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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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' LI. Budapest, 25. Dezember. Nach zweijährige^-Bestände hielt" die Israelitisch-Ungarische litterarische Gesellschaft-ihre erste Festversammlung. ab. zuder sich zahlreiche hervorragendePersönlichteitA der Haupt--und" Residenzstadt und des' Landes' eingefundM hatten" DieA -^junge,/n«r>langsLmÄnd-<behu^famM,oLwL^sHkrebM5e-Gef«l!Wafk-woM< ' ihrem Antheit andem Millenniumsfestlichkeiten heräusnehmen/ indem Ä -diese Versammlung veranstaltete.' Sie hatte zwar nichtdas Gepräge einer Millenniumsfeierlichkeit, bestätigte aber den guten Ruf/ den diese" seit ihrem kurzen Beständegenießt-Der Vorsitzende, Rabbiner Dr! - Samuel Kohn, eröffnete die Sitzung mit einer Erzen/ gehaltvollen Rede und übergab das Wort dem Sekretär, Professor Dr. Josef Bünoczi^ der über die geistigen Fortschritte der Gesellschaft referirte. Er gedachte der^ bisherigen Editionen und meldete, daß in - kurzer-Zeit das neüe Jahrbuch und-die Geschichteter Oedenburger Kultusgemeinde erscheint^ daß die - ungarische Bibelübersetzung - schon so' weit gediehen fei, daß nächstes Jahr schon der Pentateuch erscheinen kann. Die Herausgabe - einer 'jüdischen Urkundensammlung siehtauchder-Verwirklichung: entgegen. Er gedenkt noch der mit Beifall aufgenommenen Thatsache, daß Paül Tencer einen Betrag von 1000 fl. sammelte, welcher als PreiZ für eine Geschichte der Judengemeindcn auf dem Gebiete der Hauptstadt, bestimmt ist. Nun.hielt Oberrabbiner Dr. Armin Perls aus Fünfkirchen einen Vortrag über „Ahasver", dessen genußreiche Darbietung mit nicht endenwollendem Beifall gelohnt wurde. Warme Anerkennung wurde auch dem nächsten Vortragenden, dem Rabbiner Dr. A. Klein aus Veszprkw, gezollt Seine „Millenniumsrede des ungarischen Israel" war eine Dithyrambe' auf Glaube, Vaterlandsliebe und Brüderlichkeit? Ueber ^Rationales und konfessionelles Leben" sprach Professor Dr. M. Karmän, der sehr oft von.Beifallskundgebungen unterbrochen wurden Von den Gegenständen der Generalversammlung verdient hervorgehoben zu werden, daß die Gesellschaft über ein Vermögen von 12 000 fl. fügt, daß für die ungarische Bibelübersetzung 1000 fl. und für Preiskonkurrenzen 1600 fl. votirt wurden. Ein der Generalversammlung vor- - gelegter' Antrag auf Errichtung einer Bibliothek und eines LesesaMs . wurde dem Ausschüsse zugewiesen. Sämmtliche Funktionäre wurden einstimmig 'wiedergewählt. Als Ort für die nächste Generalversammlung wurde Budapest bestimmt, nachdem keine Einladung seitens eines Provinzgemeinde eingelaufen ist. — Für den Landes-Stipeudiumverei-n/ der über ein Vermögen von nahezu 100 000 fl. verfügt, machte Alexander SvAb eine Stiftung von 5000 fl. — Der Jsraelitische Mittelschülverein in Wag-Neustadtl, dessen Gründung 'infolge der unzulänglichen Mittel für die Erhaltung der' einzigen jüdischen MittAschule in Ungarn, der israelitischen Realschule, eine dringende Notwendigkeit war, wendet sich in einem Aufrufe an die gewesenen Schüler der Anstalt mit der Bitte, sie mögen ihr Scherflein dazu beitragen, um diese Anstalt auf das Niveau - einer modernen Mittelschule zu bringen.' Die. Subvention der KultusgememdeU und des Staates reicht nicht hin/ um die vierklassige Anstalt zu einer-vollständigen Mittelschule zu ergänzen. Es ist erstaunlich, daß die israelitische Landeskanzlei, die einen Schulfonds von einer halben Million verwaltet, nicht eingreift, da doch eine Mittelschule für das ungarische Judenthum wenigstens von solcher Bedeutung ist wie jene Militärakademie, an der die Kanzlei: eine bedeutende Stiftung errichtete. ’ Amerika« G. H. New - Nork, im Dezember. Herr Cleveland hat-der jüdischen Presse und Kanzel viel Stoff-zu Erörterungen geliefert. Er hat nämlich in der Ankündigung des Danksagungstages, der alljährlich am letzten Donnerstage' im November gefeiert wird, eine puritanische Reminiseenz an das Sukkothfest — davon gesprochen, daß man Gott danken solle, „durch Ihn, der uns beten /gelehrt hat." Es ist in der Thai sehr auffallend, daß' Herr Cleveland politischen Takt soganz außer Acht lassen konnte. — ®r; Emil G. Hirsch hat mit: Rücksicht auf die Sabbath-Agitation auf dem Frauenkonzil seine Anschauungen über den Sabbath klar ausgesprochen.? Der Sabbath ist „trotz aller Phantasien, hysterischer Weiber" todtdie Sonntagsfeier allein kann.bic Sabbath-Jdee rettem Darüber natürlich großer Verdruß im orthodoxen Lager. —'Einen Gelehrten „ersten- Ranges" hat man sich aus Eng^nh' in der Person' des Litteraten- Jo sep h Jac ob s verschrieben' und'lhn? nach Landesbrauch.im Triumphzuge durch die größeren Städte herumgeführt.' Er'«'hat über die Philosophie der jüdischen Geschichte Bor- .- lefungen gehalten, die sehr ernüchternd auf die durch Zeü.mgsphantasien-; erhitzten Gemüth'er/gewirkt haben. — Das fünfzigjährige Jubiläum-der. Gemeinde Ahawath ..Chessed'.in New-I ork. verlief in-Folge dieser gleichzeiftgen/Ailziehüngspunkte^ im' jüdischen Gsmeindeleben New Würks./ sehr'unbemerkt) Die^ Gemeinde, untere dem Namen böhmische'Gemeinde bekannt, hätte Hübsch und Kohut als Rabbiner aus Europa berufen. Ihr gegenwärtiger Rybbiner ist .Dr. Davidson. — Dr. A. S. Jsaacs, der vor etwa 20 Jahren in^Deutschland Theologie studiert, seither aber als Professor der' deutschen Sprache Und Herausgeber des Jewish Meffenger in New-Iork gelebt hatte, tritt als Bewerber um die bei der - Anshe - Mayriv Gemeinde in Chicago auf Diese Gemeinde, /welche/ bisher < deutsche Prediger hatte, läßt /jetzt nur junge amerikanische' Rabbiner zu Probepredigten kommen? Ihr. letzter Rabbiner, I S. Moseshat. „resignirt". Auch ein Zeichen der Zeit! — E. G. Hirsch.hat Einhorns Gebetbuch Ölath Thamid, in neuer englischer Uebersetzung herausgegeben . Heller, Rabbiner in New-Orleans, findet, daß Hirschs Englisch voll von Germanismen ist, während Hirsch Nachweisen will, daß Heller, der aus Prag stammt, ein böhmisches Englisch schreibt. Dr. B. Fe.lsenthal in Chicago hat eine interessante Broschüre unter dem Titel: „Jüdische Fragen" herausgegeben, welche zwei interessante Vorträge unter dem Titel: „Giebt es Dogmen im Judenthume?" und : „Wo stehen wir?" enthält. - Von Nah und Frrn. — Der Kaiser hat dem bekannten Pianisten Alfred Grünfeld in Wien den Rothen Adlerorden 4. Klasse verliehen. — Der Kantor Samuel Kober in Crone a. d? Brahe ist zum ersten Kantor in Lissa gewählt worden. — Als mehrfacher Millionär starb kürzlich in New-Iorkein geborener Ford oner. Der Verstorbene, Friedmann Auerbach, wanderte vor ungefähr 30 Jahren als völlig mittelloser junger Mann ' nach Amerika aus. Durch Fleiß und Ausdauer gelang es ihm, sich im Laufe der Jahre ein beträchtliches Vermögen, zu erworben. In seinem Testamente gedachte er auch seiner- Vaterstadt Ford on und bestimmte darin, .daß. jährlich um die Weihnachtszeit an die christlichen Armen 75 Dollars (300 M.) und an , die jüdischen Armen150 Dollars (600 M.) zur Vertheilung gelangen sollen. Der für dieses Jahr bestimmte Betrag : ist bei' dem Bürgermeister Bänsch eingegangen und von diesem vertheilt worden. — Der katholische Seelsorger Joseph Ma rti ne sek wurde vom Schwurgerichtshof in Ll gram wegen Aufreizung gegen dik Nationalitäten und Konfessionen zu drei Tagen Gefängniß und 160 fl. Geldstrafe verurtheilt. Martinesek hat in dem slovakischen Blatte Krestyani gegen den ungarischen Staat und die Juden gehetzt. — Frau Baronin Hirsch hat dem Waisenverein der Londoner Spanischen Gemeinde 8000 Mk. geschenkt, wodurch der Baufonds für ein Waisenhaus kompletjrt worden ist. — Durch Oberrabbiner Servi, den Herausgeber des Bessiüo Jsraelitico, hat der König von Italien ^seinen jüdischen Unterthanen den herzlichsten Dank ausdrücken lassen für die vielen Beweise ihrer Anhängigkeit für das Haus Savoyen, welche sie bei Gelegenheit der Hochzeit des Kronprinzen wiederum gezeigt haben. — Nach einem Reuterschen Telegramm sind in mehreren marokkanischen Städten Angriffe auf die Judenviertel vorgekommen, und zwar in Fez, Laraicle, Meguinez und Sherada. In Fez wurden viele Häuser zerstört und der Pöbel versetzte die ganze Gegend in Schrecken. / Es verlautet leider nichtdaß. von Seiten der Regierung Maßregeln getroffen worden sind, um. die Wiederholung dieser Vorkommnisse zu.verhüten. — Wie der „Levant Herald" berichtet, bewirbt sich jetzt eine englische Gesell-' schaff in Kairo und Konstantinopel um, die Konzession zu einer Bahn von Port Said durch die Sinai-Halbinsel und die arabische Halbinsel nach Kuweit am?Persischen Meerbusenwelche die Route Alexan- 'drien-Bombay. bedeutend abkürzen soll. Die Bahn würde am Füße des Berges. Sinai vorbeilaufen, um von dort nach Akaba am gleichnamigen? Meerbusen und dann weiter durch Arabien zu:führen. — In Ka pstad t ist die Zahl der jüdischen Schüler der -öffentlichen Schule der jüdischen Gemeinde auf nahezu 200 Knaben und Mädchen gestiegen. Der kürzlich. veröffentlichte Bericht des -staatlichen Schulinspektors ist des Lobes-voll ffür die außerordentlichen Leistungen dieses Institutes.- . . j - ’ Druck und Verlag vvn Ru v vlf Äi o ss e in Berlin. ' Verantwortlich für dreMedaktion: Max Bauchwitz in-Berlin. - - '/

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