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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-11-17 · Heft 46 (17.11.1887) · p. Seite 734

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 46 (17.11.1887)
Date
1887-11-17
Page
Seite 734 (sequence 14)
Language
German
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734 wo die Mutter sich doch dessen freute. Die Schützengilde hatte auch einen schönen, am Fluß gelegenen „Bürgergarten", aber er war durch hohe Mauern vor jedem Einblick des Volkes geschützt und wurde als ein unbekanntes Eldorado betrachtet. Doch genug. Kommen wir jetzt zu der jüdischen Gemeinde, welche damals ein Culturbild für sich darbot. (Fortsetzung folgt.) Essen, 3. Nov. Erwiderung. Das Lesebuch von Haesters-Richter für die Mittel- und Oberstufe, für israelitische Schulen bearbeitet von M. Blumenfeld vor dem Nichterstuhle der israelitischen Lehrer-Conferenz in Emden. (Siehe Nr. 43 d. A. Z. d. I.) Dem redlichen Arbeiter, der vorwärts strebt, kann eine aufrichtige Beurtheilung seiner Arbeit nur erwünscht sein. Wird er doch dadurch ans etwaige Mängel aufmerksam gemacht, die er bei seiner ferneren Thätigkeit zu vermeiden hat. Mitunter aber geht die Kritik von ganz falschen Grundsätzen aus und ist dadurch für den Arbeiter größtentheils werthlos. Letzteres ist zu meinem Bedauern der Fall bei den wohlgemeinten Verhandlungen der p. Conferenz über die genannten Bücher. Für diese meine Behauptung will ich den Beweis nicht schuldig bleiben. Welche Anforderungen stellt die Vorgesetzte Behörde an ei» deutsches Lesebuch? Die Beantwortung dieser Frage muß dem Verfasser als Richtschnur dienen, wenn er dem Buche Eingang in die Schulen verschaffen will. Hören wir darüber die „Allgemeinen Bestimmungen rc. vom 15. October 1872." Da heißt es: „Unter den einzuführenden Lesebüchern verdienen diejenigen den Vorzug, welche in ihrer Form correct sind und auch in den geschichtlichen und realistischen Theilen nicht eigene Ausarbeitungen der Herausgeber, sondern Proben aus den besten populären Darstellungen der Meister auf diesem Gebiete geben, und welche sich von kirchlichen und politischen Tendenzen frei halten". Diese Bestimmungen sind heute noch maßgebend, stehen auch im Einklänge mit den Anschauungen der größten Pädagogen der Vergangenheit und Gegenwart. — Diesterweg sagt: „Das Lesebuch soll das allgemeine Wahre, Gute und Schöne in entsprechender Form darstellen." Dem entgegen verlangt Herr Rabbiner vr. Buchholz in seiner von der Conferenz angenommenen Resolution, daß das deutsche Lesebuch für israelitische Schulen jüdische Eigenthümlichkeiten (?) enthalten soll, welche geeignet sind, das Interesse der Kinder für die Lehre des Judenthums und jüdisches Leben zu wecken. Glauben denn die Herren, daß die ministerielle Genehmigung zur Einführung eines Buches gegeben wird, in welchem solche Tendenzen in den Vordergrund gestellt werden? Ich glaube es nicht. Zur Erreichung solcher Zwecke ist der Religionsunterricht da, nicht das Lesebuch. Wenn Hr. vr. B. den wenig methodischen Fortschritt in beiden Büchern bemängelt, so muß ich diese unbewiesene Behauptung zurückweisen. Die Namen Haesters und Richter, ferner die ministerielle Genehmigung nach sorgfältiger Prüfung, dürften die Bücher wohl vor einem solchen Borwurf schützen. Die sonstigen Ausstellungen kann ich füglich übergehen; sie erledigen sich von selbst, wenn die Kritiker nur bedenken wollen, daß das Lesebuch den Unterricht in den Realien nicht ersetzen kann und soll, es soll vielmehr nur anmuthige Darstellungen über einzelne Partien liefern. Berechtigten Wünschen komme ich übrigens sehr gern entgegen und darf versichern, daß auch der Verleger stets bereit ist, alles zu thun, was die Brauchbarkeit der Bücher erhöhen kann. Blumenfeld, emerit. Hauptlehrer. Correspondery. Berlin, 15. November. Der Berliner „Esra-Verband" Palästina-Verein) veranstaltete im Saale der Gesellschaft der Freunde einen Cyclus von drei Vorträgen. Der erste Vortragende, Herr vr. Gustav Karpeles, sprach am 26. v. M. über „den Palästina-Gedanken in der Poesie des Judenthums". Der Redner rief den zahlreich erschienenen Gästen, beiderlei Geschlechts, die längst verhallten Lieder Zions in Erinnerung zurück und schilderte in blumenreicher Sprache den Geist der jüdischen Poesie, der nur dann die Herzen erobert, wenn die Worte des Psalmisten: „Sollte ich dich vergessen, Jerusalem, so versage meine Rechte" ihm zu Grunde liegen. Am 2. d. M. sprach Herr Cand. phil. Julius Steinschneider über „jüdische Geschichtsschreiber", mit besonderer Berücksichtigung des Professor Graetz. Der Vortragende entwarf in seiner formvollendeten, wohldurchdachten Rede ein klares, nach allen Seiten hin unverfälschtes Bild des in jüngsten Tagen von aller Welt so sehr gefeierten jüdischen Historikers, welches Bild wir wohl als ein gut gelungenes bezeichnen dürfen. Der dritte und in diesem Quartal der letzte Vortrag, wird ebenfalls von Herrn I. St. gehalten werden. Das angegebene Thema lautet: „Was könnte Palästina den Juden fein. — Obwohl ich als hebräischer Publicist kein besonderer Freund von Predigten bin — natürlich sind hier die Predigten der alten Kanzelredner nicht gemeint; Mannheimer, Philippson und Jellinek's Reden sind bereits seit vielen Jahren in's Hebräische übertragen und somit Gemeingut von

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