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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-02 · Heft 14 (2.4.1897) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 14 (2.4.1897)
Date
1897-04-02
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Mütter wendet. Dies wurde nun derart gedeutet, als ob die Mütter nichtchristlicher Religion ausgeschlossen wären, zur Linderung des Zustandes jener unglücklichen Kinder beizutragen, deren Heilung und Pflege der Zweck dieser Anstalt sein soll. Wie nun der Pester Lloyd von komvetentester Stelle erfährt, lag der Erzherzogin Klotilde eine solche Absicht ^oükommen fern, wie. ja auch Erzherzog Josef in seinem an Zokai gerichteten Schreiben besonders hervorhob, daß in dieses Kinderheim Kinder ohne Unterschied der Konfession ausgenommen werden sollten. Die Drzherzogin bediente sich in ihrem Aufruf des Ausdrucks nicht in seinem strikten konfessionellen Sinne, sondern wendete ihn in seinem landläufigen Hmne als Synonym für mild- und wohlthätig an. Der erhebende Aufruf der Erzherzogin sei also an alle Mütter gerichtet. — Eine christliche Dame, Namens Karoline Ducreux-Horvüth, wurde vor Kurzem in der ophthalmologischen Abtheilung des jüdischen Spitals, die der bekannte Augenarzt Dr. Szily leitet, behandelt. Nach ihrer Genesung errichtete die Dame für diese Abtheilung eine Stiftung von 5000 Kronen. — Israel Derera, der Präses der Sepharden-Betgenossenschaft in TemesvLr, wurde in den ungarischen Adelsstand erhoben. — Der hauptstädtische Arzt Dr. Sigmund Adler wurde durch Verleihung des Titel eines königl. Rathes ausgezeichnet. Rußland« Petersburg, im März. Der Ackerbauminister hat vor Kurzem die Statuten der Ackerbauschule, die in den jüdischen Kolonien des Bezirks Cherson gegründet werden soll, gut geheißen. Die Schule verfügt über ca. 26 000 Rubel. Das Ministerium hat ihr 500 Desjiatinen Boden zur Anlage einer Muster-Meierei geschenkt. Die geschenkten Grundstücke sind Staatsdomäne; die Schule behält den immerwährenden Genuß derselben und kann die Kolonien für sich verwenden. Diese Mustermeierei wird von allen lokalen und allgemeinen Steuerpflichten befreit bleiben. Die Studien werden hauptsächlich praktische sein und dreijährigen Kursus umfassen. Die Zöglinge, welche im Besitz eines Diploms dieser Anstalt sein werden, müssen alsdann noch zwei Jahre, sei es in der Mustermeierei, sei es bei Privaten, ihre Studien vollenden. Nach dieser Zeit werden sie die. Berechtigung haben, sichals Kolonisten niederzulassen, sei es auf staatlichem oder privatem Boden. — In der Handelsschule zu Odessa wird die Zahl der Zöglinge durch die Höhe der Steuern bedingt, welche die israelitischen Kaufleute zahlen. Es kommt öfters vor, daß die für die Christen reservirten Plätze"'aus Mangel an Kandidaten nicht besetzt sind, und die Bestimmungen'gestatten es nicht, diese Plätze jüdischen Zöglingen zukommen zu lassen, obgleich die Zahl der jüdischen Aspiranten stets eine sehr große ist, und man deren alljährlich zurückweisen muß. Diese Anomalie hat aufgehört. Der Finanzminister hat der Schuldirektion angezeigt, daß auf des Kaisers Befehl die übrig gebliebenen Plätze, nach Aufnahme der christlichen Kandidaten, an jüdische Zöglinge über das durch die Gesetze bestimmte Verhältniß hinaus vergeben werden dürfen. Die Lösung dieser seit zwei Jahren schwebenden Frage hat den günstigsten Eindruck auf die jüdische Bevölkerung gemacht. Amerika« C. H. New-Aork, im März. Die große Noth, welche auf unserem Erwerbsleben lagert, läßt sich aus dem Berichte der United Hebrew Charities für den Monat Januar folgern. 5422 Personen suchten Hilfe nach, und 14497 Dollars waren nothwendig, um den dringendsten Ansprüchen gerecht zu werden. — Der Orden „ Fr eie S ö h ne Israels" hielt kürzlich den Jahreskonvent der Distriktsloge Nr. 1 ab, und verschrieb sich dazu den New-Yorker Mayor Strang, welcher den Herren auch die gewünschten Artigkeiten in der bei solchen Gelegenheiten üblichen hyperbolischen Weise sagte. — Denselben Dienst wie Herr Strong versah bei der am 12. d. Mts. stattgefundenen Einweihung der jüdischen Gewerbeschule der Polizei-Kommissar (etwa soviel als Polizei- Präsident) .Theodore Roosevelt, dessen Name nichts mit Rosenfeld zu thun hat. Auch er sagte den Juden, wie sehr er sie bewundere. Der Neubau der jüdischen Gewerbeschule wird übrigens dem so drückend empfundenen Raummangel die ersehnte Abhilfe bringen. Die Anstalt hat sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens gerechte Anerkennung verdient. — I. Pierpont Morgan, Chef eines der größten New-Z)orker Bankhäuser, hat von 26000 Dollars, die ihm zur Vertheilung für wöhlthätige Zwecke übergeben worden waren, ein Viertel an die jüdische Wohlthätigkeits - Gesellschaft abgegeben. Mayor. Strong hat von 500 Dollars, die ihm zu gleichem Zwecke übergeben worden waren, dieser Gesellschaft 250 Dollars übergeben. Eine Benefiz-Vorstellung für jüdische Wohlthätigkeitszwecke, am 9. Februar veranstaltet, hat einen Reinertrag von 5300 Dollars ergeben. — Fräulein. Rosa Bernheimer, Tochter des im vorigen Jahre verstorbenen Adolph Bernheimer. hat dem Mount Sinai Hospital in New - Jork die Summe von 30000 Dollars geschenkt. Non Nah und Fern. ----- Dem Kurator der Berliner Unfallstationen, Herrn Direktor Max Schlesinger, ist vom Kaiser von Rußland der Stanislaus- Orden verliehen worden. Die Verleihung erfolgte wegen der Verdienste, die sich Direktor Schlesinger um die Errichtung der Petersburger Unfallstation, genau nach Berliner Muster, erworben hat. Der Reichstagsabgeordnete Ahlwardt, der gegenwärtig Schleswig- Holstein bereist, wird am 31. d. Mts. in Berlin eine allgemeine antisemitische Frauen - Vereinigung gründen! — In der Jahressttzung der „Royal society of Sciences“ in London ist der berühmte Botaniker, Geheimrath Ferdinand Cohn in Breslau, der Bahnbrecher für das Studium der Mikroorganismen, besonders der Bakterien und Bazillen, zum Mitglied der löniglichen Gesellschaft der Wissenschaften ernannt worden. Das Zeichen F. R. 8. (Fellow of Royal Society) ist die höchste Auszeichnung, welche die englische Wissenschaft einem Forscher verleihen kann. — Die Stiftung des Rittergutsbesitzers Julius Schottländer in Breslau, bestehend in einer Parzelle nebst Gebäude im Werthe von 250 000 M., zum Besten der dortigen israelitischen Krankenverpflegungs- und Beerdigungsgesellschaft, hat jetzt die landesherrliche Genehmigung erhalten. — Ein wie ein Veilchen im Verborgenen blühendes Breslauer Blättchen, das als einzigen Lebenszweck den Antisemitismus kultivirt, hat schon oft durch feine sonderbare Art Juden schnüffeleizuweilen Anlaß zu großer Heiterkeit gegeben. Seine neueste Leistung ist die, daß es den in Konkurs gerathenen Fabrikbesitzer Max Gloger aus Ziegen hals, der verhaftet wurde, als Juden festnagelt. Nun ist aber allgemein bekannt, daß Herr Gloger in Ziegenhals ein frommer Katholik ist und einer in Schlesien weit verbreiteten, streng ultramontanen Familie entstammt. — Wegen ungewöhnlicher Rohheit eines Arztes ist der frühere Antisemitenhäuptling in Loslau, Dr. Schramm in Leipzig, vom Landgericht zu Ratibor zu 1020 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate Gefängniß beantragt. — In das österreichische Herrenhaus ist der Professor Dr. S. Grün Hut. von der Wiener Universität berufen worden. — Der Schachspieler W. Steiuitz befindet sich jetzt in Wien. Er soll in Moskau in der Heilanstalt ein Werk über „Schach und Judenthum" begonnen haben. — Vor einigen Tagen ging die Nachricht durch die Presse, daß ein deutscher Patriot in Triest anläßlich der Centenar-Feier dreihundert Säcke Lorbeerblätter zur Ausschmückung der Feststraße nach Berlin gesandt habe. Soweit die Persönlichkeit des Spenders in Betracht kommt, beruht diese Mittheilung auf einem Jrrthum. Der Spender ist ein in Triest ansässiger Ungar jüdischer Religion, sein Name S. Rotter. — Oberrabbiner Dr. Dünner in Amsterdam ist in dem Streik der Diamantenschleifer in das Schiedsgericht gewählt worden, welches den Streit zwischen den Arbeitern und den Fabrikanten schlichten soll. Bekanntlich besteht reichlich die Hälfte aller Arbeiter in den Diamantschleifereien aus Juden. — Frau Baronin Hirsch soll die Absicht haben, 1800000 Dollars für jüdische Wohlthätigkeitszwecke in Amerika zu schenken und zwar 100 000 Dollars für die Erziehungsinstitute, 700 000 Dollars für die Wohlthätigkeitsanstalten und eine Million für einen noch nicht bekannten Zweck, der „allgemeine Ueberraschung Hervorrufen wird". Die Nachricht klingt etwas mysteriös. — H. A. Jsaacs, Attorney-General (Staatssyndikus) von Victoria, ist zum Repräsentanten der Kolonie bei der großen Jubelfeier in London gewählt worden. Bekanntlich vereinigen sich bei dieser Feier aus allen Kolonien die hervorragendsten Persönlichkeiten, um das 60 jährige Jubiläum der Thronbesteigung der Königin Victoria festlich zu begehen. Druck und Verleg von Rudolf Mosse in Berlin. ' Verantwortlich für die Nedaktion: Max Baüchwiy in Berlin.

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