Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1887)
- Date
- 1887-08-18
- Page
- Seite 526 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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526 und enthüllt worden. 33 Jahrhunderte lag seine Leiche unangetastet in seiner Grabkammer, und jetzt — liegt sie enthüllt, allen Blicken zugänglich, im Museum zu Bulak bei anderen Curiositäten, und zwar wegen Ueberfüllung in einem Anbau, der früher zu einer Brauerei gehört hat! Welcher Wandel des Geschickes für die unnahbare Person eines so großen Herrschers, noch dazu nach egyptischen Begriffen! Welche besondere Empfindung für einen Nachkommen jenes Israels, dessen Vorfahren so schwer unter der Geißel dieses Tyrannen gelitten! . .. Das Nähere ist Folgendes. Das in diesem Jahre ausgegebene Bulletin des egyptischen Institutes zu Kairo (2. Folge No. 7.) enthält das genaue Protokoll, welches in Gegenwart des Vicekönigs von Egypten, seiner Minister und einer Anzahl hochgestellter Persönlichkeiten, darunter Sir Henry Drummond Wolf, bei der Eröffnung der Mumien der Könige Ramses II. (des bekannten Sesostris der klassischen Schriftsteller) und Ramses III. ausgenommen und amtlich publicirt worden ist. Es trägt als Datum den 1. Juni 1886, 9 Uhr Morgens. Eine Inschrift in schwarzer Tinte auf der äußeren Leichenumhüllung, in der Brustgegegend der Mumie No. 5233, setzte die Thatsache außer Zweifel, daß der einbalsamirte Körper wirklich der Person des weltberühmten Sesostris angehört habe. Das Protokoll fährt nach dieser Feststellung wörtlich fort: „Nachdem das Vorhandensein dieser Inschrift durch S. H. den Chediw und die Versammlung der hochgestellten Personen im Saale beurkundet war, wurde die erste Umhüllung beseitigt und man entdeckte nach und nach eine Zeugbinde von 0,20 Meter Breite, mit welcher der Körper umwickelt war, darauf ein zweites genähtes Leichentuch, von Stelle zu Stelle durch schmale Streifen zusammengehalten, dann zwei Lagen von Binden und ein Stück feiner Leinewand, das vom Kopf bis zu den Füßen reichte. Eine Abbildung der Himmelsgöttin Nuit, ungefähr ein Meter lang, ist mit rother und schwarzer Farbe darauf gezeichnet, wie es das Ritual vorschreibt. Das Profil der Göttin ist dem reinen und zarten Profil Königs Seti I. (Vater Ramses II.), wie es die Denkmäler von Theben und Abydus zeigen, bis zum Verwechseln ähnlich. Ein neuer Streifen befand sich unter diesem Schutzbilde, darauf eine Leinwandlage, welche viereckig zusammengelcgt war und Flecken der harzigen Substanz zeigte, deren sich die Einbalsamirer bedient hatten. Als rnan dieselbe bei Seite geschoben hatte, kam Ramses II. zum Vorschein. „Er ist groß, wohl gebildet und von vollständigem Ebenmaß (1,72 Meter lang). Der Kopf ist länglich, doch klein im Verhältniß zum ganzen Körper. Der oberste Theil des Schädels liegt ganz bloß. Die Haare, spärlich an den Schläfen, verdichten sich nach dem Nacken zu und bilden förmliche glatte und regelrechte Flechten von etwa 0,05 Meter Länge. Weiß im Augenblick des Todes, haben sie durch den Einfluß der Spezereien eine hellgelbe Farbe angenommen. Die Stirn ist niedrig, schmal, die Augenbrauen treten im Bogen hervor, das Auge ist klein, die Nase lang, dünn, gradlaufend wie die Nase der Bourbonen, leicht eingepreßt durch den Druck bei der Umwickelung, die Schläfen sind hohl, der Backenknochen hervorspringend, das Ohr rund und vom Kopf abstehend, die Kinnlade stark und mächtig, das Kinn sehr lang. Der breit gespaltene Mund ist von dicken, fleischigen Lippen eingefaßt; er war mit einer schwarzen Masse angefüllt, von welcher ein mit dem Meißel abgelöster Theil einige sehr abgenutzte und bröcklige, aber weiße und wohl gehaltene Zähne erkennen ließ. Der dünne und während der Lebenszeit sorgfältig rasirte Bart war während der letzten Krankheit oder nach dem Tode gewachsen; die einzelnen Haare, weiß wie das Kopfhaar, aber hart und stachlich, sind zwei bis drei Millimeter lang. Die Haut ist von erdfahler gelber Färbung, mit schwarzen Flecken darauf. Alles zusammengenommen giebt das Gesicht der Mumie eine deutliche Vorstellung von dem Gesicht des lebenden Königs: ein wenig intelligenter Ausdruck mit einem Anflug von Bestialität, aber Stolz, Eigensinn und ein Aussehen souveräner Majestät, welches noch unter der Einbalsamirungs- Schichte hervorbricht. Der übrige Theil des Körpers ist nicht weniger gut erhalten als der Kopf, doch hat die Verminderung der Fleischmasse das äußere Aussehen desselben weit beträchtlicher verändert. Der Hals hat uur noch den Durchmesser der Wirbelsäule. Die Brust ist breit, die Schultern sind hoch, die Arme über die Brust, gekreuzt, die Hände fein und mit der Henne-Pflanze roth gefärbt, die Nägel sehr schön, bis zum Fleische hin beschnitten und so sorgfältig gehalten wie die einer eleganten Dame. Schenkel und Beine sind eingetrocknet, die Füße lang, dünn, etwas platt, und wie die Hände mit Henne gefärbt. Die Knochen sind schwach und gebrechlich, die Muskeln in Folge des zunehmenden Greisenalters geschwunden: man weiß in der That, daß Ramses II. viele Jahre lang mit seinem Vater Sati I., 67 Jahre allein regierte und somit beinahe als Hundertjähriger sterben mußte. Vermischtes. Eine Millionen-Erbschaft. Die Bewohnerschaft des Städtchens Berbo, das wegen seiner Reichstagsfatalitäten in jüngster Zeit öfters genannt wurde, befindet sich — wie von dort mitgetheilt wird — seit Kurzem in großer Aufregung in Folge einer Nachricht, die auch in weiteren Kreisen Interesse erregen dürfte. Im Jahre 1848 ging ein Mann Namens Lilienthal, der in Berbo das nicht besonders reich dotirte Amt eines Lehrers inne hatte, t