Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1887)
- Date
- 1887-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippson in Bonn. GspööiLion: Leipzig, Woßptcrh 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 8. Dezember 1887. Nr. 49. IabaU. Leitende Artikel: Die Juden in Spanien. — Juden und Jndogermanen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Köln, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Aus Bayern. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris. — Rußland: Nikolajew. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Aus meiner Knabenzeit. — Nachtrag: Berlin. Seifo'nb* dzti&eL Bonn, den 4. Dezember. Die Juden in Spanien. Von Senator Lapuya in Madrid. Wir erhielten soeben aus Madrid die ersten Nummern einer halbmonatlichen Zeitschrift in deutscher Sprache „Spanisch- Deutsche Revue für Literatur, Politik und Handel". Daß dieselbe eine liberale Richtung verfolgt, kann man schon daraus ersehen, daß sie unter Anderem den Anfang eines politischen Romans von Emilio Castelar bringt. Was unsere Aufmerksamkeit auf diese neue Erscheinung zieht, ist, daß in diesen ersten Nr. ein längerer Artikel: „Die Inden in Spanien^, von I. L. Lapuya aufängt. Es handelt sich in demselben um die Einwanderung von Inden in Spanien. Bekanntlich waren wir es, welche den ersten Versuch seit der liberalen Wendung des öffentlichen Geistes in Spanien, diese Einwanderung gesetzlich zu ermöglichen, schon vor dreißig Jahren gemacht. Seitdem haben wir diese Frage niemals außer Augen gelassen. Denn wir erblicken darin nicht blos das sociale Motiv, einer Anzahl bedrängter Juden eine Zufluchtsstätte mehr in diesem schönen Lande zu verschaffen, sondern auch eine Sühne für jenes nationale Verbrechen von 1492 und für die zahllosen Opfer, welche der spanische Fanatismus in den Kerkern und auf dem Scheiterhaufen aus der Reihe der zur katholischen Kirche zwangsweise übergetretenen Juden gebracht hat, und eine Rechtfertigung für die damals verbannten Juden. Unsere Leser wissen, daß jüngst der Senator Lapuya die Einwanderung von Inden in Spanien wieder auf die Tagesordnung gebracht und ein Comite zur Förderung derselben gebildet hat. Mag nun seine Bemühung mehr oder weniger Erfolg haben, so ist doch schon die Auffrischung dieser Idee ein Verdienst; denn sie wird doch so lange immer wieder erscheinen, bis sie verwirklicht worden. Wir sehen daher die Bestrebungen Lapuyav als eine neue Etappe zu diesem Ziele an, und da er sich nun in dem angeführten Artikel ausführlich aussprechen will, wie er denn seiner Ueberschrift hinzufügt: „Vorgeschichte, Dokumente und Bericht über die projectirte Judeneinwanderung", so halten wir uns für verpflichtet, aus seiner Darstellung das Wichtigste mitzutheilen, heute so weit der erste Theil des Aufsatzes, wie er in den ersten Nr. der neuen Zeitschrift enthalten ist, reicht. „Im Bolletin der Gesellschaft für Handelsgeographie las ich vor einiger Zeit die Aufforderung eines rumänischen Juden an die spanischen Schriftsteller, mit den sog. spanischorientalischen Juden in literarische und conunercielle Beziehungen zu treten. Ich beantwortete diesen Brief kurz und ohne in Einzelnheiten einzugehen, wie es geboten war, da ich den Briefschreiber nicht kannte und knüpfte an die Befürwortung der Idee einige nichtssagende Phrasen an. Weder hatte ich an einen beachtungswerthen Erfolg der Sache gedacht, noch Hatteich irgend ein Motiv, einensolchenzu erwarten, sondern glaubte, daß dadurch bloß der Weg zu neuen Initiativen eröffnet werden könne, die mit der Zeit Früchte tragen würden. Das war meine Absicht, — das Ergebniß sollte aber 49