Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-13 · Heft 41 (13.10.1887) · p. Seite 655

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 41 (13.10.1887)
Date
1887-10-13
Page
Seite 655 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227705--44782-3267081
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

655 Auch nahm ich ihre Einladung zum Mittagsbrode an, was mir Gelegenheit bvt, die vortreffliche Frau Simon Szanto und das schöne Familienleben kennen zu lernen. Da die Schulen geschlossen waren, konnte ich nur die Taubstummen- Lehranstalt des Dr. Deutsch besuchen, und habe schon früher (s. Jhrg. 1853) wiederholt die Bewunderung ausgesprochen, die mir die sorgfältige Prüfung dieser mustergültigen Anstalt einflößte. War ich doch bis zu Thränen gerührt, als ich diese, vom Geschick so hart getroffene Jugend, zu so großer Befähigung, Sprechende zu verstehen und sich verständlich zu machen, gebracht sah. Seitdem besteht diese Anstalt die drei Jahrzehnte, die seitdem verflossen, in ungeminderter Wirksamkeit, ja in rühmlichem Wachsthum zu großer Ehre des Gründers und zum Segen für so zahlreiche Menschen. Außerdem besuchte ich noch den Kindergarten des Herrn und der Frau Leidesdorf, deren Verdienst um so anerkennenswerther war, als sie diese Anstalt erst vor Kurzem mit Ueberwindung vieler Schwierigkeiten ins Leben rufen konnten. Die in ihrem Fache sehr gewandte Dame nahm noch meine besondere Theilnahme in Anspruch, als sie eine Landsmännin, die Tochter eines meiner Jugendlehrer war und wir so heitere Erinnerungen austauschen konnten. Die Anstalt erfreute sich eines thatkräftigen Patrons in dem Herrn Joseph Ritter von Wertheimer und kam so bald zu größerer Blüthe. — Aber ich kann von diesen Erinnerungen nicht scheiden, ohne noch einmal zu vr. Adolf Fischhof zurückzukehren. Ich sehe sie noch vor mir, die edle, vornehme und imponirende Gestalt, einer der schönsten Männer, die ich je gesehen, mit dem die vollste Humanität ausdrückenden Gesicht und den leuchtenden blauen Augen. In der revolutionären Bewegung war er bald von den fanatischen Radicalen zurückgedrängt worden, und ohne jemals seine volle liberale Ueberzeugung in Wort und That irgend zu verleugnen, hatte er sich doch von allen extremen Kundgebungen zurückgehalten, deren ungerechte und nachtheilige Wirkung ihm nicht verborgen geblieben. Jetzt, unter der Herrschaft unbedingter Reaction, behielt er gewissenhaft seine Stellung bei und sah verachtend auf den Servilismus herab, der sich, nicht zu bleibendem Bortheil, für die herrschenden Kreise breit machte. Aber seine Ueberzeugung war, daß für Oesterreich nur der Föderativstaat einen Bestand verbürgte, und dies widersprach auch der späteren liberalen Strömung, so daß Fischhof, der seine Ansichten in mehrfachen, sehr beachteten Aeußerungen in der Presse kundgab, in politischem Hintergründe verblieb. Jnsonders dankbar erinnerlich ist mir ein Nachmittag geblieben, wo er mit mehreren höchst achtungswerthen Freunden mir eine große Wassermelone mit feinstem Rheinwein zum Besten gab. Die Unterhaltung war so onimirt, und nach so vielen Seiten belehrend und ergötzlich, daß wir uns erst spät am Abend mit wahrer Herzensbefriedigung trennten. Es gereicht mir zum angenehmen Gedenken, daß die Freunde Wolf, Frankl, Fischhof und Sulzer sich noch heute mit mir des Lebens erfreuen und die beiden ersteren mit mir zu gegenseitigem Nutzen in unmittelbarer Verbindung blieben. Hatte ich doch auch das Glück, beide noch einige Male bei mir zu sehen. Sulzer traf ich noch 1869 auf der ersten Synode in Leipzig, und war er noch immer der bewegliche und empfängliche Mann. Wie begeistert siel er mir mitten in der Versammlung um den Hals, als ich von der Tribüne herabstieg, wo ich in längerer Rede meinen bekannten Antrag motivirt hatte. Solche jugendliche Regung in einem viel bewährten Greise wahrzunehmen, ist erfreulich und läßt die Wirkung der Jahre vergessen. — Doch muß ich noch einer Bekanntschaft gedenken, die ich in Wien machte. Es war dies Leopold Löw. Ec gehörte, da er noch Hofmeister in Wien war, zu den ersten Correspondenten der Allg. Ztg. d. Jud. Während seiner harten Kämpfe als Rabbiner in Papa stand ich ihm, so weit dies durch die Zeitung möglich war, redlich zur Seite. Nach seiner Versetzung nach Szegedin schwieg er. Zufällig war er mit Familie in Wien während meines Aufenthaltes daselbst. Wir waren einige Male zusammen, unterhielten uns eifrig über die Angelegenheiten des Judenthums, aber, ich muß cs sagen, trotz seiner immer bereiten Gelehrsamkeit und seiner äußeren kräftigen Erscheinung, berührten wir uns nicht sympathisch. Erst auf der Synode in Leipzig kamen wir uns wieder etwas näher, und ich übernahm mit Zustimmung Goldschmidt's und Herzfeld's für das Institut die Herausgabe seiner lehrreichen Schrift über die Graphik im Talmud. Von der zweiten Synode aus besuchte er mich auf einige Stunden in Bonn und wir schieden in Frieden von einander. — Zum Scheiden kam es nun auch von der schönen Donaustadt, von welcher ich mich mit dankbaren Gefühlen trennte. Gin Mirfiiiu bei freier Station I wird für mein Bettfedergeschäft en gros ■?o(ort gesucht. I Frankfurt a. Oder. fB.4687> J. Joacliimfithal. > Anzeigen. Zunge Mädchen VÄ?? sellschastlichen u. häuslichen Ausbildung liebevolle Aufnahme u. angenehmen Aufenthalt in einer feinen israelitischen Familie Aachens. Vorzügliche Empfehlungen. Gefl. franko Offerten unter E. 5488 au Rudolf Masse, Cölu. M. 542 Israelitisches Pensionat zur Ausbildung junger Mädchen u. für Schulpflichtige von Frau Alma Silbermann gepr. Lehrerin, Berlin W., Magdeburgerstr. 36. [SÖ.H932

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.