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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-04 · Heft 31 (4.8.1887) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 31 (4.8.1887)
Date
1887-08-04
Page
Seite 495 (sequence 15)
Language
German
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deren und will auch diese getreulich berichten. Voran muß ich eingestehen, daß ich niemals einer studentischen Verbindung angehört, niemals den Fechtboden besucht, nie mals ein Rapier oder eine Schußwaffe in der Hand gehabt. Eines Tages holte ich mir von der Bibliothek die Geschichte der Maltheser von Vertot in 5 Bänden. Zn Hause angelangt, hatte ich nur 4 Bände. Alsbald eilte ich nach dem großen Auditorium und klebte einen Zettel an, wo der Finder das Buch abgeben sollte. Allein Niemand brachte es. Nach mehreren Wochen ging ich zu Oberbibliothekar Wilkens, dem Geschichtsschreiber der Kreuzzüge. Allein er bedeutete mich, daß ich das Buch anschaffen müsse und froh sein dürfe, daß es nicht die seltene Quartausgabe gewesen. Ich suchte demnach alle antiquarischen Handlungen der Stadt durch und fand endlich ein vollständiges Exemplar, für welches ich 10 Thaler zahlen mußte, eine für mich nicht unbeträchtliche Summe. Einige Tage darauf fand ich einen Anschlag, in welchem der, welcher dieses Buch verloren, es bei dem und dem zurückzuholen habe. Ich war höchstlichst entrüstet, denn da in dem Buche das Wgppen der Bibliothek mehrmals abgedruckt war, hatte der Finder die Pflicht, es sofort bei der Bibliothek abzuliefern. In meinem Zorne machte ich jenem Studirenden die nachdrücklichsten Vorwürfe und vermied recht harte Ausdrücke nicht. Als ich mich entfernt und etwas beruhigt hatte, war ich gewiß, daß der Mann mich fordern müsse. Es geschah aber nicht, und so verlief dieses Rencontre ganz harmlos. Beiläufig bemerkt, lernte ich einen jungen Mann kennen, der sich für den natürlichen Sohn eines Fürsten hielt, und deshalb für Heraldik und Ordensgeschichten eine große Vorliebe besaß. Der kaufte mir das Werk für den gezahlten Preis ab. — Ernsterer Art war das zweite Rencontre. Kurze Zeit vor meinem Abgang von Berlin ging ich mit einigen Freunden nach einem kleinen, wenig besuchten Cafä, um uns an einer Partie Billard zu vergnügen. Wir hatten dieses Spiel gern, ohne es freilich weit darin gebracht zu haben. Nach dem Spielreglement hatte, wer zuerst gekommen, auf drei Spiele das Anrecht. Wir waren noch im zweiten, als eine Anzahl sehr animirter Studenten eintraten. Nach kurzer Zeit rief einer der Ankömmlinge uns zu: „Was hindern die Judenjungen uns an unserem Spiel, werft sie hinaus!" Da trat ich mit umgekehrtem Queue auf den Menschen los und sagte: Revociren Sie sofort Ihre Schimpfworte, wir haben das Recht zu spielen! Er wiederholte seine Schmähworte, und darauf forderte ich ihn zu einem Duell auf Säbel auf Tod und Leben. Alles war tvdtenstill. Wir spielten noch eine kurze Zeit und verließen dann das Lokal. Die Sache war ernst. Ich war entschlossen, den Streit durchzuführen und wollte deshalb am anderen Tage Fechtunterricht nehmen. Doch kam es nicht so weit. Am anderen Vormittag trat ein Student bei mir ein. der mir im Namen des Beleidigers den Wunsch zu erkennen gab, die Sache auszugleichen. Ich hörte aus ihm heraus. daß Jener ein Theologe sei, der einzige Sohn einer Wittwe, ein Hesse, und kurz vor dem Examen stehe. Ich stellte die Bedingung, daß jener Mensch mit Allen, welche zugegen gewesen, in demselben Lokale erscheine, wo ich mich mit meinen Freunden einfinden werde, und daß er hier die Beleidigung förmlich widerrufen und sein Bedauern ausdrücken solle, sich so weit habe verleiten lassen. Dies wurde angenommen und noch denselben Nachmittag ausgeführt. Wir tauschten sogar einige versöhnliche Worte aus. — Hiermit wären die Erinnerungen aus meinen Studienjahren zu Ende. Von diesem bis zum praktischen Leben ist der liebergang ein noch viel schwererer, als vom Gymnasium zur Universität. Und daher setze ich voraus, daß denjenigen meiner freundlichen Leser, welche mich bisher begleiteten, wohl die Frage auf den Lippen schwebt, wie ich ins Amt gekommen? Dies war damals eine viel schwierigere Sache als jetzt, und ich will deshlb eine kleine Mitheilung darüber nicht zurückhalten, da sie zugleich einen Einblick in die jüdischen Zustände jener Zeit gewährt. (Schluß folgt.) Wir suchen zum möglichst baldigen Ein Irin Cantor, welcher mit einem Synagogen - Chor dei Gottesdienst zu leiten versteht und als Hilfs Religionslehrer zu fungiren hat. Gepalt pro Jahr M. 1500. [£a3f>0i Meldungen sind zu richten an den Bor sitzenden des Vorstandes _ Duisburg. 18. Juli 1887. Dr. Wolff. Für Material. Leder u. Eisen suchen per sofort einen jungen Mann u. Lehrling. Neuwarp. Moritz & Co. Anzeigen. Reelles Heirathsgesuch. Ein aus dem Cap in Berlin vorübergehend weilender Deutscher, mos., aus hochachtbarer Familie, wünscht sich mit einem bescheid. u. gebild. jung. Mädch. aus gut. Familie zu verheil athen Betreffend, jung. Mann, 32 I. alt, ist Inhaber eines seit 12 Jahr, beneheno. sol. rent. Geschäfts u. stehen ihm beste Referenz. zur Seite. Eine Mitg. von 10—15 Mille erwünscht. — Ettern resp. Vormünder, wollen sich vertraunngsvoll unter Beilegung einer chhotogr. wobei strengste Discret. zugesichert wird wenden unter Chiffre F. C. 661 an Rudolf Mofse, Berlin W. sB.3662 Ein unverh. israel. Lehrer für Französisch u. Englisch mit fac. doc., u. Unterrichtspraxis zu (oichaelis gesucht. Meldungen an den Direktor der Samsonschule zu Wolfenbüttel Dr. Kosenstock. Für einen größeren, streng religiösen Haushalt (1<> Personen Geschäft) nach Mülherm a. Rh. wird eine bur^aus sLa3023 tüchtige isr. Köchin, welche auch gleichzeitig dem Haushalte vorstehen muß, per l. September er. (jejucfyt* E. Löwe, Duisburg.

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