Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1887)
- Date
- 1887-12-29
- Page
- Seite 831 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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831 Nachtrag. Berlin, 22. Dez. Es ist sehr bezeichnend, wie jetzt von konservativer Seite mit Bezug auf die Reichstagssitzung vom 15. d. gesucht wird abzuwühlen und abzuschwächen. Wir lesen in der „National-Zeitung": „In der Reichstags-Sitzung vom Donnerstag hat ein Theil der konservativen Partei der absurden Judenhetzrede des Herrn Böckel lebhaften Beifall gezollt. Ob die Herren, welche soeben die Getreidezolle behufs Steigerung des Brodworden sind, und daß nur dieser den anscheinend erheblichen Erfolg der Berliner Bewegung zu Wege gebracht hat, freilich mit der Wirkung, daß „weitere Kreise" (auch die Geheimräthe) sich von derselben fern halten. Aus dem Kartell der nationalen Parteien müsse „jede gegen bestimmte Gesellschaftsklassen oder religiöse Bekenntnisse gerichtete Spitze" (noch deutlicher heißt es später „Judenhetze") ausgeschlossen bleiben." Dresden, 20. Dez. Wenn sich Menschen aus eigennützigen Absichten und in niedrigen Leidenschaften verbinden, so ist nichts natürlicher, als daß zwischen ihnen Streit entsteht und sie sich gegenseitig entlarven. Dies findet gegenpreises erhöhten, durch ihr Bravo zu der Hetze gegen „jüdische wärtig in Berlin unter den Antisemiten statt, aber nicht Brodvertheuerer" in Vergessenheit bringen wollten, daß seit! minder in Dresden. Hierüber giebt folgende Corresp. der Jahr und Tag unter umfassender Betheiligung j „Franks. Ztg." Auskunft: „Ein Bruderzwist ist anläßlich der agrarischer Großgrundbesitzer eine beispiellose Jobberei an den Produktenbörsen stattgefunden, das lassen wir dahingestellt. Mit Bezug auf den skandalösen Vorgang wird uns von hervorragender Seite geschrieben: „In den vor einigen Tagen von der „National-Zeitung" auszugsweise mitgetheilten Artikeln der „Nordd. Allgem. Ztg." unlängst stattgehabten Stadtverordneten-Wahlen zwischen den hiesigen konservativen Antisemiten und den antisemitischen Konservativen ausgebrochen, welcher die Gemüther nicht zur Ruhe kommen lassen will. Der Kampf, welcher seitens der Konservativen gegen den ehemaligen antisemitisch-konservativen Reichstagsabgeordneten Hartwig in Scene gesetzt wurde, um diesen aus dem Stadtverordneten-Collegium zu verdrängen, kennzeichnet das Regierungsblatt mit völlig unzweideutiger! hatte seiner Zeit der „Deutschen Wacht", dem Organe der Schärfe die Stellung der Regierung zu der hochkirchlichen hiesigen Reformer, Veranlassung gegeben zu scharfen Angriffen Partei wie zur antisemitischen Bewegung. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir in denselben die Anschauungen der maßgebendsten Persönlichkeiten finden. Speziell Fürst Bismarck ist ein zu tiefblickender Staatsmann, als daß ihm die Gefahr entgehen könnte, welche die Verquickung von religiösem Fanatismus und von niedrigem Neid mit angeblichem politischen Konservatismus für unser öffentliches Leben mit sich führt und Jahre lang heraufbeschworen hat. In einem früheren, gegen die „Neue Preußische Zeitung" gerichteten Artikel heißt es: gegen die Herren Ackermann und Dr. Mehnert. Aus Anlaß dieses Vorgehens wurde nun in der letzten Stadtverordneten- Sitzung der Antrag eingebracht, Herrn Hofrath Ackermann, dem langjährigen Vorsitzenden des Collegiums, ein Vertrauensvotum zu übermitteln, ein Vorschlag, der einstimmig genehmigt wurde. Gleichzeitig sprach man auch itt jener Sitzung sein Bedauern darüber aus, daß es in Dresden eine Presse gebe, welche derartigen Angriffen Ausdruck verleihe. Auch Herr Hartwig, den man allgemein für den Verfasser jenes Artikels in der „Deutschen Wacht" hält, hat für jenes Ver- Wenn eine der Parteien noch politische Elemente in sich! trauensvotum gestimmt, und zwar soll er diese Haltung dabirgt, die keinen Frieden zu halten vermögen, die kurzsichtig > mit motivirt haben, daß jene Angriffe dem konservativen genug sind, die Sonderinteressen der politischen oder religiösen Fraktion, der sie angehören, für das Wesentliche zu Parteiführer, nicht aber dem Stadtverordneten-Vorsteher Hofrath Ackermann gegolten haben. Die „Deutsche Wacht" aber halten, so wünschen wir, daß diese Gegner des Kartells doch setzt grade in Folge dieser Kundgebung den Kampf gegen noch genug patriotisches Empfinden besitzen, um auf eine weitere politische Thätigkeit zu verzichten. Herr Stöcker hat mit seiner Resignation bei den letzten Wahlen darin ein anerkennenswerthes Beispiel gegeben. Damit ist deutlich genug ausgesprochen, daß die antisemitischen Bestrebungen dem Staatswohle zuwiderlaufen. Noch unzweideutiger wird in dem zweiten Artikel gesagt, daß die „Christlich-Sozialen" weder in den Rahmen des „Kartells" noch gar in den Rahmen der „konservativen Partei, soweit und sobald diese politische Arbeit zu leisten entschlossen ist", passen; daß die etwa berechtigten Bestrebungen der „Christlich- Soziglen" künstlich mit dem „Antisemitismus" verknüpfte die Konservativen energisch fort und erklärt Herrn Ackermann nunmehr für einen Jugendgenossen, weil sein Compagnon, der Rechtsanwalt Dr. Töplitz angeblich jüdischen Kreisen entstammen soll. Nach den Aeußerungen zu schließen, welche in der letzten Stadtverordneten-Sitzung fielen, erscheint es übrigens nicht ausgeschlossen, daß diese kartellbrüderliche Fehde noch ein Nachspiel vor dem Strafrichter finden wird."