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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-15 · Heft 37 (15.9.1887) · p. Seite 591

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 37 (15.9.1887)
Date
1887-09-15
Page
Seite 591 (sequence 15)
Language
German
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591 oder sie derart unterzubringen, daß sie nicht zerstört werden. Heute bestattet man die Todten in der allerprimitivsten Weise, weder Mausoleum noch sonstiges äußeres Anzeichen weist auf das Vorhandensein von menschlichen Resten. Da der Friedhof keine Umfriedung hat, wird behauptet, daß die Grabsteine verschwinden würden, wenn man welche hinsetzte. Es ist im Orient stets interessant, in Ermangelung von Dokumenten, dergleichen Ruhestätten zu besuchen. Die unbemittelte Gemeinde hegt den Wunsch, die nöthige Summe, die zur Einfriedung des Gottesackers gehört, die auf 20,000 Frcs. geschätzt wird, zu beschaffen. Ein Rabbiner, Herr Moses Askenasi, aus Constantinopel gebürtig, und früher Rabbiner in Canea, erfüllt die Functionen eines geistlichen Oberhauptes, des Schochet, des Chasan und des Lehrers der hebräischen Sprache. In dieser letzten Eigenschaft erhält er von der Regierung 60 Drachmen monatlich. Leider wird sein Religionsunterricht nicht besucht. Derselbe findet in einem der Synagoge angebauten Saal statt; jedoch wohnen demselben die Schüler, die die griechische Schule besuchen, sehr selten bei. Die Israeliten von Calchis sind gewöhnlich nicht bemittelt. Die meisten jungen Mädchen beschäftige» sich zu Hause mit Stickereien, um einige Leptas zu verdienen und ihren Eltern beizustehen. Nach den Erkundigungen, die ich in Chalcis eingezogen, gab es im Peloponnes, vor dem Freiheitskriege, mehrere jüdische Gemeinden, von denen die bedeutendste diejenige von Theben x) war, wo sich heute noch — wie es heißt — hebräische Inschriften befinden sollen. Diese Gemeinden haben unter dem zerstörenden Einfluß dieses Krieges gelitten, und ihre Ueberreste wurden nach allen Seiten zerstreut. Ich fand in Chalcis einen Glaubensgenossen mit Namen Crespin, dessen Vater aus Theben stammte. Die Gemeinden von Janina, Corfu, Zante, Canea, Volo, Larissa, zählen gewiß etliche Mitglieder, die aus Morea stammen. Ehe ich Griechenland verließ, gründete ich in Athen und Calchis Comites der Alliance. Ich stieß hierbei auf gar keine Schwierigkeiten, denn unsere dortigen Glaubensgenossen schlossen sich unserem Werke mit wahrhaftem Eifer an. 1) Theben liegt in Böotien, nicht aber im Peloponnes! Auch wohnen imsrcs Wissens noch jetzt Juden in Theben und Janina. Re da kt. Nachtrag. Oesterreich-Ungarn. Teschen, 1. September. Die Versammlung des deutschen National-Vereins in Raase verlief, wie die N. F. Pr. meldet, wieder nicht ohne Störung durch Antisemiten. Zuerst wurde von ihnen ein Wähler vorgeschoben, der den Abgeordneten Siegl interpelliren mußte, wie er seine Abstimmung gegenüber den Petitionen, betreffend das Verbot der Einwanderung russischer Juden, rechtfertigen könne. Abgeordneter Siegl hielt sich zunächst in seiner Antwort durchaus objectiv und ruhig. Aber die jungen Herren, Wiener Studenten, begannen nun, sich unpassender und herausfordernder Zwischenrufe zu bedienen und nöthigten dadurch Herrn Siegl, schonungslos das parlamentarische Wirken der Antisemiten einer verdienten abfälligen und scharfen Kritik zu unterziehen und die Schädigung nachzuweisen, welche diese Herren durch ihre maßlosen Agitationen gegen den Deutschen Schulverein der deutschen Sache angerichtet, wie sie den Ersten Wiener Turnverein gesprengt und kürzlich wieder in Krems das deutsche Turnerfest gestört, und wie die deutsche Frage ihnen erst in zweiter, der Antisemitismus in erster Reihe stehe. Die feurige Beredtsamkeit der Philippika des Herrn E. Siegl bewirkte, daß einer der Wiener Studenten nach dem andern sich lautlos aus dem Saale drückte, zumal, nachdem der Vorstand des National-Vereins ihnen bedeutet hatte, daß sie als Gäste gar kein Recht hätten, hier zu sprechen. E. Siegl erntete großen Beifall und laute Anerkennung. Rumänien. Bukarest, 5. September. (Privatmitth.) Meldung der „Pol. Korr.": Man mißt hier den Ausfällen und Agitationen des „Telegraful" in der Judenfrage, trotz der notorischen Beziehungen des Blattes zur rumänischen Regierung, die Bedeutung eines Fühlers der letzteren nicht bei, sondern erblickt in denselben ausschließlich den Ausdruck der Privatmeinung des genannten Blattes. Im Widerspruch hiermit steht eine andere Meldung der „Pol. Korr." vom 5. d. M., daß die österreichisch-ungarischen Konsular-Aemter in Rumänien verständigt wurden, daß eine Verlängerung des Schutzbefohlenen-Verhältnisses über den 1. Januar 1888 hinaus in keinem Falle stattfiude. Die Papierfabrik bei Bacau, welche durch die Bemühungen ihres Chefs Radu Porumbar und der unter seiner j Leitung befindlichen Arbeiter zu einem Heerd des Antisemi- I tismus und zum Schrecken der Juden Baeaus geworden, ist! total niedergebrannt.

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