Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1887)
- Date
- 1887-09-29
- Page
- Seite 623 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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623 historischen Reminiscenzen zur Beschimpfung der israelitischen Religion und eine rohe Herabsetzung der letzteren. Die an die Geschworenen gemäß § 166 R.-S.-G.-B. gerichtete Frage wurde von denselben nach kurzer Berathung verneint, worauf der Angeklagte freigesprochen und die Kosten der Staatskasse auferlegt wurden. (Für uns bleibt nur die Frage, ob wohl diese Geschworenen freigesprochen hätten, wenn die Spöttereien Erzählungen aus dem Neuen Testamente betroffen hätten?!) Vermischtes. Nach einer verkürzten Nachricht stammt die gegenwärtige Bevölkerung der Cap-Verdischen Inseln, die Portugal unterlvorfen sind, zu einem großen Theile von den Judenkindern ab, welche die portugiesische Regierung bei der Vertreibung der Juden geraubt, taufen ließ und nach diesen Inseln transportirte. Wo finden wir die zersprengten Nachkommen Israels nicht? Der Herzog Ernst von Hessen-Rheinfels (1623 — 1629) hat eine Schrift zur Vertheidigung der Juden verfaßt, in welcher er das Recht auf eine milde, menschenfreundliche Behandlung denselben zusprach, und sich vou den Borurtheilen der Zeit frei erwies. Die Abhandlung ist noch jetzt in einem der Archive vorhanden, in welche die Hinrerlassenschaft des Herzogs an Schriften sich vertheilt hat. Es ist dies gewiß eine bemerkenswerte Seltenheit aus jener Zeit und aus der Feder eines kleinen deutschen Souveräns. Vor kurzem verstarb der allbekannte Philanthrop Gustav Werner in Reutlingen, der ohne Sektirerei und Social- Demokratie große Gemeinbünde, gleich den Herrnhuter Gemeinden auf gemeinsame Arbeit und Erwerb gegründet hat, deren Hauptzweck die Erziehung armer Kinder beiderlei Geschlechts zu tüchtigen Menschen ist. Seine Schöpfungen 'in Schule, Landwirthschaft und Fabrik sind um so bewunderungswerther, als er, der abgesetzte Pastor, sie ohne alle Mittel anfing, um bald 'auch jede Unterstützung zurückwies, weil seine Anstalten sich durch die eigenen Leistungen erhalten sollten. Eine eingehende Schilderung giebt Herr Guido Weiß in der Sonntags-Beilage der Vossischen Zeitung vom 4. September. Hier interessirt uns eine Bemerkung. Werner hielt häufig Ansprache an die Mitglieder seiner Gemeinden, wozu sich immer eine Menge Zuhörer einfanden, und machte zu diesem Zwecke öftere Reisen. In diesen Ansprachen stützte er sich fast immer aus die Schriften des alten Testamentes und rief gern die socialen Einrichtungen des alten Israel an. Seine Betrachtungen zog er in der Regel aus den Sprüchen der Propheten, und entwickelte aus ihnen die Gebote der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit. Anzeigen. Ty* ClÖT,GI-f"0 wer^en 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächstd wtJ folgende Woehennummer bis spätestens Sonnabend eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Ein junger Arzt, ohne alle Geldmittel, bedarf zu seiner weheren Ausbildung resp. zu seiner Erablirung eine Summe v. ca. 3000 Mark. EdleWohlthäter, welche gesonnen sind, ihm dies, selbstverst. m. enfiprech. Verzinsung auf 5 Jahre zu leihen, werden gebeten, ihre Adresse freundlichst unter der Chiffre D. 6346 an Rudolf Mosse, Leipzig, einzusenden. _ Zur gefl. Beachtung! Den Herren Lehrern, welche das Buch einzusühren beabsichtigen, stellen wir aus Ersuchen Frei-Exemplare des Hecht - Kayserling’sclien Handbuchs der Israel. Geschichte vom Bibelabschlutz bis zur Gegenwart 5. Auslage, geb. 1 M. 80 Pf. zur Verfügung. Leipzig. Baumgartner' s Buchh. Zur Einführung zu empfehlen: Schire beth Jaacob. Israelitisches Schul- und Gemeinde-Gesangbuch zum Gebrauch beim Unterricht in der Liturgie und beim öffentlichen Gottesdienste herausgegeben von L. Liebling and B. Jacobsohn ehern. Cantor in Hamburg. Cantor in Leipzig. Preis gebunden 2 Mk. 40 Pf. Herr Cantor B. Jacobsohn ist zur Zeit mit der Ausarbeitung einer Partitur zu der Instrumentalbegleitung der in dem Werke befindlichen Gesänge beschäftigt und wird diese Partitur in einiger Zeit erscheinen. Das schon jetzt vielfach eingeführte Buch ist durch jede Buchhandlung zu beziehen. Sollte bei einer Neueinführung desselben in einer Gemeinde oder Schule eventuell eine vorherige Rücksprache sich als wünschenswerth erweisen, so wolle man sich gefl. an Herrn Cantor Jacobsohn in Leipzig, An der Pleisse 9 f I, wenden. LEIPZIG. BAUMGÄRTNER’S BUCHHANDLUNG.