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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-01 · Heft 35 (1.9.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 35 (1.9.1887)
Date
1887-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mltgemeine -es Zudenlhums. / Ein mpartnWcs Organ siir alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Wlippson in Bonn. GZepeöiLion: Leipzig, Wohpl«h 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 1. September 1887. Nr. 35. Inhalt. Leitende Artikel: Die Unterstützungsvereine für invalide jüdische Lehrer, Lehrer-Wittwen und Waisen. — Die amerikanische Nordpolexpedition. — Die Philonische und Talmudische Interpretation. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Breslau, Aus Bayern, Aus Mecklenburg, Dortmund, Horb. — Rußland: Warschau. — Türkei: Konstantinopel. — Griechenland: Bonn- — Amerika:-Washington. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Wie ich in's Amt kam. II. Sltitwiba dztißcf. Bonn, 28. August. Die Unterstützungsvereine für invalide jüdische Lehrer, Lehrer-Wittwen und Waisen. Wir erachten die in der Überschrift genannten Vereine für eine Zierde des neueren Judenthums und rechnen es uns zur Ehre an, bei der Begründung zweier derselben, des rheinisch-westfälischen und der Achava persönlich betheiligt gewesen zu sein. So viele ihrer jetzt bestehen, die beiden eben genannten, der Verein für die jüdischen Lehrer Württembergs, für die Provinz Hannover, für Schlesien-Posen, sie alle befinden sich in blühendem Zustande, vertheilen jährlich tausende von Mark an der Hülfe Bedürftige und sammeln zugleich allmälig einen eisernen Fond, der ihren Bestand auch für die Zukunft immer mehr sichert. Da diese Vereine jährlich ihren status veröffentlichen und auch wir von diesem stets Kenntniß nehmen, sind dies nicht blos Worte, sondern Thatsachen. So sind sie zugleich Zeugniß für die Umwandlung in der Stellung und Beschaffenheit unserer Lehrer und für die Aenderung innerhalb des neueren Judenthums. Es läßt sich nicht verhehlen, daß seit Jahrhunderten keine Klasse in })er Judenheit mehr mißachtet war, als die der Lehrer, der Bachurim. Von den Gemeinden völlig unberücksichtigt, in demüthigender Abhängigkeit von den Familienvätern, hatten sie während ihrer Thätigkeit bei kümmerlichstem Einkommen die größten Entbehrungen und in ihrem Alter Verlassenheit und Elend zu ertragen. Es ist dies um so merkwürdiger, als die jüdischen Eltern es als strenge religiöse Verpflichtung ansahen, ihre Kinder unterrichten zu lassen, und ohne Schulzwang sie ohne Ausnahme in das Cheder schickten. Erklärlich ist es nur aus der Hochachtung, die der theologischen Gelehrsamkeit gewidmet ward und aus der meist geringen Befähigung dieser Lehrer. Natürlich ist es ein weiter Unterschied zwischen diesen Subjekten und unseren heutigen Lehrern, welche in großer Anzahl seminaristisch gebildet sind, jedenfalls das staatliche Elementarlehrerexamen bestanden haben müssen. Man gestatte uns hierbei die Bemerkung, daß die jüngere Generation der Rabbinen und Lehrer nicht mehr weiß, welche Anstrengungen es gekostet hat, den Rabbiner- und Lehrerstand aus dem Verfall herauszuheben, in den sie gerathen waren, und ihnen die Achtung und Stellung zu verschaffen, die sie jetzt genießen. — Die jüdischen Lehrervereine zur Unterstützung invalider Lehrer, der Lehrer-Wittwen und Waisen waren und sind eine Nothwendigkeit, theils, weil die Mehrzahl der jüdischen Lehrer nicht den Charakter der öffentlich angestellten besitzt, also den staatlichen Lehrerunterstützungskassen nicht angehören kann, theils weil die Unterstützungen der letzteren kein genügendes Maß haben, die meisten Gemeinden aber keine Mittel oder auch keinen Willen haben, alten Lehrern und ihren Hinterlaffenen Pensionen zu zahlen, llufere Vereine sind nun auf drei gesunden Grundsätzen errichtet, welche ihre Wirksamkeit und ihren Bestand verbürgen. Zuerst auf den der Gegenseitigkeit, so daß aus ihre Subventionen nur die Mitglieder derselben Anspruch haben. Würden sie diese Bedingung nicht festhalten, so müßten sie ihre Mittel außerordentlich zersplittern und sie deßhalb unwirksam bleiben. 35

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