Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1887)
- Date
- 1887-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine des Zudeniliums. Ein miMteiischcs Organ für alles jüdische JiUcrcffc. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vrerteljahrig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. GXpeöition: Leipzig, Woßplcrh 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichsalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 15. September 1887. Nr. 37. Ittbalt. Leitende Artikel: Zu den hohen Festen. — Die Spaltung des Deutschthums in Oesterreich. — Ein Aufruf zur Austreibung der Fremden aus Rumänien. — Die Dolmäh (eig. Domnäh). — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Danzig. Dortmund, Königsberg i. Pr. — Oesterreick-Ungarn: Neutra. — Rußland: Aus Warschau, Nishni Nowgorod. — Rumänien: Bukarest. — Niederlande: Amsterdam. — Großbritannien: London. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Juden in Athen und Calcis. — Nachtrag: Oesterreich-Ungarn: Teschen. — Rumänien: Bukarest. Bonn, 11. September. Zu den hoben Festen. i. „Ich, in der Fülle Deiner Gnade, komme in Dein Hans, bete an in Deinem Heiligthum in der Ehrfurcht vor Dir." „Ich freue mich, wenn man zu mir spricht: Laßt uns ins Gotteshaus gehen!" „Wie liebe ich die Stätte Deines Hauses, die Wohnung Deiner Herrlichkeit!" „Ich — es komme mein Gebet zu Dir, o Ewiger, zur Gnadenzeit, Gott, in der Fülle Deiner Huld, erhöre mich mit der Hilfe Deiner Treue!" , Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gotte: wann werde ich kommen und erscheinen vor dem Antlitz Gottes?" „Daran gedenk' ich und meine Seele ergießet sich in mir: wie ich einherzog in der Menge, mit ihnen wallete zum Hause Gottes, mit des Jubels und des Dankes Klang eine festliche Schaar!" „Ewiger, wer darf weilen in Deinem Zelte, wer darf wohnen auf Deinem heiligen Berge? Wer unsträflich wandelt, Recht verübt und Wahrheit redet mit seinem Herzen." „Wer darf den Berg des Ewigen besteigen, wer stehen an seiner heiligen Stätte? Wer rein an Händen, lauteren Herzens ist, wer nicht zum Falschen seine Seele trägt und nicht zum Truge schwört." — So hebt sich das Heiligthum empor, welches die Religion aufgebaut und durch die Jahrtausende gerettet und aufrecht erhalten hat. Die tiefste Verehrung, die wahrhaftigste Liebe, die wärmste Anbetung für Gott, den Schöpfer des Alls und den Lenker der Geschicke, die Reinheit des Herzens, die Lauterkeit unseres Thuns und Lassens, die Wahrhaftigkeit in unserem Denken und Fühlen, in unserem Sprechen und Handeln! Dieses Heiligthum baben unsere Erzväter, unser Moses und unsere Propheten, unsere Weisen und Lehrer zu aller Zeit verkündigt und durch Vorschrift und Beispiel unseren Herzen eingesenkt. Aber die Religion kann nicht blos in der Idee! bestehen, sie muß auch in die Erscheinung treten, durch eine! solche ihre Bekenner anregen und leiten, in denselben die l religiöse Ueberzeugung erfrischen und das sittliche Bewußt-!sein stärken, die sittliche Willenskraft erneuern. So hat sie!uns ein Heiligtum aufgerichtet in den hohen Festen, die im Laufe des Jahres zu uns ko »men, ehrfürchtig von uns begrüßt und heilig gehalten mit Herz und Seele. Da haben wir, wie im Heiligthum auf Morijah, gleichsam ein „Heiliges" und ein „Allerheiligstes" — Rosch Haschanah und Jom Kippur. Was ist nun der große Gedanke, der in diesem Heiligthume sichtbar, vom Menschen erfaßt, in sich ausgenommen und durch sein weiteres Leben verwirklicht werden soll? Die Läuterung und die Vergebung der Schuldhaftigkeit, die Versöhnung mit Gott, mit seinem Nächsten; mit sich selbst! Allerdings, die rechte Stufenleiter ist die Einkehr in sich selbst und die Selbsterkenntniß, dann die Aussöhnung des Nächsten und hierauf die Vergebung unserer Schuldhaftigkeit vor Gott. Dies ist der Weg zum und im Heiligthume, das die Religion unserer Väter für uns errichtet und vor uns geöffnet hat. Hierhin sollen wir zur Zeit mit all' den Gefühlen wandeln, welche unsere heiligen Sänger mit so warmen und harmonisch klingenden Worten ausgesprochen und auf unsre Lippen gelegt haben. Hier sollen wir das sr