Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1897)
- Date
- 1897-04-23
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Ehe der Angeredete, auf den sich die Blicke aller Anwesenden richteten, antworten konnte, pochte es leise an der Thür und , ohne das „Herein" abzuwarten, trat ein Amtsdiener mit einem KouverMn der Hand ein. „Hier ist eine dringende Depesche für den Herrn Direktor," sagte xx. „Der Bote wartet für den Fall, daß eine Antwort nöthig wäre. Für den Herrn Bürgermeister hat er schon zwei Depeschen in die Fabrik getragen." ... Awrom nickte. „Die Herren entschuldigen," sagte der Direktor, indem er die Depesche nachlässig öffnete. Eine peinliche lange Pause entstand, während welcher der Direktor die Depesche mehrmals zu lesen schien, als könnte er ihren Inhalt nicht erfassen. Endlich sagte er, tief aufathmend, während er die Depesche hastig zusammenknitterte, um sie in die Tasche zu stecken, mit gepreßter Stimme zu dem Diener: „Es ist gut; lassen Sie den Mann gehen." Als der Diener die Thür hinter sich geschloffen hatte, erhob sich der Direktor und sagte, ohne zu den Anwesenden aufzuschauen, die mit großer Spannung ihre Blicke auf ihn geheftet hielten, „Meine Herren, es ist mir leider unmöglich, Ihrem Wunsche nachzukommen. Die Depesche, die ich soeben erhielt," — er nahm sie mit unsicherem Griffe aus der Tasche — lautet: „Große Deroute, Wiener Börse. Zahlungseinstellung alter Häuser. Geld auf Prima-Papiere nicht erhältlich. Rente sechseinviertel Prozent gefallen. Jndustriepapiere ohne Nachfrage." ( „Sie sehen also, meine Herren," fuhr er fort, während alle Anwesenden, wie von Schreck gebannt, ihn ansahen, „daß ich Jhntzn kein Angebot machen kann, ja vielleicht nicht einmal mein früheres Angebot hätte einhalten können, wenn Sie es angenommen hätten. Die Herren entschuldigen. Ich muß auf das Telegraphenamt und will fort, so bald ich kann." - Noch während er sprach, war er zur Thür geeilt, um mit einetn leichten Kopfnicken zu verschwinden. „Diese Drohnen der Gesellschaft!" begann Dr. Helbing, zuerst das Stillschweigen brechend. „Ausbeuter!" rief der Majors „Bauernschinder!" warf Nowak ein. - „Ereifern Sie sich nicht," sagte der Pfarrer begütigend. „Ganz richtig bemerkt," sagte Awrom mit mühsam behaupteter Fassung, während er sich von seinem Stuhle erhob und die vor ihm liegenden Papiere zusammenraffte. „Jede weitere Berathung ist überflüssig. Ich erkläre die Sitzung für geschloffen und werde sofort telegraphisch dem Landesgerichte die Zahlungseinstellung anzeigen? Damit ging er in das anstoßende Komptoir, während Rosenbaum wie gelähmt sitzen blieb, die Bauern in immer lauteren Verwünschungen auf die Börsenjuden sich ergingen, der Major und Dr. Helbing sich durch hingeworfene Bemerkungen ermunterten und Buchmaier und der Pfarrer mit gesenkten Köpfen den Saal verließen. (Forts, folgt.) Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! rlauben Sie mir, zu der in der vorigen Nummer Ihrer geschätzten Zeitung abgedruckten Ankündigung des Herrn Dr. Herzldje folgenden Bemerkungen zu machen. Es finden in der That Berathungen über die Einberufung eines großen Kongresses statt, der sich mit allgemeinen jüdischen Fragen, wie die Auswanderung der russischen Juden rc., zu beschäftigen haben wird. Ob derselbe nach den von Herrn Dr. Herz! mitgetheilten Vorschlägen ein Zionistenkongreß sein wird oder nach den von anderer Seite gemachten Propositionen eine Konferenz der Palästina-Vereine, oder ob er noch andere Form erhalten wird, ist heute noch nicht zu entscheiden, denn die ganze Angelegenheit befindet sich noch durchaus im Stadium der Borberathung. Damit fallen auch alle an den Plan des Herrn Dr. Herzl geknüpften Folgerungen hinweg. Hochachtungsvoll ergebenst £ W. Bambus. Sehr geehrter Herr Redakteur! us Anfragen privater Natur habe ich ersehen, daß der letzte Theil des in voriger Nummer veröffentlichten Aufsatzes über „Antisemitismus an deutschen Universitäten", soweit er sich mit der „Akad. Gefellsch ast für jüdische Geschichte und Litteratur" beschäftigt, hier und da dem Inhalt und der Tendenz nach mißverstanden worden ist. Merkwürdigerweise scheinen nämlich, infolge flüchtigen Lef ens, die Ausdrücke: „abenteuerlicher, ganz unzeitgemäßer, utopistischer Gedanke rc. re., die — wie ja der ganze Zusammenhang deutlich zeigt — selbstverständlich ironisch gemeint sind, als die wahre Ansicht des Verfassers aufgefaßt worden zu sein, während sie natürlich die Anschauungen dokumentiren, mit denen das Gros der jüdischen Studentenschaft, vornehmlich aber die beiden vorher angeführten Gruppen, leider den wackeren Bestrebungen, der „Akad. Gesellschaft für jüdische Geschichte und Litteratur" gegenübertreten. Die irrige Auffassung genannter Stelle ist um so befremdlicher, als der Satz: „Dem Gros der jüdischen Studentenschaft fehlt für solche Bestrebungen das Verständniß: ein Lächeln des Mitleids mit dem „in der Kultur um einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte zurückgebliebenen, kindischen Schwärmer oder ein Blick des Zornes, weil durch solch „partikularistische Sonderbestrebungen" dem antisemitischen Brande neue Nahrung zugefügt werde, das ist wohl in den meisten Fällen die Antwort auf die Frage, wie der betreffende In terpellirte sich zu'solchen Bestrebungen stelle", ebenso wie der folgende Satz: „Nun, ich will dem so Jnterpellirten ein Geheimniß verrathen. Auch außerhalb der „Akademischen Gesellschaft für jüdische Geschichte und Litteratur" giebt es Leute, die blöde und beschränkt genug sind, zu glauben, daß männliches Selbstbewußtsein im Gefühl seines Werthes als Jude ehrenvoller sei, als Selbsterniedrigung durch kriecherisches Buhlen nach der Gunst und Duldung Anderer, daß es besser sei, mit Wissen prunken zu können als mit Schmissen, und daß das Judenthum nach außen hin würdiger und seinem Geiste entsprechender vertreten werde durch Pflege jüdischer Wissenschaft als durch wüthende Duelle", wohl keinen Zweifel darüber lassen, in welchem Sinne citirte Stelle aufzufassen ist, und wie sich Verfasser zu der ganzen Angelegenheit stellt. Mit vorzüglicher Hochachtung Breslau, 5. April. Jsmar Freund. * Vrirfkasten der Redaktion. L. L. 78. Sie gehen von vornherein von einer unrichtigen Auffassung des Wortlautes des Gesetzes aus. Eine „entsprechende" Zahl von Stellvertretern heißt nicht eine „gleiche" Zahl. Thatsächlich ist auch in allen uns bekannten Statuten von Synagogengemeinden ^die Anzahl der Stellvertreter weit geringer bemessen als die der Vorsteher bezw. der Repräsentanten. So hat Berlin bei 7 Vorstehern 3 Stellvertreter, bei 21 Repräsentanten 10. In den weitaus meisten Gemeinden wird neben 3 Vorstehern nur 1 Stellvertreter gewählt. Es ist somit eine irrige Annahme, daß ,zur Bildung einer Synagogengemeinde mindestens 24 wahlfähige Gemeindemitglieder vorhanden sein müssen. Es ist uns bekannt, daß selbst bei weniger als 12 wahlberechtigten Mitgliedern einer Gemeinde — sofern sie nur sonst ihre Leistungsfähigkeit Nachweisen konnte — die Rechte einer Synagogengemeinde gewährt worden sind. In diesem Falle wurde eine Repräsentanten-Versammlung überhaupt nicht gewählt, sondern an deren Stelle trat die Versammlung sämmtlicher Gemeindemitglieder. Das Bureau des D. I. G.-B. wird Ihnen hierüber näheren Aufschluß geben können. R. O. 1000. Der Bericht ist uns f. Z. nicht zugegangen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. 61. , Kais spend heim« bürg« der? ein, Hosp dem mat Jugk Es i einge Glai gespi in L firm, knüp heim gewi mein Dir und feier neig einer Herr Köl diese San inc, Dr. Ost jüdi über und Rak Jud ligi« von Rak bere im Al« gro So! Sa! in 5 Lest eige Km In