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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-11 · Heft 32 (11.8.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 32 (11.8.1887)
Date
1887-08-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudmthums. Ein „»parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. GspeSition: Leipzig, Woßpkach 17 In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 11. August 1887. Nr. 32. Inhalt. Leitende Artikel: Zur Charakteristik des Jsraelitenthums. — Die „christliche Volkspartei" in Ungarn. — Die Synode. I. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Köln, Wiesbaden. — Oesterreich-Ungarn: .Wien, Agram. — Rußland: Petersburg, Warschau, Aus Kaiisch, Odessa. — Rumänien: Bottuschan, Bukarest. — Bonn: Notizen.— Bonn, Pest: Literarische Notizen.— Feuilleton: Correspondenz. — Eine Audienz bei dem Könige von Italien. icitc-nba GU'fri&ef. Bonn, 7. August. Jur Charakteristik des Jsraelitenthums. Eine geschichtliche Erkenntniß müssen wir stets im Bewußtsein festhalten, nämlich die, daß die ganze Civilisation des Mittelalters und der neueren Zeit aus zwei Wurzeln hervorgesprossen, in religiöser und ethischer, mehrfach auch in sozialer Beziehung aus dem Jsraelitenthume, in künstlerischer und wisienschaftlicher Beziehung aus dem Hellenenthume. Auf dem juridischen Gebiete hat das römische Recht die Führerschaft übernommen, das überall das nationale Recht verdrängte, bis es in der neueren Zeit vom allgemeinen und vom nationalen Recht wieder beseitigt worden. Die politische Cultur ist jedoch eine selbständige durch den aus der germanischen Gefolgschaft hervorgegangenen Feudalstaat, den absolutistischen und den constitutionellen Staat. Das Eigenthümliche und Charakteristische des Jsraelitenthums besteht nun nicht allein darin, daß es sich lediglich auf dem religiös-ethisch-sozialen Gebiete bewegte, sondern auch, daß es hierin überall einfach, natürlich, den Verstand und das Herz zugleich befriedigend erscheint. Gerade durch diese Eigenschaften konnte es für das ganze Menschenthum das Fundament bilden, auf welchem sich die Fortentwickelung in sicheren architektonischen Zügen ausgestalten konnte. Denn um es gleich zu bemerken, wenn wir von der Nothwendigkeit sprechen, die obige geschichtliche Erkenntniß fest im Bewußtsein zu erhalten, so meinen wir dies heute nicht von dem speciellen Standpunkt unserer Glaubensgeiiossenschaft, sondern von dem allgemein menschlichen. Die Gründe hierfür werden sich am Schlüsse dieses Artikels finden. Das israelitische Wesen hatte neben sich das egyptische, phönizische, assyrische, indische und parsische. Alle diese aber entarteten in's Bizarre, Groteske, Ungeheuerliche. Sie entsprangen aus einer Mischung der Phantasie und der Nüchternheit, jener, die von den Gesetzen des Verstandes und des Geschmacks' noch nicht begrenzt war, und dieser, welche von der Freiheit der Gefühle und Empfindungen noch nicht ergriffen war. Die Tendenz aller dieser Culturen ging nach dem Großen, Abenteuerlichen, Unbegrenzten, außer von den Grenzen des menschlichen Könnens. Der Despotismus war deßhalb ihr Gesetz. Sie gingen aus von der Gegensätzlichkeit, die in der noch nicht erkannten Natur zu herrschen scheint. Sein und Nichtsein, Leben und Tod, Nutzen und Schaden für den Menschen bildeten ihnen Probleme, deren Lösung sie nicht finden konnten, und die sie daher in ihrer Unvermitteltheit zur Darstellung bringen wollten. Der Despotismus, das Kastenwesen und die Feindschaft der Gottheit gegen die Menschen, von welchen sie die beschwerlichsten Opfer verlangte, waren deßhalb die Culturresultate aller dieser großen Nationen. Mußte doch das Volk in Egypten allen Schweiß seiner Arbeit dem Götter- und Todtencultus bringen, in Vorderasien seine Kinder auf die glühenden Arme des Moloch legen, in Indien seine Leiber unter die Räder seiner Götterbilder werfen, und selbst bei den einfacher gearteten Feueranbetern (Parsen) spielten nicht allein die guten und bösen Engel und 32

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