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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-25 · Heft 34 (25.8.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 34 (25.8.1887)
Date
1887-08-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iu-mthums. Ein unWrteiislhes Organ für Ms jiidischc Jntcressc. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. IIS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Lu-wig Philippjon in Bonn. GXpeöition: Leipzig, Woßplah 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 25. August 1887. Nr. 34. Inh alt. Leitende Artikel: Die neueste Phase des Papstthums. — lieber die Nothwendigkeit des Verbotes der Meziza. — Erez Iisroel-Erde. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Breslau, Marburg, Vom Rhein. — Oesterreich-Ungarn: Innsbruck. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg, Odessa. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Wie ich in's Amt kam. SiMcnbc dzti&ef. Bonn, 21. August. Ute neueste Phase des Papstthums. Wer die Jahrgänge dieser Zeitung dmchblättert, wird ersehen, daß wir es stets vermieden haben, in die Verhältnisse anderer Religionen und Kirchen, sei es in ihre inneren oder in die unter einander, uns einzumischen, sie anzugreifen oder zu verletzen. Wir haben offenmüthig das Wesen aller Religionen und Kirchen zu erkennen und darzustellen, ihre Uebereinstimmung und ihre Verschiedenheiten, selbst Gegensätze zum Judenthum klar zu legen gesucht, sind hierbei aber jedem direkten Angriff aus dem Wege gegangen. Dies kann uns aber nicht verhindern, in unserem Bestreben, den Verlauf der Dinge in unserer Zeit zu beobachten, namentlich auch soweit er mit Judenthum und Juden in Contakt geräth, und aus allgemeinem Gesichtspunkte zu betrachten. Wir standen nicht an, jenen Gewaltstreich zu bekämpfen, durch welchen mit Pius IX. Genehmigung ein jüdischer Knabe aus den Armen seiner Eltern gerissen ward; wir zögerten nicht, uns gegen jene Encyclica und den Syllabus Pius IX. zu erheben, in welchen das Anathem über die Grundsätze des Rechts und der Freiheit ausgesprochen wurde, die das Fundament des modernen Staates bilden, und auch der gesellschaftlichen Stellung der Juden zum Stützpunkt dienen. Aber wir äußerten kein Wort über das vatikanische Unfehlbarkeitsdogma (1870), denn wenn Millionen Katholiken dieses Dogma als Consequenz, als Krönung des katholischen Dogmenbaus anerkannten, so ging dies direct uns nichts an. Man kann uns ebensowenig die Befriedigung verdenken, daß ein solches Dogma im Judenthume niemals existirt hat, daß in diesem die Unfehlbarkeit allein den Gedanken und Rathschlüssen Gottes zugeschrieben wird. Wer am höchsten zu aller Zeit im Judenthume verehrt wurde und wird, ist Moses, Sohn Amrams. Aber nicht als göttlich, nicht als heilig und unfehlbar, sondern als der gottbegnadigtste Prophet, dem der Gottesbegriff am klarsten aufgegangen („von Angesicht zu Angesicht") wird er gepriesen*). Selbst die heilige Schrift weiß von seinen Fehlern und leidenschaftliche» Aufwallungen zu berichten und 5. Mos. 32, 50, heißt es von ihm und Ahron: Ihr sollt nicht nach dem Lande Canaan kommen, dieweil Ihr untreu gehandelt an mir (dem Ewigen) inmitten der Söhne Israels an den Haderwaffern von Kadesch in de, Wüste Zin, dieweil ihr mich nicht geheiligt inmitten der Söhne Israels". Auch in den späteren Legenden wird betont, daß Moses im Zorne die Aeltesten des Volkes Israel beschimpft habe. Wie das Grab Moses verborgen blieb, so hat auch die Synagoge seinem traditionell angeblichen Todestage (7. Adar) keine besondere Bedeutung gewidmet, und die Erwähnung seines Todes gießt keinen Wermuthstropfen in I) Selbst in dem synagogalen Lobgesang auf Moses >7-3 irrw wird von Moses nichts Höheres ausgesagt: „Fürst der Fürsten — auch Abraham wird „Fürst Gottes" genannt 1. Mos. 23, 6 — war unser Lehrer Moses, der Vater der Weisen, das Haupt der Propheten!" 34

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