Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1887)
- Date
- 1887-10-20
- Page
- Seite 671 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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671 hatte, dann aber seinen Namen wieder ausstreichen ließ. In der Partie der vorliegenden Schrift, in welcher Vogel den Menschen Hans von Bülow bespricht und zu rechtfertigen sucht (S. 20) sagt er: „Was aber kann manchen Zeitungsschreiber mehr gegen Bülow in Harnisch bringen, als die Thatsache, daß der große Künstler dem Antisemitismus huldigt? Nun, dafür soll man ihm doch die Verantwortung allein überlassen? Es muß jedem freistehen, von den Juden zu halten was er will und daß zwischen theoretischem und practischem Antisemitismus immer noch ein großer Unterschied obwaltet, beweist er selbst am besten; er gefällt sich keineswegs in rabiater Judenfresserei, seine geschäftlichen Unternehmungen, Concertreisen und Correspondenzen führen ihn oft genug mit den Kindern Israels zusammen und im persönlichen Verkehr mit ihnen ist er bald ebenso kratzbürstig und liebenswürdig wie mit anderen Leuten, mögen sie nun Protestanten, Katholiken, Dissidenten oder sonst wie heißen." — Eine eigenthümliche Weisheit des Herrn Vogel: Für seinen Antisemitismus „soll man ihm die Verantwortung allein überlassen". Niemand macht Herrn Vogel für den Antisemitismus „des großen Künstlers" verantwortlich. Darum bleibt aber doch Hans von Bülow dafür verantwortlich. Auch das ist eine große Weisheit, daß „es Jedem sreistehen muß, von den Juden zu halten, was er will". Dafür aber muß es Anderen und auch den „Zeitungsschreibern" freistehen, Herrn v. Bülow in dieser Beziehung für einen einseitigen und beschränkten Kopf zu erklären — was mit seiner Künstlergröße nichts zu thun hat. Freilich kann Jeder eine Meinung haben „wie er will"; der Antisemitismus ist aber als Meinung zugleich ein Bornrtheil, und alle Meinungsfreiheit behindert nicht, denjenigen eines Vorurtheils zu bezichigten, der es hegt und bekennt. Wenn über eine große, durch alle Länder zerstreute, zu den verschiedensten Nationalitäten, Culturgraden und Bildungsstufen gehörende Masse eine absprechende, ja gehässige Meinung gehegt und bethätigt wird, namentlich wenn sie sich auf die Meinungen einer dunklen Vergangenheit stützt, so ist sie ein Bornrtheil, und der sie hegt, ist beschränkt und verschließt sein Auge vor den sprechendsten Thatsachen. Ihn nach dieser Richtung hin zu verurtheilen, ist nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht. Daß Herr von Bülow auf seinen Kunstreisen auch mit Juden verkehrt, wo es ihm nöthig erscheint, daß er sogar gegen sie „liebenswürdig" sein kann, das ist kein Unterschied zwischen theoretischem und practischem Antisemitismus, das ist einfach die Forderung seines eigenen Nutzens, da er selbst in Schaden geriethe, wenn er sich anders verhielte. Man kann täglich Antisemiten begegnen, welche ausrufen: „Kauft bei keinem Juden!" die aber sehr höflich, bescheiden und zuvorkommend sind, wenn sie an Juden etwas verkaufen können. Diese Rechtfertigung seines Schützlings ist also Herrn Vogel sehr mißlungen. Im Gegentheil, man hätte vielleicht längst die antisemitischen Allüren des Herrn v. Bülow vergessen, wenn sein Lobredner sie nicht wieder anfgetischt und bestätigt hätte. Berichtigungen. S. 636 Sp. 2 Z. 27 ist „von S. Bacher" einzuschalten. Z. 31 l. Rabener st. Gabener, Z. 35 l. welchen st welchem. Anzeigen. QA*un werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächstvC folgende Wochennummer bis spätestens Sonnabend eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. In der jüdischen Gemeinde zu Saarwellingen, Kreis Saarlouis, ist die Stelle eines Nemmlarlckrers, Canior u. Stüotüef, sofort zu besetzen. Einkommen ca. 1500 M. jährlich nebst freier Wohnung. [La4li2 Offerten erbeten an den Vorstand Daniel Levi I. Eine junge Dame aus guter Familie, geprüfte preussische Lehrerin, welche schon längere Zeit in England unterrichtet hat und die französische und englische Sprache vollkommen beherrscht, sucht Stellung als Erzieherin im In- oder Auslande auf gleich oder später. Gefl. Offerten L. Oeltzenstr. 15, Hannover. 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