Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1887)
- Date
- 1887-12-08
- Page
- Seite 783 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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783 der Wissenschaft erklärten die Wandelung aus der Natur der Insel, die keinen geradlinigen Menschen dulde. - Die Prinzessin heirathete den Fremdling. Man sieht, wie gar sonderbare Lectüre dem Knaben in die Hände fiel. Wir selbst besaßen wenige Bücher, aber mein Bruder schaffte stets neue herbei, die er seinen Kameraden entlieh, natürlich ohne Auswahl, und die ich dann, wie man zu sagen pflegt, verschlang. Das Gute hatte dies, daß wir die Lücken, welche der Schulunterricht ließ, durch Lectüre aussüllten, namentlich durch Geschichts- und Reisebücher. — In demselben Jahre starb der Herzog Friedrich Franz und sein Enkel Leopold Friedrich trat die Regierung an. Er war ein schöner ritterlicher Mann, voll Wohlwollens und Gerechligkeit, nur sagte man ihm nach, daß er Zu wenig Selbstvertrauen besaß und deshalb seinen Räthen zu viel Gehör gab. Er heirathete eine preußische Prinzessin und hielt mit seiner jungen Gemahlin einen feierlichen Einzug. Es waren prächtige Triumphbögen errichtet und eine große Schaar junger Mädchen, weiß gekleidet, mit Kränzen in den Händen, war aufgestellt, sie zu empfangen. Meine Schwester war zu diesen mitgewählt; ich wurde noch zu Hause gehalten. Da kam meine Schwester weinend und jammernd zurück: nun hätte sie keine Freude mehr im Leben! Ihr Kranz war ihr nämlich im Gedränge zerrissen worden. Es versteht sich, daß ich mit schrie. Doch die Mutter schnell gefaßt, stellte dewKranz leidlich wieder her und mein Bruder begleitete sie nach dem Empfangsthore zurück. Der Magistrat hatte die Vorsteher der Gemeinde aufgefordert, in jeder Beziehung an den Feierlichkeiten Theil zu nehmen, was mit Freuden ausgenommen ward. Ich wohnte der Feier in der Synagoge bei, wo Wolf, wie Alle versicherten, eine treffliche Predigt hielt, von der ich freilich nichts verstand. Dennoch machte diese Feier, die von dem gewöhnlichen Gottesdienst so sehr verschieden und von Instrumentalmusik begleitet war, einen tiefen und besonderen Eindruck auf die junge Knabenseele. (Fortsetzung folgt.) Nachtrag. Berlin, 2. December. Unter den an den Bundesrath gelangten Jnitiativ-Beschlüssen des Reichstages in der vorigen Session war auch die Resolution auf die Petition der Thierschutzvereine. Der Bundesrath beschloß, daß die Erörterung noch nicht beendet seien, das heißt wohl die Sache auf sich beruhen zu lassen. — Die „Kreuzzeitung" klagte zunächst, daß in Schlesien unter den Gutsbesitzern sich bereits 8 (?) Cohns, 3 Schottländer u. s. w. befänden, und macht dies zu einem Grund für die Erhöhung der Getreidezölle, um die gegenwärtigen Großgrundbesitzer in dem Ertrage ihrer Güter zu unterstützen, daß sie nicht zu verkaufen brauchen. Dieses Argument blieb denn auch in der Etatsberathuug, als die Redner auf die Getreidezölle kamen, nicht! ohne Nutzanwendung im Munde eines konservativen Redners. Der Socialdemokral Bebel zog den entgegengesetzten Schluß daraus. Was man auch von den Juden denken möge, sagte er, so verstehen sie doch das Geschäft. Kaufen sie also, so muß die Rente eine gute sein. Man sieht, eine jede große Parlamentsdebatte bedarf der Juden zu einer Art Hintergrund. — Biel Aufsehen macht gegenwärtig der Bericht über die Versammlung orthodox-konservativer Männer zum Besten der Stadtmission, an deren Spitze Stöcker steht, welcher Versammlung der Prinz und die Prinzessin Wilhelm beiwohnten, und wo der Prinz eine längere Ansprache zu Gunsten der Stöcker'schen Mission, die doch durchaus nicht ohne spezifischpolitische Tendenzen ist, hielt. Junge Mädchen werden — behufs höherer Ausbildung — wie Schulpflichtige freundlichst ausgenommen im israel. Pensionate von Frau Alma Silbermann, gepr. Lehrerin. Berlin W, Magdeburgers^. 36._[4889 Arima Kammelffeisch von nur feinsten, schweren ostfries. Lämmern und Hammeln, streng ohne Hals, versendet pr. 93/4 Psv. franko für 4V4 bis 4V2 Mark pr.Nachn. Größere Quantitäten billiger. Dieses wirklich pikante Fleisch eignet sich sowohl zum Frischesten, als auch z. Wurst u. Räuchern. Amtlich Angestellte erh. f. Besch, v. Ordres entspr. Vergütung. sB.5224 Isaae de Beer junior, Emden (Ostfriesl.) Anzeigen. v St entölter, leicht löslicher 0 Cacao. Unter diesem Handelsnamen empfehlen wir einen in Wohlgeschmaclc, hoher Nährkraft, leichter Verdaulichkeit und der Möglichkeit schnellster Zubereitung (ein Aufguss kochenden Wassers ergiebt sogleich das fertigeGetränk)unübertreffl. Cacao. Preis per^ */4 Pfd.-Dose 850 300 150 75 Pfennige. Dresden Handbuch der israelitischen Geschichte von der Zeit des Bibelalbsclilusses Ms zur Gegenwart, von Emanuel Hecht. In der 3. Auflage gänzlich umgearbeitet von Rabbiner Dr. M. Kayserling* in Budapest. 5. Anfl. 1884. Geb. Preis 1 Mk. 80 Pf. In seiner gegenwärtigen Bearbeitung ein vorzügliches Buch, dessen Nachfrage in der That auch in letzter Zeit mit jedem Jahr sich gesteigert hat.