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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-23 · Heft 17 (23.4.1897) · p. Seite 199

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 17 (23.4.1897)
Date
1897-04-23
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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199 Ehre erwies. Diese ging auch bei Lebzeiten des Vaters schon auf den Sohn über. Gen. 34, 19. Ebenso natürlich und darum der ältesten Zeit angehörig ist die Elternehre. Die Kritik mag die die Elternehre gebietenden Abschnitte in welche Zeit immer setzen, Wort und Begriff dafür haben von jeher bestanden. Mit der Elternehre that die kabod einen bezeichnenden Schritt vom sKonkreten zum Abstrakten. Aus dem Verhältniß der Abhängigkeit dem Familienoberhaupt gegenüber bildete sich das Verhältniß der Anhänglichkeit, des Vertrauens und der Zuneigung. Hier ist die kabod noch ein selbstverständlicher, natürlicher Zug des Herzens. Obgleich bei der Elternehre der sinnende Verstand nicht ausgeschlosien ist, hat Reflexion im eigentlichen Sinne damit nichts zu schaffen. Dagegen tritt diese scholl ein bei derlEhre, die dem Stammeshäuptling und dem aus freier Wahl hervorgegangeuen König erwiesen wurde. Der Begriff des Bevorzugtseins ist vorhanden. Nur der Bevorzugte wird gewählt. Aus diesem Gedankengange sind jene Stellen zu erklären, die in älteren wie in jüngeren Büchern der heiligen Schrift Vorkommen. Als älteste Anwendung der kabod im Sinne bou Rang und Stellung seien verzeichnet: Gen. 45, 13. Es folgen Num. 22, 15; 1. Sam. 22, 14; Micha 1. 15; Nahum 3, 10; Jes. 5, 13; Ps. 149, 8. Die kabod infolge persönlicher Eigenschaften und Tüchtigkeit: Gen. 49, 6; Jes. 3, 5; 23, 8, 9; Ps. 112, 9; 149, 5; Sprüche 3, 35; 2. Sam. 23, 19, 23; 1. Ehr. 11, 21, 25. Hierzu gehört das Vorenthalten der kabod wegen Unwürdigkeit: Spr. 26, 1, 8. lieber diesen Boden der Alltäglichkeit wird die kabod von den Propheten hinweggehoben, da, wo zuweilen noch von Einzelnen, aber zumeist von der Gesammtheit die Rede ist. Die Ehre hat den Begriff des Ruhmes angenommen: 1. Sam. 4, 21, 22; Hos. 10, 5; Jer. 48,18; Jes. 61, 6; 66, 12. Hierzu gehört, als Höflichkeit: 1. Sam. 15, 30; 2. Sam. 10, 3. Ferner das sittliche Verhältniß zwischen Herrn und Knecht: Mal. 1, 6; Spr. 27, 18. Eine weitere Steigerung zeigt sich in der den Verstorbenen erwiesenen Pietät: Jes. 14, 18; 2. Chr. 32, 33; ferner in all' jenen Sätzen, wo die Menschenwürde als solche nach Geltung ringt oder den Menschen kabod zugesprochen wird, zumeist in den Psalmen: 8, 6; 16, 9; 108, 2; Hiob 19, 9; 29. Eine Folge dieser ist das Selbstbewußtsein und die natürliche Vornehmheit: Gen. 49, 6; Ps. 62, 8. Mit den letzteren hat die kabod bei Menschen die höchste Stufe erreicht. Die meisten der noch hierher gehörenden Sätze fallen von der tiefiunerlichen Auffaffung ab. Die kabod geht in das Alltägliche über und hält sich nicht mehr auf jener Höhe, zu der sie Jesaia und die Psalmisten emporgetragen haben, das zeigt sich in den späteren Schriften: den Sprüchen: 11. 16; 21, 21; 22, 4; 29, 23; 1. Chr. 29, 28; 2. Chr. 1, 12; 17, 15; 32, 27. Man ersieht aus dieser Zusammenstellung das mälige Aufsteigen des Ehrbegriffs von dem natürlich instinktiven Gefühl der Achtung vor dem Höherstehenden bis zur Höhe der Menschenwürde und zurückhaltender Vornehmheit, dann wieder das Absteigen desselben. Dieses Auf- und Absteigen nach Büchern und Verfassern zu ordnen, ist nicht gut möglich, da, wie bemerkt, derselbe Begriff sich in verschiedenen, einer Zeit nicht angehörenden Büchern findet. Nur allgemein darf bemerkt werden, daß sich die höhere Auffassung der kabod in den älteren Schriften: Genesis, Exodus. Hosea, Micha, Nachum, Jesaias, Jeremias und den Psalmen findet, das Abfallen in den jüngeren Schriften, den Sprüchen und der Chronik. Der kabod als Ruhm begegnen wir im Pentateuch nicht. Die Ursache muß man in den: Umstande suchen, weil er Israel in seinem Werden darstellt, nicht als Volk, wie die anderen als geschichtlich bezeichneten Bücher. Die kabod findet da nur bei Einzelnen, nicht bei der Gesammtheit, auä) nicht bei Stäunnen Anwendung. Bei Einzelnen Gen. 45, 13; 49, 6. Exod. 20, 12; Deut. 5, 16. Dagegen wird in den geschichtlichen Büchern, wie in denen der Propheten, ja von diesen, da sie ihr Augenmerk auf das Ganze richteten, in hervorragender Weise von der kabod der Gesammtheit, Macht, Ruhm gesprochen. Hosea 4, 7; 9, 11; 10, 5; Micha 1,15; Nachum 3, 10; Jes. 17, 4. Von der Macht Assurs das. 8, 7; Moabs 16, 4; Kedars 21, 16. Vom Ruhm der Völker 61, 6; 66, 12. Ein Rückfall auf Einzelne scheint in den Psalmen stattznfinden. Es scheint aber nur so. Obgleich der Dichter oft genug seiner individuellen Empfindung Ausdruck giebt, identifizirt er sich in Leid und Freud mit der Gesammtheit. Auch wenn er von Einzelnen oder von der eigenen Person spricht, hat sich ihm das Allgemeinempfinden zu dem Einzel- und Eigenempfinden konzentrirt. Selbst da, wo Selbsterlebtes geschildert wird, tritt es durch Auffassung und dichterische Gestaltung in den Kreis des allgemein Menschlichen. Den Gefühlsregungen wird Ausdruck verliehen, wie er für Jedermann und zu jeder Zeit paßt. Der Psalm hebt zuweilen einen Stand hervor: 149, 5, 8; zuweilen die ganze Menschheit: 8, 6. Für den Spruchdichter hat sich die Form von selbst ergeben. Sentenzen können nur allgemein gehalten werden. Es werden Klaffen herausgehoben, benen kabod zugesprochen: Spruch 3, 5; 29,23; andere, denen sie abgesprochen wird: 26, 1; es werden Tugenden persouifizirt: 22,4. Auch da, wo sich der Spruch an den Einzelnen wendet, — „mein Sohn" — wird nicht der Einzelne, fonbern die Jugend gemeint. Es sei ferner bemerkt, daß niemals der Wunsch, die Bitte oder die Forderung auftritt, die Ehre zu erhalten. Das Bitten hilft nicht. Die kabod muß erworben werden. (1. Sam. 15, 30 ist Höflichkeit.) Dagegen wird die kabod als sittliche Forderung von der heiligen Schrift, wenn auch nur indirekt, hingestellt. Vor allem ist es selbstverständlich, daß der Mensch als Ebenbild Gottes auf seine Menschenwürde achte. Wenn ferner die Weisen als die Erben der Ehre betrachtet werden, wenn Ehre der Lohn der Bescheidenheit, der Demuth ist — so lautet die Weisung, bescheiden, demüthig zu sein, um dieses hohen Gutes theilhaftig zu rverden. Die älteren Bücher haben das in dezenter Weise angedeutet. Ob Hos. 10, 5 als eines der ältesten anzusprechen ist, muß unentschieden bleiben. Auch die jüngeren Bücher, z. B. Spr. 22, 4. haben dem deutlich genug Ausdruck gegeben. Wenn nun das Erstreben der kabod als direkte Forderung nicht hingestellt wird, wird sie selbst doch als die Folge edler Handlungen und darum als ideales Gut angesehen und indirekt gefordert. Diese indirekte Forderung zieht sich durch sämmtliche die Ehre der heiligen Schrift behandelnden Bücher. * In Betreff der Ehre bei Gott muß bemerkt werden, daß die Menschen wohl schon früh das Knie einem mächtigen Wesen beugten, aber dieses Kniebeugen muß nicht mit dem Gefühl der Ehre verbunden gewesen sein. Es ist vielmehr anzunehmen, daß der Begriff der kabod schon eine hohe Stufe erreicht haben muß, als er seine Anwendung bei Gott erhielt. Obgleich die Grenze zwischen älteren und jüngeren Schriften im Gebrauch der kabod bei Gott sich schwer ziehen läßt, kann im Allgemeinen doch behauptet werden, daß die älteren Bücher, die in Beziehung auf diesen Punkt mit Jeremia ihren Abschluß finden mögen, die höchsten Begriffe mit der kabod verbinden. Die jüngeren Bücher, die hier mit Ezechiel beginnen mögen, haben zumeist die bei

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