion Thaler zur . Gründung eines jüdischen Waisenhauses in Berlin zu spenden. Aus dieser Summe sollten die Kosten für den Bau und die Einrichtung bestritten und ein eiserner, Fonds zur Verwaltung des Waisenhauses gebildet werden. Die Anstalt sollte in den Besitz der. Gemeinde übergehen und von Gemeindebehörden — wie die anderen Institute — verwaltet werden. Für sich selbst beanspruchte der Stifter nur Zeinen entscheidenden Einfluß ans die Wahl des ersten Direktors iiub - für je ein Mitglied seiner Familie zu allen Zeiten einen Sitz im Kuratorium des Waisenhauses.. ' Dieses Anerbieten wurde von den Gemeindebehörden angenommen. Aber nicht ganz ohne Widerspruch. . Das -letzte Bedenken wurde erst zum Schweigen.gebracht, als. einer der Repräsentanten — Siegfried Beschütz — seinerseits den Stiftungsfonds/durch Spendnug einer nicht unbeträchtlichen Summe erhöhte. . Von welchen Absichten der Stifter des Waisenhauses geleitet wurde, das zeigte, er schon bei dem Bau des Hauses. Nicht für das Nothwendigste nur wollte er nothdürstig Sorge tragen. In Hellen „Und luftigen Räumen sollte der Kindheit eine freundliche Stätte bereitet werden. “ * Er erwarb einen Theil - des sogenannten Wollankschen Wein- - berges, nahe demRofenthäler Thor, wo damals Licht und Luft noch ,..nicht durch Miethshäuser gehemmt wurden. Mit der Leitung des Baues wurde der Tüchtigste betränt: der um die Architektur Berlins sehr perdiente Baurath Hitzig, -Melcher mit Moritz - Reichenheim befreundet war. Balderhob sich, auf dem etwas höher gelegenen Terrain weithin sichtbar, das, stattliche Haus. Es war den Zwecken, .^welchen es dienen sollte, durchaus angemessen, sowohl in der einfachen Schönheit seiner Architektur, wie in seinen inneren Einrichtungen. Die Anordnung der Räumlichkeiten hat sich, abgesehen von kleinen pädagogisch-technischen Mängeln, als so praktisch erwiesen,, daß in diesen 25 Jahren größere bauliche Veränderungen nicht nöthig waren.' Nur eine Turnhalle wurde später in dem Garten des .Waisenhauses noch errichtet. . In die Stellung des Direktors wurde der. Gymnasiallehrer - . Dr. Jutrosinski aus Posen berufen. Vielleicht hat ein zufälliger /Umstand bei dieser Wahl mitgewirkt. In den.sechziger Jahren, ^wurde der Name des Dr. Jutrosinski in weiteren Kreisen bekannt, -Äeil er, zum ordentlichen Lehrer an der Realschule in Posen gewählt, Ms Jude mehrere Jahre hindurch die Bestätigung der Regierung' nicht erlangen konnte. Wiederholt wurde deswegen ini preußischen: ...

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