Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1887)
- Date
- 1887-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227663-3227710--44855-3267159- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Allgemeine y des Iudenlhums. Cm unparteiisches Organ für alles jiidische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. Gspeöition: Leipzig, Woßplatz 17. In redaetionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 17. November 1887. Nr. 46. lakait. Leitende Artikel: Renan und die Geschichte des Volkes Israel. — Eine Erklärung. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Aus Schlesien, Jnowrazlaw, Frankfurt a. M., Bosen. — Oesterreick-Ungarn: Wien, Pest. — Bulgarien: Sosia. — Rußland: Turek. — Marokko: Tanger. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Aus meiner Kuabenzeit. — Erwiderung. — Correspondenz. Slc’itcwbc CUlißef. Bonn, den 13. November. Henau und die Geschichte des Volkes Israel. ii. Der erste Band von Renan's üistoirs du peuple d’Israel (Paris, Calmann-Levy, 1887) liegt uns nun vor und fordert uns zu mancherlei Betrachtungen auf. Die Vorrede hat einen viel größeren Umfang als durch den Temps mitgetheilt worden. Sie enthält noch Vieles, worüber sich mit dem Verf. streiten ließe; aber wir halten es für angemessener, das Werk selbst in Betracht zu ziehen. Nur die Schlußsätze der Vorrede mögen wir wiedergeben, sie gewisser »laßen ein Bekenntniß der gegenwärtige» Ansichten Renan's enthalten. Den Skeptikern, Materialisten und Naturalisten gegenüber, behauptet er die Ewigkeit der Religion. Sie „wohnt in dem Herzen des Menschen", sagt er. „Ihr werdet sie niemals daraus verjagen. Die Gerechtigkeit, das Wahre, das Gute werden durch eine höhere Macht gewollt. Der Fortschritt der Vernunft war nur für die falschen Götter verderblich. Der wahre Gott des Weltalls, der einzige Gott, derjenige, welchen man verehrt, indem man eine gute Handlung vollzieht, oder indem inan eine Wahrheit sucht, oder indem man die Menschen gut berathet, besteht für die Ewigkeit. Es ist die Gewißheit, nach meiner Weise, trotz aller Art von Mängeln, dieser herrlichen Sache gedient zu haben, welche mir ein absolutes Vertrauen aus die göttliche Allgüte einflößt. Selbst wenn ich in diesem Buche in einigen Punkten übel gefolgert hätte, bin ich dennoch sicher, das einzige Werk in seiner Gesammtheit gut aufgefaßtzu haben, welches der Odem Gottes, das heißt die Weltseele, durch Israel verwirklicht hat." Hiermit können wir vom Standpunkte des Judenthums ans uns nur einverstanden erklären, und präciser hat den dogmatischen und geschichtlichen Lehrinhalt des Judenthums noch Niemand ausgedrückt. Das erste Buch behandelt „die Bene-Israel im nomadischen Zustand, bis zu ihrer Niederlassung in dem Lande Canaan", und das erste Kapitel „Ankunft der Semiten in Syrien — die Canaaniter." Renan beginnt mit der Entwickelung der Menschheit, die er ans thierischem Zustande sich heraufarbeiten läßt zur allmätig eintretenden Cultur, wozu sie viele Jahrtausende gebraucht hätte. Als Hauptfactoren sieht er die Sprache und die Begründung der Familie an. Wir fügen hinzu, was Renan unterläßt, daß die heilige Schrift in ihren ersten Kapiteln dasselbe besagt: die Sprache, welche Adam schon und zwar ans sich selbst erfindet, und die Familie, die in Adam und Eva, in Kain und Abel ihre erste Grundlage findet. Selbstverständlich läßt sich Renan, nicht wie die Schrift in ihrem Lapidarstyle thaisächlich, sondern in weitgehenden Reflexionen aus. Er berührt hier alle die Probleme, welche gegenwärtig als Urgeschichte des Menschengeschlechtes ventilirt werden, bei jedem Denker eine andere Gestalt annehmen und schließlich unlösbar sind. Namentlich beschäftigt ihn der Ursprung der verschiedenen Sprachen, und bleibt er hier an dem Widerspruche 46