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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-23 · Heft 17 (23.4.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 17 (23.4.1897)
Date
1897-04-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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hat, einzelne Themata aus der jüdischen Geschichte und Litteratur zu behandeln. Herr Lehrer Cohn hielt aus diesem Gebiete zwei Vorträge: I. Ueber Sangestunst und Sangesdichtung/ im jüdischen Volke. 2. Moses Mendelssohn. Außerdem hielt Herr Rabbiner Dr. Lewin, unser Ortsrabbiner, zum Besten der Kasse des jüdischen Frauenvereius einen Vortrag über „Die Frau im Talmud". Wie wir hören, beabsichtigt Herr Dr. Lewin, Hierselbst auch einen Litteraturverein ins Leben zu rufen. Außerdem will derselbe für die Jugend, die der Schule entwachsen ist, einen Fortbildungskursus einrichtenum"in demselben auf Grund der erworbenen Kenntnisse der heiligen Schrift die Jugend weiter fortzubilden. Für die schulpflichtigen Kinder besteht bereits seit dem Amtsantritt des Herrn Rabbiners ein Jugendgottesdienst, der auch von den Gemeindemitgliedern fleißig besucht wird.^— Am Sabbath „Hagadol" fand in der Aula der hiesigen jüdischen Elementarschule die öffentliche Schulprüfung der Religionsschüler statt. Die Leistungen der Kinder waren vorzügliche und legten Zeugniß ab von dem treuen Fleiße der Lehrer und dem freudigen Lerneifer der Kinder. Nach der Prüfung fand eine Schlußfeier statt, bei welcher die Jugend unter Leitung des ersten Lehrers, Herrn Cohn, einige Chorgesänge wirkungsvoll vortrug, dann folgten etliche Deklamationen aus jüdischen Dichtungen, und zuletzt richtete Herr Rabbiner Dr. Lewin, der Dirigent der Religionsschule, herzliche Worte an die Kinder,'sie ermahnend, weiter im alten Geiste treu fortzuarbeiten. 8. Hannover, 17. April. Unter großer Betheiligung fand das am 8. d. M. gefeierte Jubiläum von Frl.Constance Levy, Inhaberin des Pensionates Leverson, Hierselbst statt. Zahlreiche Blumenspenden und Depeschen von Nah und Fern zeugten von der Beliebtheit, deren sich die Jubilarin erfreut. Der Festabend im „Neuen Hause" war zahlreich besucht; eingeleitet wurde derselbe durch einen schwungvollen Prolog. Die ferneren Darbietungen der Schülerinnen des Pensionates: Ein Festspiel sowie die. Märchendichtung „Frau Sage" für Soli und Chor mit Klavierbegleitung, ferner ein Lustspiel, erregten den lebhaftesten, ungeteilten Beifall aller zum Feste Erschienenen. Der darauf folgende Ball HM dieselben bis zum frühen Morgen in animirtester Stimmung zusammen. ^Seesen a. Harz, 21. April. Der Bericht über die Jacobson- Schule, Realschule zu Seesen am Harz, erstattet vom Direktor Dr. E. Philippson, zeigt die altbewährte Anstalt in frischem Aufschwung. Den Unterricht ertheilen: Dr. Philippson, Direktor. Dr. Schäfer, Oberlehrer, Dr. Münzer, Dr. Dannenberg, Dr. Biwer, Steffler, Dr. Sack, Dr. Schlesinger, Dr. Kunz, Lämmerhirt, Gutkind, Wendt, Strauß, Lindemann, Past. diac., Fleischhacker, Hausvater. Das Kuratorium besteht unverändert aus den Herren Rudolf Jacobson, Dr. I. Jacobson in Berlin und August Jacobson in Hamburg; in das Lehrerkollegium traten mit Beginn des neuen Schuljahres die Herren Dr. S. Kunz und A. Strauß ein. Die Zahl der Schüler betrug am Anfänge des Winterhalbjahres 279. Davon Juden 134, .Christen 145, Hausschüler 157, Stadtschüler 122. Seit Ostern 1870 haben im ganzen 462 Schüler die vorschriftsmäßige Reifeprüfung bestanden und durch dieselbe u. a. die Berechtigung zum einjährigen ' freiwilligen Militärdienst erlangt. Das Stistungsvermögen beträgt gegenwärtig 319 000 Mark, der Reservefond 414,60 Mark, der Pensionsfond 92 650 Mark, der Jubelsond 8500 Mark, die Arnheimstistung 4360 Mark. R Hamburg, 19. April. In der neuen Dammthor-Synagoge fand am ersten Mittelfeiertag die Einsegnung der Mädchen statt. Es ist dieses Ereigniß für Hamburg besonders bemerkenswert^ da bis jetzt in den Synagogen der orthodoxen Richtung eine solche „Religionsweihe" für Mädchen nicht stattfand. Das vor V/2 Jahren erbaute Gotteshaus war schon lange vor Beginn der Feier bis aus das letzte Plätzchen gefüllt und Hunderte mußten wegen Platzmangel umkehren. Eröffnet wurde die Feier mit dem vom Vorbeter und Chor versweise vorgetragenen big. tauvo. Während der Absingung des 118. Psalms betraten die jungen Mädchen, in Weiß gekleidet, die Synagoge unter Borantritt des Predigers Dr. Grunwald, und nahmen auf dem Almemor Platz, welcher von Lorbeer- und Palmbäumen umgeben war. Nun folgte eine Ansprache des Predigers, in welcher er die Neueinrichtung, rechtfertigte und sie als eine Forderung der Zeit bezeichnete. Er ermahnte die jungen Mädchen, so wie heute, stets der Religion Israels sich treu zu erweisen. Nachdem dann jedes Mädchen einen selbstgewählten Vers aus den Psalmen hebräisch und deutsch vorgelesen hatte, trug eines derselben die 13 Glaubensartikel der andächtigen Gemeinde vor. Dann , erhielt jedes der 11 Eingesegneten vom Vorstande der Synagoge ein Andachtsbuch als bleibendes Zeichen an die erhaltene Weihe. Der Chor sang Psalm 100, dann sprach der Prediger ein kurzes Gebet, Gottes Segen auf die junge Schaar und deren Eltern erflehend. Psalm 150 beschloß die Feier — In der letzten Nummer regt ein Herr D. aus Hannover, an, man möge die Vormittagsstunden des Sonntags (von 9^/2—11V2 Uhr hierorts) benutzen, um religiöse Borträge halten zu lassen, da doch um diese Zeit Jeder daran theilnehmen kann. Hier in Hamburg besteht schon seit mehreren Jahren eine solche Einrichtung. Der Verein „Mekor Chajim" hält um der genannten Zeit an jedem Sonntag im Hause des Herrn Oberrabbiners Vorträge, welche von zahlreichen jungen Leuten besucht werden. * Altona, 1. April. Der am 5. Juni 1858 zu Altona verstorbene Rentier Samuel Salomon Warburg setzte einen Theil seines Vermögens zu einer Stiftung aus, die jetzt mit den angelaufenen Zinsen reichlich eine halbe Million Mark beträgt, und die den Zweck hat, die Verbreitung bürgerlicher Gewerbe unter der jüdischen Bevölkerung der Stadt Altona zu befördern. Die diesjährige Vertheilung beziehungsweise Verloosung von zwanzig Portionen ä 1000 Mark findet am 13. Juni statt. Die Bewerber müssen ein bürgerliches Gewerbe betreiben und während fünf Jahren im Besitz des Gemeindebürgerrechts sich befinden und während dieser Zeit ihre Gemeindebeiträge prompt bezahlt haben. Mitglieder der Familie des Testators, die sich übrigens mehr oder minder in der beneidenswerthen Lage von Millionären befinden, haben bei eventueller Bewerbung Vorzugsrechte. ' N. Leipzig, 19. April. Die Erwerbsfähigkeit auch für das weibliche Geschlecht zu ermöglichen, ist eine derjenigen Bestrebungen, die man von jedem Standpunkte aus für berechtigt und nothwendig anerkennt. Vorzugsweise sind diejenigen Vereine zu beachten, welche diese brennende Frage in einer Weise zu lösen bemüht sind, die die jungen Mädchen im Zusammenhang mit der Familie erhält und ihr Gemüthsleben vertieft und erweitert. Der Verein für Familien- und Volkserziehung in Leipzig, dessen fünfundzwanzigjähriges Bestehen am 11. Dezember 1896 festlich begangen wurde, hat in diesem Sinne gewirkt. Es ist ihm auch von Seiten des Rathes der Stadt und von der königl. Regierung die Ehre eines offiziellen Dankes in Form einer Ansprache an die Gründerin und Vorsitzende des Vereins, Frau Dr. Goldschmidt, zu Theil geworden. Es ist ein bedeutsames Zeichen der Zeit, daß es der geehrten Frau gelungen, eine solche Wirksamkeit zu entfalten und ein Vierteljahrhundert hindurch auch zu behaupten.. Aus der bei dieser Gelegenheit von ihr verfaßten Festschrift, die dem Rathe der Stadt gewidmet ist, erfahren wir, daß im Laufe des Vierteljahrhunderts mehr als 12 000 Kinder die Volkskindergärten des Vereins besucht und daß 620 Kindergärtnerinnen, darunter auch zahlreiche jüdische Mädchen, aus seinem Seminar hervorgegangen. Bedeutsamer ist noch die Thatsache, daß in dem 1878 gegründeten Lyceum die Vorbereitung zu dem Erziehungsberuse für die Töchter höherer Stände vorhanden. Das Lyceum steht wie das Seminar mit den Volkskindergärten in Verbindung und bildet „Erzieherinnen und Lehrerinnen für die Seminare". — In dem stattlichen Vereinshause ist Pension für auswärtige Schülerinnen unter Aufsicht des Vorstandes, der aus hervorragenden Männern der Wissenschaft und aus Damen der angesehensten Kreise Leipzigs besteht. Es geschieht alles in selbstloser, liebevoller Fürsorge für. die Anstalten und deren Schülerinnen, ohne die schädigenden Einflüsse, die bei dem Fröbelschen Erziehungswerk durch Privatspekulation so oft sich, geltend machen. Die genannte Vorsitzende, Frau Dr. Goldschmidt, ist gern bereit, nähere Auskunft zu ertheilen und Prospekte zu senden. U. Dortmund, 19. April. Dem Jahresbericht der Un terstützungskasse des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen pro 1896 entnehmen wir folgende. Einzelheiten -. Das verflossene Jahr war für die Kasse ein günstiges. Die Einnahmen waren größer als bisher. Demgegenüber sind aber auch größere Ansprüche an die Kasse gestellt, welche statutengemäß als berechtigt angesehen werden mußten. Während 1895 noch 101 Antheile auszuzahlen waren, sind diese im Jahre 1896 auf 148 gestiegen. Das Jahr 1897 wird, soweit jetzt schon übersehbar, auf 155 Antheile rechnen müssen. Da ist

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