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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-29 · Heft 5 (29.1.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 29. Jimnar 1897. 61. Jahrgang. Ar. 5. Gin unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.", M. Nedacteur: Gustav Karpeles. Begründet von Nadliiner N- Ludwig Phitippson-Konn Verlags-Trpedition: Lerlin, Jerujaiemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse : Verlag der »Allgem. Zeitung deS Judenthums', Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Moste, Berlin. Inhalt. Leitartikel: Jüdische Lehrermnenseminare. — Die Woche. — Protokoll der ersten Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der-Ostprovinzen mn 24. Dezember 1890 zu Posen. — Franz Schubert als Shnagogen- Komponist. I. Von Ed. Birnbaum. — Marcus Antokolski. Von Albert Katz. — Das Hohelied. III. Von Georg Brandes. — Feuilleton: Das Ewig-Menschliche. Erzählung von El.ise Orzeszko (Forts.). — Litterarische Mitthettuirgerr. — Sprechsaal. Der Gemeindebote. Korrespondenzen nnd Nachrichten: Berlin, Jnowrazlaw. 2lus Schlesien, Kattowitz, Colberg, Aus der Provinz Hannover, Hannover, Wien, New-Bork. — Don Rah und Fern. — Miseellen. — Briefkasten der Redaktion.; Jüdische Lehrerinnenseminare. Berlin, 26. Januar, ie ein Frühlingshauch nach langer starrer Oede zieht es durch das Haus Israel: Allerorten entstehen Vereine zur Verbreitung der Kenntniß des jüdischen Schriftthums, eine rege Theilnahme giebt sich zu erkennen für den Inhalt und die Geschichte unseres Glaubens, in größeren Kreisen und traulichen Cirkeln wird die Frage eingehend erörtert, wie der traurige Jndifferentismus, der weite Schichten unserer Glaubensgenossen noch immer beherrscht, am wirksamsten bekämpft, wie die feige Fahnenflucht, die sich Lin unseren Reihen leider nur allzu häufig zeigt, fürder unmöglich gemacht werden könne. Unser hauptsächliches Bemühen — das ist gewöhnlich aller Diskussionen Schluß — hat unserer Jugend zu gelten, nicht etwa, weil wir die bereits Erwachsenen verloren geben (lehren doch unsere Weisen, daß eine ganze Welt erhalten hat, wer .auch nur eine Seele im Glauben befestigt), doch finden die Erwachsenen in den augenblicklichen, uns so widrigen Zeitverhältnissen zumeist selbst den richtigen Pfad. Wir haben vor allem die Pflicht,.Sorge zu tragen, daß ein Geschlecht heranwachse, erfüllt von Begeisterung für unsere erhabene Religion, durchdrungen von dem Gedanken-und Gefühlsinhalt des Judenthums, vertraut mit der Kenntniß des jüdischen Lebens in seiner ganzen Hoheit, in der Fülle seines Edelsinns! Eine solche Jugend wird gewappnet sein gegen alle Versuchungen und Irrungen und zur treuen Phalanx unseres'Glaubens sich gestalten! Von mindestens gleicher, ja, wir wagen es zu sagen, von höherer Bedeutung ist die Pflege des religiösen Sinnes bei unseren Töchtern als bei unseren Knaben: Beruht doch unser Haus vor allem auf de r Mutter, die die Kinder erziehen, glaubensstark machen soll; denn „erziehen" ' und „glauben"' leitet bezeichnender Weise unsere heilige Sprache aus einer Wurzel ab und deutet damit cm, daß unser Glaube einzig und allein Erziehung ist, also der sorgsamen Pflege der Mutter untersteht.' Soll eine neue. Blüthe des Judenthums mporsprießen, die reiche Früchte verheißt, , so müssen Israels' Frauen' und Mädchen fortab ihr Bildungsziel nicht blos in dem Aneignen , allgemeiner Kenntnisse und Fertigkeiten finden; eine gleiche^ wenn nicht stärkere Liebe muß sie erfassen für jüdisches Wissen, für. das jüdische Schriftthum, und mit dieser Liebe müssen sie dann a l le Diejenigen zu erfüllen suchen, die ihrer Obhut anvertraut werden — die Mütter daheim die Glieder ihres Hauses, die. Lehrerinnen - den größeren oder kleineren Kreis der Schule oder einer Familie. Freilich ist mit dieser Forderung eine-andere unabweisbar verknüpft: Die Errichtung besonderer Bildungsstätten für j üdi sche L ehr er i nnen, welche neben der gleichen sorgfältigen Unterweisung in den anderen Fächern, die den jüdischen' Seminaristinnen bisher geboten wird, diesen auch die Aneignung eines gediegenen jüdischen Wissens ermöglichen. Bei der - jetzigen unvollkommenen Heranbildung der jüdischen Seminaristin, die einen Hauptzweig, ihre Religion ganz unberücksichtigt läßt, kann die jüdische Lehrerin nur dann, wenn sie eine außergewöhnliche Energie besitzt, zumeist überhaupt nicht, diejenige Aufgabe vollkommen erfüllen, die ihr dereinst in erster Reihe zufällt, in den jungen Herzen ihrer Zöglinge Begeisterung für den jüdischen Glauben und jüdisches Wissen zu wecken: Nur aus dem religiösen Wissen der Lehrerin selbst, nur aus ihrer Vertrautheit mit dem Inhalt und Geist des Judenthums kann diese Begeisterung in das kindliche Gemüth geleitet werden! Es wäre eine schöne Aufgabe für die jüdische Wohlthätigkeit, die zuweilen um ein Ziel für ihre Opferwilligkeit verlegen ist,' es wäre vornehmlich eine Ehrenpflicht der Großgemeinden, Bildungsstätten zu schaffen, in - denen eine wackere Schaar " tüchtiger jüdischer Lehrerinnen herangebildet würde, die durch ihre ^Vorbildung geeignet wären, wie in den übrigen Fächern, so auch in der Religion einen gedeihlichen Unterricht zu ertheilen. Für einige dieser! Gemeinden, wie Berlin. Frankfurt und. Ha mburg, bedarf es zur Erreichung dieses schönen Ziels nicht einmal größerer materieller Opfer. Die an diesen Orten bereits bestehenden jüdischen Mädchenschulen eignen sich vortrefflich sowohl als Vorstufe wie als Uebungsschule für ein jüdisches Lehrermnenseminar, die an ihnen gegenwärtig wirkenden Leiter sind vorzüglich geeignet, an die Spitze dieser Pflanzstätten' zu treten, welche nicht nur einer großen Zahl von Mädchen eine ausgezeichnete b er ufli che Ausbildung gewähren werden, sondern in welche auch bald zahlreiche Kinder begüterter Eltern eintxeten werden, um diejenige harmonische ....Bildung zu gewinnen, die ihnen an jeder anderen Stelle naturgemäß versagt bleiben muß. So wird von diesen Bildungsstätten ein reicher Segen sich ergießen in die jüdischen-Häuser und die jüdischen Familien, die Jugend'rvird durch die aus ihnen hervorgegangeneu Lehrerinnen

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